Tierheim Friedrichshafen sucht neue Gassigänger

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Schwäbische Zeitung
Brigitte Geiselhardt

Chip und Chap haben es in ihrem bisherigen Hundeleben nicht leicht gehabt. Vor ein paar Monaten wurden die beiden Terrier-Mischlinge im Tierheim Friedrichshafen abgegeben. Jemand hatte sie hergebracht, nachdem sie mehrere Stunden am Außengelände eines Elektronikmarkts festgebunden waren. Sie waren in einem verwahrlosten und ungepflegten Zustand. Jetzt haben sie eine neue Bleibe gefunden und wissen, dass sie gut aufgehoben sind. Eigentlich suchen sie ein neues – möglichst gemeinsames Zuhause – bei verantwortungsvollen Menschen. Aber sie sind auch froh, wenn sie Bewegung haben und sich jemand Zeit nimmt – und mit ihren regelmäßig Gassi geht.

Eine Geschichte, die zu Herzen geht. Und doch nur eines von vielen Beispielen, die im Häfler Tierheim an der Tagesordnung sind. Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, auch Igel, Enten, Schwäne und andere – rund 800 Tiere werden jährlich hier aufgenommen. Versorgt werden die Tiere von zwei hauptamtlichen Vollzeitkräften, fünf Teilzeitmitarbeitern und einem Pool von Ehrenamtlichen. Träger ist der 1951 gegründete Tierschutzverein Friedrichshafen und Umgebung mit seinen derzeit mehr als 1100 Mitgliedern.

„Ja, wir sind unseren Gassigängern sehr dankbar“, sagt Anne Juhre, stellvertretende Vereinsvorsitzende. „Sie bauen sehr oft eine enge Bindung zu den Hunden auf und gehen bei Wind und Wetter mit ihnen raus. Dieses Engagement ist für viele Ehrenamtliche eine fixe Größe im Leben geworden. Selbst an Feiertagen kommen sie, um am Vormittag noch eine Runde zu drehen.“ Für den Tierschutzverein sei es eine große Hilfe, die Hunde so gut versorgt zu wissen. „Manche Leute besuchen mit ihren Schützlingen sogar eine Hundeschule, um damit vielleicht auch die Vermittlungschancen zu erhöhen“, ergänzt Anne Juhre.

Seit 25 Jahren Gassigänger

Auch an diesen Samstagnachmittag sind wieder einige Gassigänger im Anmarsch. Zum Beispiel Peter Heberle. Der Rentner kommt so oft er kann – und das seit 25 Jahren. „Es handelt sich hier um Geschöpfe Gottes, um die man sich kümmern sollte“, sagt er und erzählt davon, dass er früher selbst Hunde gehabt habe. „Aber mit meinen 75 Jahren geht das mittlerweile nicht mehr. Ich bin verwitwet, lebe allein, muss in meinem Haus viele Treppen steigen – und kann einen eigenen Hund einfach nicht mehr ausreichend versorgen“, bedauert er. Umso mehr freut sich Heberle, wenn er merkt, dass „seine“ Elsa schon ungeduldig auf ihn wartet, um für eine paar Stunden den mit dem Auslauf verbundenen Tapetenwechsel zu genießen. Die Hundedame Elsa ist ein zwölfjähriger Schäferhund-Mischling. Nicht gerade eine Schönheit, die außerdem auch ein paar Kilo zuviel auf den Rippen hat. „Kein Hund, bei dem Kinderherzen strahlen. Eher ein Hund auf den zweiten Blick“, erklärt Gisela Heim, die als hauptamtliche Kraft für die Pflege der Tiere verantwortlich ist. Ebenfalls ein paar Stunden Zeit genommen hat sich Seifert. „Nicht nur die Hunde kommen raus und haben Abwechslung – auch für meine Bewegung an der frischen Luft ist gesorgt“, bringt sie einen Aspekt ins Spiel, der ihr aus sportlicher Sicht sehr entgegenkommt.

Auch Anni Beier und Ute Mory haben heute den Weg ins Tierheim gefunden. Auch sie sind erprobte Gassigänger. „Mir persönlich gibt dieses Engagement sehr viel. Wenn man mit leuchtenden Hundeaugen erwartet wird, dann ist das auch ein tolles Gefühl“, sagt Ute Mory. „Ich würde gerne selbst einen Hund halten. Aber wenn man jeden Tag zur Arbeit geht, ist das einfach nicht möglich.“ Chip und Chap ist das ziemlich egal. Sie können es gar nicht abwarten, mit ihren beiden Frauchen Gassi zu gehen und etwas Neues erleben zu dürfen. Und sie hoffen darauf, dass es für sie ein Happy End gibt und sie vielleicht doch noch ein richtiges neues Zuhause zu finden.

Kontakt

Weitere Gassi-gänger sind im Tierheim willkommen. Infos hierzu gibt es unter Telefon07541 / 63 11 oder per E-Mail an

info@tierheim-friedrichshafen.de

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