Steinzeitlichen Jägern und Fischern auf der Spur

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Schwäbische Zeitung
Brigitte Geiselhart

Wertvolle Zeugnisse dafür, dass am Bodenseeufer schon vor rund 10 000 Jahren gelebt, gejagt und gefischt wurde: Funde aus der Mittelsteinzeit sind in Fischbach schon seit den 1950ern bekannt geworden. „Es sind Feuersteinwerkzeuge und -abschläge die dort von Mitarbeitern des Pfahlbaumuseums Uhldingen damals systematisch von Äckern abgesammelt wurden“, berichtet Museumsdirektor Gunter Schöbel. „Sie fanden Eingang in unser Archiv, wurden gerade dieses Jahr neu inventarisiert und sie sollen einer Bearbeitung im Rahmen von Abschlussarbeiten an der Uni Tübingen zugeführt werden.“

Schnee von gestern? Nein. Jetzt ist auf einem Gelände bei Fischbach noch einmal etwas in Bewegung gekommen, was aus wissenschaftlicher Sicht höchst interessant und aus Sicht von Gunter Schöbel „ein Stück Kulturgeschichte des Bodensees“ sein könnte. Zu verdanken ist dies der Initiative des Häflers Matthias Berger, der zufolge die Archäologen noch einmal auf den Plan gerufen wurden – und das kurz bevor hier der Baubeginn der neuen B31 vollzogen wird.

Berger zeigte dem Pfahlbaumuseum Uhldingen bereits im Sommer 2017 Neufunde, die er – entlang der 400-Meter-Höhenlinie, an der vor Tausenden von Jahren das Ufer des Bodensees verlaufen war – nach dem Abschieben des Mutterbodens im Bereich der geplanten Umgehung B 31 gesammelt hatte. Sehr zur Freude von Gunter Schöbel, der auch Professor der Universität Tübingen ist. „Nach Absprache und mit Genehmigung des Landesamtes für Denkmalpflege konnte vor Ort dann am 9. und 27. März eine kleine Sondage auf dem Baugelände erfolgen“, berichtet Schöbel.

Drohnen kommen zum Einsatz

Zunächst sei zur Geozertifizierung eine Einmessung der Fundpunkte mittels moderner Drohnen aus der Luft durch das „eScience-Center“ der Universität Tübingen erfolgt. Dieses stehe allen Forschern der Geisteswissenschaften an der Uni Tübingen als leistungsfähige Infrastruktur, mit forschungsrelevanten Dienstleistungen und umfangreichem Beratungsangebot zur Verfügung. „Ich konnte als ehrenamtlicher Beauftragter des Bodenseekreises der Denkmalpflege und als Professor am Ur- und frühgeschichtlichen Institut darauf zurückgreifen“, betont Schöbel. Mit Freiwilligen, Museumsmitarbeitern, Studierenden und Mitarbeitern der e-Science sei es deswegen möglich gewesen, sich so in aller Kürze ein Bild der Situation zu verschaffen. Zwischen dem Lipbach und der Brunnisach liegt ein altes Delta des Bodensees mit inselartigen Erhebungen vor, das schon zur Mittleren Steinzeit ab etwa 9000 vor Christus für Fischfang und Jagd sowie für Jagdplätze der frühen Menschen genutzt wurde. Bevor sie an Sesshaftigkeit denken konnten, lebten sie hier in Zelten und Hütten. Und sie wussten mit ihren Werkzeugen den fischreichen See für ihre Jagd zu nutzen, an den auch viele Tiere aus den angrenzenden Wäldern zum Trinken kamen. „Entlang alter Uferlinien ist die Auffindung von Silexfragmenten und bearbeiteten Feuersteinen gelungen, die von der Schwäbischen Alb und aus dem Jura stammen“, berichtet Professor Schöbel weiter.

Dadurch könne man Rückschlüsse auf die Lage der damaligen Schlag- und Wohnplätze ziehen. Zudem existiere ein Scherbenschleier mit vorgeschichtlichem Material, das wohl ab der Jungsteinzeit bis hinein in die Eisenzeit (4000 bis 600 vor Christus) stamme. „Strukturen wie Vorratsgruben oder Brunnen zeichnen sich ab“, so die weiteren Erkenntnisse.

Bleibt die Frage, ob und wie es jetzt für die Archäologen weitergehen kann. „Weiteres konnte aufgrund der Kürze der Zeit nicht festgestellt werden“, sagt Gunter Schöbel. „Es ist aber beabsichtigt, mit den Kollegen der Denkmalpflege das Gelände noch einmal zu begehen und Erdproben zu nehmen, die dann vielleicht noch im Umfeld der Baumaßnahmen weitere Rückschlüsse zulassen werden.“

 

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