Die dritte A-cappella-Nacht beim Kulturufer war phänomenal. Da gibt’s kaum noch Luft nach oben. Peter Martin Jacob, der Organisator des Ganzen, geht an die Grenzen des Machbaren – wohl auch finanziell: Drei Formationen hat er engagiert, und allein die beeindruckende Touché aus Skandinavien bringt satte elf Sängerinnen und Sänger auf die Bühne des Großen Zelts.

Mit ihrem sehr jazzigen Programm knüpft die „einzige A-Cappella-Big-Band der Welt“ an die Singer Unlimited an. Sie singt sogar ein Original-Arrangement dieses amerikanischen Easy-Listening-Quartetts, das seine Platten in den MPS-Studios im Schwarzwald aufnahm: „Fool on the Hill“ von den Beatles. Die Singer Unlimited sind mit diesem Song nie live aufgetreten – weil sie ihr säuselndes Stimmenmeer nur mit Studiotricks erzeugen konnten.

Anders Touché, bei denen jede Stimmlage doppelt besetzt ist. Das Ergebnis klingt sinfonisch und wie aus Tagträumen herabgesunken. Feiner, vielschichtiger, durchsichtiger kann in diesem Genre nicht gesungen werden. Aber es geht auch verrucht, mit „Shiny stockings“ von Duke Ellington. Da klingt jede Silbe wie ein abgelegtes Kleidungsstück. Fast alle Mitglieder von Touché treten als Solisten hervor und so reicht die Bandbreite von perfektem Crooning („Fly me to the Moon“) bis zum glockenklaren Swinggesang der unglaublich präsenten Ersten Sopranistin. Und stets bildet der dicht verwobene Hintergrund ein Geflecht wie Samt und Seide.

So bunt wie Eiscreme

Für die zünftige Bombenstimmung sorgen zuvor Das wird super. Die grellen Anzüge der vier ehemaligen Wiener Sängerknaben erinnern farblich an äußerst künstliche Eissorten, ihre Performance an den ausgeklügelt überspitzten Soul-Sound eines Michael Jackson. So ist denn auch „Thriller“ im Programm, inklusive Moonwalk. „Wannabe“ von den Spice Girls legen sie auch choreografisch so original aufs Parkett, dass das Zelt tobt. Mit „Careless Whisper“ und „Purple rain“ rühren die Alleskönner aber auch vollendet ans Herz. Das Publikum ist von allen drei Formationen so angetan wie umgekehrt diese vom Publikum. Die erste, das Quintett Quintense aus Leipzig, verbindet Pop und Soul mit leichten Anflügen von Jazz. „Aint’t nobody“ von Chaka Khan wird äußerst licht gesungen und groovt trotzdem, „My heart with you“ verwandelt das Herz in einen warm erleuchteten Lampion und der R’n’B-Reißer „Expensive“ von Tori Kelly bekommt den Soul der Sixties zurück, der im Original leider auf der Strecke blieb.

Wer weiß, vielleicht gibt es ja ein Wiederhören mit einer dieser Bands im Immenstaader Winzerkeller. Axel Töbel war jedenfalls im Publikum, mit äußerst aufmerksamen Ohren.

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