Stellenabbau bei Rolls-Royce: Betriebsrat fordert klare Ansage vom Vorstand

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„Das können die dementieren, so viel sie wollen“: Betriebsratschef Thomas Bittelmeyer vor dem Jean-Raebel-Haus.
„Das können die dementieren, so viel sie wollen“: Betriebsratschef Thomas Bittelmeyer vor dem Jean-Raebel-Haus. (Foto: Betriebsrat)
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Alles halb so wild? Entgegen allen Gerüchten werde es bei Rolls-Royce Power Systems keinen Stellenabbau geben, sagt das Unternehmen. Der Betriebsrat fordert nun ein Bekenntnis des deutschen Managements gegen Streichungspläne und die Einstellung weiterer Mitarbeiter.

Tagelang hatten Gerüchte über massiven Stellenabbau beim derzeit boomenden Motoren- und Antriebsspezialisten Rolls-Royce Power Systems die Runde gemacht. Kein Wunder, dass nach Betriebsratsangaben mehr als 4000 der insgesamt 5800 Mitarbeiter am Donnerstagvormittag der Einladung zur Betriebsversammlung gefolgt waren. Sie dürften etwas beruhigter zurück an den Arbeitsplatz gegangen sein.

Denn schon vor der Versammlung hatte Christoph Ringwald, neuer Kommunikationschef von RRPS, eine Mitteilung an die Medien verschickt, in der steht, dass „derzeit keine Forderungen nach einem weiteren, über den bereits vereinbarten Stellenabbau hinaus“ existiere. Neben dem Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen bis April 2020 ausschließt, gebe es „ein weiteres wichtiges Argument: Die wirtschaftliche Situation bei Rolls-Royce Power Systems gestaltet sich derzeit sehr positiv.“

Man habe volle Auftragsbücher, Produkte, die beim Kunden gut ankommen, und investiere erfolgreich in Zukunftstechnologien, so Ringwald. Dies führe dazu, „dass wir uns derzeit um den optimalen Einsatz bestehender und den notwendigen Aufbau neuer Ressourcen und Arbeitskraft kümmern“.

MTU Friedrichshafen wehrt sich gegen Stellenabbau
Die Auftragsbücher bei MTU Friedrichshafen sind voll. Auch ein Vertrag zur Standortsicherung bis 2020 besteht zwischen Betriebsrat und IG Metall. Trotzdem will der Mutterkonzern Rolls Royce aus England Geld sparen und Mitarbeiter abbauen. Aus Friedrichshafen kommen Gegenwehr und neue Forderungen.

Damit unterschied sich der Firmensprecher in der Analyse der wirtschaftlichen Lage nicht sehr von Betriebsrat und Gewerkschaften. „Es kracht“, sagte Thomas Bittelmeyer mit Blick auf die Auslastung in der Produktion. 2018 und 2019 würden als Rekordjahre in die Geschichte eingehen. Trotzdem sei die Angst vor einem Stellenabbau nicht aus der Luft gegriffen. Hintergrund seien wirtschaftliche Probleme des englischen Mutterkonzerns Rolls-Royce, der vor Monaten den Abbau von 5000 Stellen angekündigt habe.

„Gesicherte Informationen“

Er habe „gesicherte Informationen“, wonach bis zu 500 weitere Stellen in Friedrichshafen gefährdet seien. „Das können die dementieren, so viel sie wollen“, rief er der Menge zu. Diese Stellen könne man nur mithilfe satter Abfindungen streichen, was das Unternehmen finanziell belasten und den Arbeitsdruck erhöhen würde, so Bittelmeyer.

„Rolls-Royce hat ein Problem“, ergänzte Helene Sommer, 2. Bevollmächtigte der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben. RRPS sei aber kein Teil des Problems, „und wir werden auch nicht dafür bezahlen“. Das Unternehmen brauche keine Restrukturierung, sondern die richtige Aufstellung für die Zukunft. Diese Forderung teilte auch David Neumann von der Christlichen Gewerkschaft Metall.

Am Ende der knapp 30-minütigen Versammlung berichtete Bittelmeyer von einem Telefonat mit Warren East. Der Vorstandsvorsitzende von Rolls-Royce habe ihn am Mittwoch angerufen und gesagt, dass die Verantwortung für die personelle Aufstellung der deutschen Konzerntochter allein beim RRPS-Vorstand liege. Bittelmeyer forderte Andreas Schell und Marcus Wassenberg auf, bei der Betriebsversammlung am 13. November eine klare Ansage zu machen, dass es keinen Stellenabbau geben werde, solange der Laden so gut läuft wie im Moment.

Außerdem verlangte er, in den Bereichen IT, Controlling und Personal 30 Prozent mehr Mitarbeiter einzustellen. „Wir sägen nicht so lange an unserem Ast, bis wir nichts mehr wert sind“, sagte er – und drohte für den Konfliktfall an, die Genehmigung von Sonderschichten nicht mehr zu erteilen.

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