Heidi Keller

Um gemeinsam von ihrem Motorrad-Freund und fünffachen deutschen Meister Josef „Sepp“ Hage Abschied zu nehmen, haben sich am Samstag rund 60 Mitglieder des Classic-Racing-Team Bodensee und Freunde in einer Sternfahrt in Reute getroffen. Gemeinsam fuhren sie von dort weiter nach Salem an das Grab.

Auf ihre eigene Art gedachten die Veteranenfahrer aus Süddeutschland und der Schweiz am Samstag dem vor Pfingsten verstorbenen beliebten und erfolgreichen Motorrad-Kumpel Sepp Hage. „Wir wollten etwas organisieren in einer Art und Weise, die ihm entspricht“, sagte Wolfgang Merk vom Classic-Racing-Team (CRT) Bodensee. Christian Hage stimmte ihm zu: „Er hat sich nie in die vorderen Reihen gedrängt und sich lieber im Hintergrund gehalten“, beschrieb er seinen verstorbenen Vater. Bereits im Alter von vier Jahren begleitete er seinen Vater auf zahlreichen Rennstrecken. „Er hat mir und auch meiner Tochter, seiner Enkelin, das Motorsport-Gen mitgegeben.“

Zwischen 1977 und 1981 gewann Sepp Hage insgesamt fünfmal die deutsche Motorrad-Meisterschaft in der 250-ccm- und 500-ccm-Klasse im Straßen-Motorrad-Rennsport. Seine letzte Saison bestritt der gebürtige Allgäuer 1982 im offiziellen Mitsui-Team auf einem der raren Production-Racer Yamaha TZ 500 J, bevor er aus gesundheitlichen Gründen seine Renn-Karriere abrupt beenden musste.

Erst 25 Jahre später kamen Hage und seine Wettkampf-Maschine wieder zusammen – durch die Auflösung einer Privatsammlung. „Sogar die Entwürfe und Zeichnungen für die Konzeption dieser Rennmaschine kamen mit der Yamaha wieder zu ihm zurück“, sagte Sohn Christian. Ein neuer Anfang war gefunden: Ab 2006 ging Sepp Hage bei Veteranen-Veranstaltungen wieder mit dem spektakulären Vierzylinder-Zweitakter ins Rennen.

Treffpunkt Lieblingscafé

In der Bodenseeregion bekannt war der Rennsportler mittlerweile außerdem durch seine Werkstatt und Kawasaki-Vertretung in der Paulinenstraße. Seine außergewöhnliche Yamaha-Rennmaschine stand auch am Samstag im Mittelpunkt des Gedächtnistreffens im Obsthof Pfleghaar in Reute. „Hier war er gern zum Kuchenessen und Kaffeetrinken. Er hatte sogar seinen Stammplatz. Deshalb haben wir Erichs Obsthof auch als Ziel für die Sternfahrt des CRT Bodensee ausgesucht“, sagte Merk.

Von dort brachen die rund 40 Motorradfahrer aus dem Stuttgarter Raum, dem Allgäu, der Schweiz und vom See nach der Kaffeezeit auf, um im Konvoi nach Salem zu fahren an das Grab ihres Freundes. Hage hatte in Salem gelebt und war in der Woche vor Pfingsten nach langer Krankheit im Alter von 70 Jahren dort beerdigt worden.

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