Ein Diesel betriebener Zug fährt bei Baindt zur blauen Stunde über eine Brücke, die über die Bundesstraße 30 führt. Durch die L
Ein Diesel betriebener Zug fährt bei Baindt zur blauen Stunde über eine Brücke, die über die Bundesstraße 30 führt. Durch die L (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Die Südbahn gehört zu den wenigen Eisenbahnstrecken im Land, die nicht mit Strom versorgt werden. Das soll sich nach dem Willen des Landes möglichst bald ändern — und die Strecke mit Oberleitungen und Stromschienen aufgerüstet werden. Doch an der Finanzierungsfrage scheiden sich die Geister.

Wo fährt die Südbahn eigentlich?

Im Prinzip fährt die Südbahn — zumindest in Teilen — auf der Strecke, die schon die heimliche Schwabenhymne „Auf de Schwäb'sche Eisebahne“ besingt: Von Ulm aus geht es über Biberach, Aulendorf, Ravensburg und Friedrichshafen nach Lindau. Auch in dem mehr als hundert Jahre alten Lied geht es von „Schtuegart“ weiter über „Ulm ond Biberach, Meckebeura, Durlesbach“ — wobei der letzte Halt wohl eher aus Reimgründen an den hintersten Platz gerutscht ist.

Warum soll sie elektrifiziert und ausgebaut werden?

Nach Angaben des Verkehrsministeriums erschließt die Südbahn nicht nur die komplette Region zwischen Bodensee und Oberschwaben: Sie habe als „europäische Verkehrsachse“ mit Verbindungen nach Österreich und in die Schweiz einen hohen Stellenwert, heißt es in einer Mitteilung. Die Strecke soll mit Oberleitungen und Stromschienen aufgerüstet werden, damit auf ihr neben Diesel- auch E-Loks fahren können. Zudem soll sie ausgebaut werden, um eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde zu ermöglichen.

Warum gibt es Streit über die Finanzierung?

Aus Sicht von Baden-Württemberg kommt das Bundesverkehrsministerium nicht in die Gänge. Das Land habe zugesagt, freiwillig die Hälfte der Kosten zu übernehmen und die Mittel dafür im Landesetat reserviert, sagte ein Sprecher im Verkehrsministerium. Vom Bund gebe es bislang aber keine schriftliche Zusage, das Projekt überhaupt zu realisieren.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vertrete den Standpunkt, dass eine Finanzierungsvereinbarung erst nach Abschluss der Planfeststellung infrage komme — obwohl der Bund dies bei der durch Bayern führenden Allgäubahn anders handhabe, heißt es in Stuttgart. Auch eine Absichtserklärung, die das Land an Berlin geschickt habe, sei bislang nicht unterschrieben worden.

Das Bundesverkehrsministerium äußerte sich trotz mehrfacher Nachfrage nicht konkret zum Streit. Schwäbische CDU-Abgeordnete im Bundestag betonten jedoch zuletzt, der Bund stehe weiterhin zur Südbahn, deren Kosten Experten auf 226 Millionen Euro schätzen.

Wie sieht der Zeitplan für die Elektrifizierung aus?

Eigentlich hätte die Südbahn bereits Ende 2015 elektrifiziert sein sollen. Das wird sich aus Sicht des Verkehrsministeriums nicht halten lassen. Die Planfeststellung werde voraussichtlich im Frühjahr 2015 abgeschlossen, sagte ein Sprecher. Danach gehe das Projekt in die Vertiefungs- und Bauphase — vorausgesetzt der Bund finanziert mit. Wie lange das dauert, ist noch unklar.

Spätestens mit der Fertigstellung von Stuttgart 21 müsse die Elektrifizierung aber abgeschlossen sein, sagte der Sprecher des Ministeriums. „Sonst ist die Zusage nicht haltbar, dass man von Friedrichshafen umsteigefrei nach Stuttgart fahren kann.“ Denn in den Tiefbahnhof könnten künftig keine Dieselloks einfahren. Dem Verkehrsministerium sei dieser Zeitpunkt für die Elektrifizierung der Südbahn aber zu spät: „Wir und alle Parteien im Landtag hätten das gerne deutlich früher.“

Was erhoffen sich die Teilnehmer vom Gipfel in Friedrichshafen?

Das Spitzentreffen von Politikern und Verbandsmitgliedern am 17. November in Friedrichshafen soll für Klarheit sorgen: „Ziel ist es, eine Strategie für mehr Miteinander zu finden, statt uns gegenseitig zu zerfleischen“, sagte ein Sprecher des Interessenverbandes Südbahn kürzlich. Zu dem Gipfel eingeladen sind nach Angaben des Verbands alle Bundes- und Landtagsabgeordneten aus den Wahlkreisen entlang der Strecke zwischen Ulm und Lindau sowie Vertreter der Mitglieder des Interessenverbands, zu dem Landkreise, Kommunen, Regionalverbände sowie Industrie- und Handelskammern gehören.

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