Taxi-Überfälle: Fahrer sind traumatisiert

Lesedauer: 6 Min
Justitia - Symbol für Gerechtigkeit.
Justitia - Symbol für Gerechtigkeit. (Foto: Peter Steffen)

Drogen-, Spiel- und Alkoholsucht, soziale Schwierigkeiten und mangelnde Empathie für die Opfer – das bescheinigte die psychologische Gutachterin den mutmaßlichen Tätern der Taxi-Überfälle in Friedrichshafen am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht Ravensburg.

Die drei Männer, die zum Tatzeitpunkt zwischen 17 und 20 Jahre alt waren, sollen im September 2017 drei Taxifahrer in Friedrichshafen überfallen haben. Am zweiten Prozesstag haben die Jugendgerichtshilfe sowie eine Psychologin ihre Einschätzung zu den mutmaßlichen Tätern abgegeben. Außerdem sagten die Taxifahrer als Zeugen aus.

Es ist nicht die erste Tat

Der Überfall auf die Taxifahrer war für die mutmaßlichen Täter nicht die erste verübte Straftat, die sie je begangen haben. Der Angeklagte T. ist bereits vorher wegen des Besitzes von Drogen und deren Konsum auffällig geworden. Außerdem ist er unter anderem in eine Tankstelle eingebrochen und hat dort Feuerlöscher gestohlen. Der Angeklagte R. hat in seiner frühen Jugend mehrere Diebstähle begangen, außerdem hatte er einen Unfall mit einem Roller verursacht, obwohl er keinen Führerschein hatte und sich dann einfach von der Unfallstelle entfernt. Außerdem nimmt er seit Jahren Drogen. Der Angeklagte G. war in der Vergangenheit nur einmal in eine Schulsportprügelei verwickelt. Aber auch er konsumierte regelmäßig Cannabis.

Persönlichkeitsstörung möglich

Die Jugendgerichtshilfe empfiehlt, die drei mutmaßlichen Täter nach Jugendstrafrecht zu bestrafen. Dem Angeklagten G. fehle es zwar ein wenig an Elan, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, aber immerhin sei es bis zum Hauptschulabschluss recht gradlinig bei ihm verlaufen. Auffällig sei bei ihm jedoch, dass er einen Hang dazu habe, aus der Realität zu flüchten. „Er mag es entspannt, wenn es zu stressig wird, steigt er aus“, sagte sie. Die Psychologin ging noch einen Schritt weiter und sagte, dass es möglich sei, dass G. an einer Schizotypie leide. Diese Persönlichkeitsstörung weise unter anderem seltsame Denk- und Sprechweisen, mangelnde soziale Beziehungen oder soziale Ängste auf. Dennoch betonte sie, dass der Angeklagte noch zu jung sei, um diese Störung abschließend zu diagnostizieren.

Gewalt in der Kindheit

Soziale Probleme hat laut Jugendgerichtshilfe und Psychologin auch der Angeklagte R. Er sei mit einem gewalttätigen Vater aufgewachsen und habe früh damit begonnen, Drogen und Alkohol zu konsumieren. Ihn zeichne eine Ambivalenz aus: manchmal sei er ruhig und freundlich und dann reagiere er so impulsiv, dass er kaum zu bremsen sei. „Bei ihm spricht vieles für eine dissoziale Persönlichkeitsstörung“, sagte die Psychologin. Aber auch er sei noch zu jung, um diese Diagnose zu stellen.

Beim Angeklagten T. zweifele die Psychologin nicht daran, dass er ein Suchtproblem habe. Ihm bescheinigte sie eine Cannabisabhängigkeit, eine Alkoholabhängigkeit, eine Tabakabhängigkeit sowie eine Spielsucht. Mehrfach habe er versucht aufzuhören, allerdings immer ohne Erfolg. Nun beteuerte er aber, dass er es noch einmal probieren wolle, um seine Ausbildung abzuschließen.

Alpträume und Ängste

An dem Tag hörte sich der Richter auch die Zeugenaussagen der drei Taxifahrer an. Alle drei gaben an, dass sie der Überfall immer noch beschäftige. „Jedes Mal, wenn ich schlafe, sehe ich diese Bilder vor mir“, sagte der Taxifahrer, der als erster Opfer des Überfalls wurde. Er leide seitdem an Alpträumen und meide dunkle Plätze. „Ich fahre nur noch sichere Orte an“, sagte er.

"Ich wollte sie durcheinander bringen"

Auch die anderen beiden Taxifahrer machten ähnliche Angaben dazu, wie sehr sie der Vorfall immer noch belaste. Der dritte Taxifahrer, bei dem der Überfall missglückte, weil er vorgab kein Geld zu haben, gab an, dass er flüchten wollte. „Die Täter und ich hatten ein vier- bis fünfminütiges Streitgespräch, ich wollte sie durcheinander bringen und dann habe ich Gas gegeben“, sagte er. Die mutmaßlichen Täter seien daraufhin geflüchtet und er mit seinem Taxi auf einer Verkehrsinsel zum Stehen gekommen.

Der nächste Prozesstag vor dem Landgericht Ravensburg findet am Mittwoch, 18. April, um 9 Uhr statt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen