Mit gepflegter Stimmkultur beeindruckte die neue "Camerata serena" unter Nikolaus Henseler bei ihrem geistlichen Konzert in St. (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Freudig durften die Zuhörer am späten Sonntagnachmittag in der gut gefüllten St. Magnuskirche in Fischbach die Wiedergeburt der Camerata serena unter ihrem neuen Leiter Nikolaus Henseler erleben. Ein anspruchsvolles geistliches Konzert mit A-Cappella-Chorwerken und Orgelstücken war es, das der 20-köpfige verjüngte Chor und der junge Organist Lukas Streibl in großer Klangkultur geboten haben.

Mit „Jesu, meine Freude“ BWV 227 stand Johann Sebastian Bachs umfangreichste und gehaltvollste Choralmotette im Zentrum des Konzerts, eine Folge von Liedvariationen und freien motettischen Gesängen zu Johann Francks Lied und Zitaten aus dem Paulusbrief an die Römer, quasi ein „Glaubensbekenntnis“, das den Kern des protestantischen Glaubens ausdrückt. Schlichte vierstimmige, archaisch-feierliche Chorsätze wechselten mit hochdramatischem Gesang, der im dramatischen Höhepunkt „Trotz dem alten Drachen“ dämonische Kräfte entfesselte, mit innigem Gebet und überirdisch schöner Reflexion.

Erinnernd an alte Klostergesänge

Mit der Rückkehr zum feierlichen Gesang der ersten Motette schloss sich der vielfarbige Kreis, den die zehn zehn Sängerinnen und Sänger ausgewogen und doch mit engelsgleich hervortretenden Sopranen interpretiert haben. Ein Gesang ganz so, wie ihn Nikolaus Henseler mit weit ausgreifenden Armbewegungen modelliert hat. Eingebettet war die Choralmotette in zwei Orgelwerke, die vom Barock in die Romantik führten. Wie einen Atemhauch Gottes ließ Lukas Streibl Bachs monumentale Toccata und Fuge d-Moll BWV 538 mit ihren durchlaufenden Sechzehnteln in klarem, strengem Spiel in die Kirche strömen. Wie spielerisch tanzend war danach Robert Schumanns apartes romantisches Stück aus „6 Kanons für Pedalflügel“ op. 56 in der Transkription für Orgel, ein fröhliches, unbeschwertes und im zweiten Teil lichtes, tröstliches Spiel, das die Spannung der vorangehenden Motette zu lösen vermochte. Eingeleitet hatte das Konzert Bachs tröstlicher Choral „Ach Herr, lass dein lieb Engelein“ aus der Johannespassion, gefolgt von einem tief empfundenen, dunkel gefärbten „Salve Regina“ von Franz Liszt, ätherischem Gesang, der in seiner Innigkeit an alte Klostergesänge erinnerte.

Liebe und Wärme durchglühten Gottfried August Homilius’ Motette „Sehet, welch eine Liebe“. Tief verinnerlichte Klage erklang in ergreifender Pianokultur mit Franz Liszts „Ave verum corpus“, ehe das Konzert mit Mendelssohns hellem, tröstlichem Segenslied „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ ausklang. Mit dem Bach-Choral BWV 60 mit dem hintersinnigen Titel „Es ist genug, Herr“ dankte die Camerata serena für den herzlichen Applaus, den das Publikum spendete.

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