Sandra Lohr (links) und Birgit Glatt (rechts) freuen sich, dass die Viertklässler eine Lösung gefunden haben, um das gekenterte
Sandra Lohr (links) und Birgit Glatt (rechts) freuen sich, dass die Viertklässler eine Lösung gefunden haben, um das gekenterte Schiff sicher zu verlassen. (Foto: Ludwig-Dürr-Schjle)

In diesem Jahr gibt es an der Ludwig-Dürr-Schule seit 20 Jahren Schulsozialarbeit. Das haben Schulsozialarbeiter aus ganz Friedrichshafen zum Anlass genommen, den Schülern an der Grund- und Realschule Aufgaben zu stellen, um ihren Teamgeist zu stärken. So mussten sich die Viertklässler gemeinsam von einem imaginären sinkenden Schiff retten und die Zehntklässler erarbeiten, wie sie mit Dominosteinen einen Kettenreaktion auslösen können.

Die beiden Schulsozialarbeiterinnen Birgit Glatt und Sandra Lohr haben den Schülern der Klasse 4 a an dem Vormittag eine besondere Aufgabe gestellt: Alle Jungen und Mädchen sitzen in einem gekenterten Boot. Nun müssen sie sich auf eine Insel retten und dürfen dabei keinen Mitschüler zurücklassen. Zwischen der Insel und dem Schiffswrack schwimmen einige Schiffsteile. Mithilfe von fünf Masten können sie sich so einen Weg zur Insel bauen. Doch dafür müssen sie ein Konzept entwickeln und alle an einem Strang ziehen. Niemand darf zurückgelassen werden und wenn einer ins Wasser fällt, geht es wieder von vorne los.

Wie die Kinder als Gruppe agieren und auch wie jeder einzelne sich verhält, lässt die beiden Schulsozialarbeiterinnen darauf schließen, wie gut der Klassenzusammenhalt ist. „Es gibt Kinder, die trauen sich nicht über einen Mast zu balancieren. Dadurch könnten wieder andere ungeduldig werden, wieder andere sind gefrustet, weil die Aufgabe noch einmal von vorne begonnen werden muss“, sagt Lohr. Diese Aspekte seien besonders gut durch Erlebnispädagogik hervorzubringen. Wenn das Spiel für die Schüler geschafft ist, steht eine Reflektionsrunde an. Dabei besprechen die Sozialarbeiterinnen mit den Kindern, was ihnen aufgefallen ist. „Für den Klassenlehrer ist ein solches Spiel auch gut, um später noch einmal Bezug darauf zu nehmen“, sagt Lohr. Das könne auf lange Sicht die Zusammenarbeit stärken und vereinfachen.

Glatt und Lohr arbeiten normalerweise an anderen Schulen in Friedrichshafen. Für den runden Geburtstag der Schulsozialarbeit sind sie gemeinsam mit mehreren anderen Schulsozialarbeitern aus ganz Friedrichshafen an die Ludwig-Dürr-Schule gekommen. „Ein Programm wie dieses hatten wir noch nie an der Schule. Jeder Sozialarbeiter hat ein kreatives Programm aus dem Bereich der Schulsozialarbeit für unsere Schüler mitgebracht“, sagt Schulleiter Paul Baudler. Mit diesem Programm soll vor allem der Teamgeist der Klassen gestärkt und die Kommunikation untereinander verbessert werden. Besonders für die älteren Schülern sind diese sozialen Kompetenzen wichtig, um leichter in den Job zu starten.

Drei Schulsozialarbeiter

Darum kümmert sich die Schulsozialarbeiterin Ute Lebschi an der Ludwig-Dürr-Schule. Sie war vor 20 Jahren die erste Schulsozialarbeiterin, die die Stadt an der Ludwig-Dürr-Schule beschäftigte. Mittlerweile sind drei Schulsozialarbeiter an der Schule tätig. Sie kümmern sich um soziale Konflikte zwischen den Schülern, bieten Präventionsmaßnahmen an zu Themen wie Gewalt oder Sucht und sind auch Schnittstelle zwischen Eltern, Schülern und Lehrern. „Über die Jahre hat sich diese Arbeit sehr gefestigt“, sagt Baudler. Er sei froh, dass die Stadt in die Schulsozialarbeit investiere. „In Friedrichshafen haben sogar ganz kleine Grundschulen einen Schulsozialarbeiter. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man das mit anderen Städten vergleicht.“ Für die Schule sei die Schulsozialarbeit eine sehr große Bereicherung. „Wir können in einigen Bereichen so eine ganz andere Professionalität bieten“, sagt Baudler. Dazu gehöre unter anderem ein engerer Kontakt mit dem Jugendamt.

Lebschi kümmert sich mittlerweile vor allem um die älteren Schüler. In den Klassenstufen acht bis zehn vermittelt sie den Jungen und Mädchen soziale Kompetenzen, die für den Einstieg ins Berufsleben und auch bei Einstellungstests wichtig sind. An dem Freitagvormittag, der sich der Schulsozialarbeit widmet, kümmerte sich Lebschi deshalb um die Jungen und Mädchen der zehnten Klassen. „Die Klasse ist noch nicht so lange zusammen.Einige kennen sich schon von dem Schuljahr davor, andere sind ganz neu dabei. Der Zusammenhalt ist aber schon ganz gut“, sagt sie. Doch nicht jeder von ihnen hat seinen Platz gefunden.

Deshalb hat sie den Zehntklässlern ein Spiel mitgebracht: Sie müssen einen Dominowelt mit Start und Ziel bauen. Dafür werden sie in fünf Gruppen geteilt. Es gelten Bedingungen: Wie viele Steine auf welcher Fläche umfallen und in welcher Form sie ausgelegt werden sollen. „Es zeigt sich, wer sich einbringt oder lieber die anderen machen lässt“, sagt Lebschi. Einige packen sofort an, andere sind verunsichert. „Es geht auch um Verantwortung“, sagt Lebschi und das sei auch bei Einstellungstests wichtig – und darum geht es bei der Schulsozialarbeit: Um eine Betreuung, bei der nicht der Lehrplan im Vordergrund steht.

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