Theater Ravensburg hat seinen ganz eigenen Macbeth

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Bildgewaltig und komisch: Die Macbeth Version des Theaterclub 4 Theater Ravensburg.
Bildgewaltig und komisch: Die Macbeth Version des Theaterclub 4 Theater Ravensburg. (Foto: Lydia Schäfer)
Lydia Schäfer

Aus einem Drama eine Komödie machen – ein Stück, das ursprünglich aus fünf Akten besteht, auf 90 Minuten eindampfen – ob das geht? Das geht. Der Theaterspielclub 4 des Theaters Ravensburg hat es bewiesen. Sie haben Shakespeares tragischste Figur auf die Bühne der Theatertage am See geholt: Macbeth.

Er ist ein Schotte, ein Mann des elften Jahrhunderts, ein Kämpfer für den König, ruhmreich in der Schlacht, überschüttet mit Ehren, machthungrig und wahnsinnig zugleich. Ohne Frage, das Böse steckt in ihm, aber auch Zweifel, die jedoch von Lady Macbeth, seiner ehrgeizigen und nicht minder machthungrigen Frau verworfen werden.

Warum sich mit dem Titel dem „Than of Cawdor“ zufriedengeben, wenn die Königskrone zum Greifen nah scheint? Sein Cousin, der rechtmäßige König Duncan von Schottland, will im Hause Macbeth übernachten und wird die Nacht nicht überstehen. Königsmörder Macbeth ist zuvor von drei Hexen prophezeit worden, dass er selbst König werde und die Söhne seines Begleiters Banquo würden später Könige werden. Es liegt nahe, dass der König sterben muss und – wenn man schon dabei ist – Banquo und sein Sohn Fean auch. Und da ist noch MacDuff, der sich seiner Herrschaft widersetzt und mit den Engländern paktiert. Da MacDuff nicht in seiner Burg angetroffen wird, müssen Dienerschaft, Ehefrau und Kinder mit dem Leben büßen. Ja, Macbeth ist blutig und der Protagonist wahnsinnig. Er hört die Stimmen der Ermordeten, sieht den Geist Banquos auf seinem Thron sitzen und auch Lady Macbeth wird von Schuldgefühlen geplagt, die sie zum Selbstmord treiben.

Der Theaterclub hat alles aufgegriffen, was Shakespeare im 17. Jahrhundert zu Papier brachte. Die Prophezeiungen der Hexen, die blutigen Taten, die Verzweiflung der Täter, die Stimmen im Kopf Macbeths. In ihrer modernen Version steht trotz aller Dramatik das Komische im Vordergrund.

Bildgewaltige Umsetzung

Sie haben den Humor aus dem düsteren Stück herausgekitzelt. Es darf gelacht werden, wenn König Duncans Schergen während ihrer Kriegsberichterstattung so nach und nach tot zu Boden sinken oder die königliche Gefolgschaft zum Geklapper zweier Kokosnüsse über die Bühne „reiten“. Und wenn diese Ritter der Kokosnüsse sich hinter dürren, klitzekleinen Ästchen tarnen und den Wald von Birnam mimen, hat auch noch der letzte Zuschauer, der ein düsteres Drama erwartet hat, seinen Spaß. Komisch, aber nicht lächerlich.

Regisseur Alexander Niess hat auf die Macht der Bilder gesetzt. Ausgefeilte Kostüme, bleiche Gesichter, schwarze Augenränder, eine epische Schlacht in Zeitlupe und demgegenüber ein fast schon übertriebenes quirliges Schauspiel runden die Darstellung ab.

Die einzige Konstante ist ein großer, karger Ast, der in der Bühnenmitte platziert ist. Hier hängt zu Beginn, die von allen heiß begehrte Krone und am Ende der Kopf Macbeths.

Sonst gibt es einen ständigen Rollenwechsel zwischen den Akteuren. Die Stimmen im Kopf des ersten Macbeths übernehmen nach und nach seine Rolle und auch Lady Macbeth wird von unterschiedlichen Darstellerinnen verkörpert.

Wobei sich die Damen im Vorfeld auf der Bühne streiten, wer jetzt die Lady sein darf und wer nicht. Je nachdem welcher Charakterzug die Oberhand gewinnt, mimt der ein oder der andere Hauptdarsteller. Einziger Kritikpunkt: manche Darsteller haben ihre Rolle auf der Bühne nicht konsequent bis zum Abgang durchgespielt. Wenn man schon hinkt, reitet oder stirbt, dann bitte auch so lange, bis man die Bühne endgültig verlassen hat.

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