Start-Up zeigt Prototyp eines Lufttaxis auf Luftfahrtmesse am Bodensee

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 Sieht so das Lufttaxi der Zukunft aus? Das Münchner Unternehmen AutoflightX zeigt auf der Aero in Friedrichshafen seinen Protot
Sieht so das Lufttaxi der Zukunft aus? Das Münchner Unternehmen AutoflightX zeigt auf der Aero in Friedrichshafen seinen Prototypen V600. (Foto: Jens Lindenmueller)

Als Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung, vor rund einem Jahr im ZDF über Lufttaxi-Visionen plauderte, wurde sie mit Häme überschüttet. Seitdem sind Lufttaxis in aller Munde. Auch auf der Aero in Friedrichshafen, Europas größter Fachmesse für die allgemeine Luftfahrt (ohne Linien- und Charterverkehr), ist das Thema präsent. Eine Hauptrolle spielt es dort allerdings noch nicht.

Wenige Wochen, nachdem Luftfahrtriese Airbus auf dem Rathausplatz in Ingolstadt mit viel Getöse seinen City Airbus vorgestellt hat, wurde am Mittwoch auch am Bodensee ein Fluggerät vorgestellt, das eines Tages als Lufttaxi im Einsatz sein könnte. Das junge Münchner Unternehmen AutoflightX präsentierte einen Prototypen, der elektrisch angetrieben wird und die Vorteile von Flugzeug und Helikopter miteinander vereinen soll. Die V600 soll senkrecht starten und landen, zugleich aber wie ein Flugzeug fliegen können. Zunächst noch mit Pilot, später dann autonom.

Wie lange es noch dauern wird, bis aus dem Prototypen ein kommerziell einsatzfähiges Lufttaxi entstanden sein wird, dazu wagt Christoph Schropp, Ingenieur bei AutoflightX, noch keine Prognose. „Erstmal müssen wir sehr viele Testflüge absolvieren, um Erfahrung zu sammeln“, sagt er. Abgesehen davon gebe es bislang weder Infrastruktur noch Zulassungsvorschriften für Lufttaxis. Generell ist Schropp aber überzeugt: „Das alles ist näher als die meisten Leute glauben.“ Der Ingenieur macht allerdings kein Hehl daraus, dass Fluggeräte wie die V600 aller Voraussicht nach zunächst nur beim Transport von Gegenständen zum Einsatz kommen. Bei der Beförderung von Menschen würden Lufttaxis wohl erst mal einem kleinen, exklusiven Kreis von Nutzern vorbehalten bleiben. Nichtsdestotrotz ist man bei AutoflightX überzeugt davon, dass in dem Thema großes Potenzial steckt.

„Lufttaxis werden kommen“, sagt auch Andreas Thellmann. Das Branchengespräch der Aero nutzt der Program Manager Urban Air Mobility von Airbus allerdings auch dazu, um die öffentliche Erwartungshaltung zu dämpfen. Bis Lufttaxis in Deutschland unterwegs sein werden, wird es nach seiner Einschätzung noch ziemlich lange dauern. Thellmann geht davon aus, dass sie zunächst vor allem in sogenannten Megacities – mit megaverstopften Straßen – als Shuttle eingesetzt werden, so wie es Airbus in Sao Paulo und Mexico City bereits mit Helikoptern anbietet. Nicolas von Mende, Vorstand der Atlas Air Service AG, sieht in Lufttaxis künftig eine „perfekte Ergänzung zur Businessfliegerei“. Weil das Landen auf großen Flughäfen für Businessjets immer schwieriger werde, könnten diese künftig auf kleinere Regionalflughäfen ausweichen, von wo aus Lufttaxis die Passagiere dann in die Metropole bringen.

Nach Angaben von Roland Bosch, Bereichsleiter Aero bei der Messe Friedrichshafen, gibt es aktuell weltweit rund 170 Projekte zur Entwicklung von Lufttaxis. In der Fliegerszene sind die Meinungen dazu geteilt. Jo Konrad, Vorsitzender des Deutschen Ultraleichtflugverbandes, spricht von „Irrsinn“. Beim Branchengespräch wirft er eine Frage in den Raum, die als Statement zu verstehen ist: „Haben wir keine anderen Probleme, als über Hirnfürze zu reden?“

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