Stadtorchester sorgt für Gänsehaut beim Publikum

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Das Stadtorchester musiziert in der Schlosskirche zur Erinnerung an die Bombenangriffe – und berührt die Zuhörer.
Das Stadtorchester musiziert in der Schlosskirche zur Erinnerung an die Bombenangriffe – und berührt die Zuhörer. (Foto: Christian Lewang)
Gerd Kurat

Ein dem Anlass und dem Kirchenraum entsprechendes Programm hatte MD Pietro Sarno für das Gedenkkonzert zum Abschluss der Veranstaltungsreihe „75 Jahre Zerstörung Friedrichhafens“ herausgesucht. Überwiegend Originalkompositionen und Filmmusiken in ruhigem Fluss, sehr klangvollen Arrangements als Ehrerbietung für die Gefallenen, eindringliche Heimatbilder und vor allem der Wunsch nach Frieden standen thematisch im Mittelpunkt des Konzerts.

Zu Beginn, im ausgewogenen vierstimmigen Satz, fein ausmusizierten Durchgängen und stimmigen Wechseln zwischen Tutti, Holz und Blech der Bach Choral „Komm o Tod, du Schlafes Bruder“. Auch die Choralmelodie in „Hymn of the Fallen“ aus der Filmmusik „Der Soldat James Ryan“ von John Williams, lebte vom zurück genommenen runden Holzsatz. Angeführt von den ersten Trompeten, übernahmen die Blechbläser sauber intoniert die Hymne im Andenken an die gefallenen Kriegshelden bei der Landung der Alliierten in der Normandie.

Nach einem strahlenden Mittelteil führte Sarno wieder zum Anfangsmotiv mit kleiner Trommel und Trompetensignal. Das Solo aus dem Film „Schindlers Liste“ von gleichen Komponisten gestaltete Sabine Seethaler mit warmem Flötenton, wunderschön vom Stadtorchester begleitet. Die gefühlvollen Stimmungsbilder „October“ von Eric Whitacre, „Colonial Song“ von Percy Grainger und „Time remembered“ von Philip Sparke gestaltete Sarno mit viel Gespür für reizvolle Klangfarbenwechsel der Kompositionen für sinfonisches Blasorchesters. Im zweiten Satz des Klarinettenkonzerts von Oscar Navarro, ebenfalls ein Originalwerk, zeichnete Julius Otto ruhige Flächen mit lang gehaltenen Tönen. Durch behutsame Melodieansätze, auch in hoher Lage weiten Phrasierungsbögen gelang dem ersten Klarinettisten des Stadtorchesters ein inniger, lyrisch ausdrucksvoller Erzählton.

„Et in terra pax“ als Höhepunkt

Die freudig musizierte Festouvertüre „Ouverture allemande“ von Thomas Doss, der Freundschaft zwischen Deutschland und Österreich und den angrenzenden Ländern gewidmet, stand als beeindruckendes Symbol für Toleranz und Offenheit in Nationalität und Kultur im heutigen Europa. Der Höhepunkt des Konzerts: „Et in terra pax“ des Belgiers Jan van der Roost. Es ist ein mahnendes Werk gegen den Krieg. Aufgeregte und lyrische Melodien präsentierten die einzelnen Register im Wechsel, unterstützt von einer großen Schlagwerkgruppe, zum Thema „Frieden auf Erden“. Dazwischen Abschnitte in voller Ruhe. Eingebettet über leisen Liegetönen, rezitierte Saskia Vollet das Gedicht „Wenn du die Millionen siehst mundlos“ des Poeten Charles Sorley mit der Kernaussage „Leicht ist’s, tot zu sein“. Und immer wieder die flehenden Worte der Musikerinnen und Musiker „Et in terra pax“, zunächst durcheinander, dann zum Schluss als Hoffnungsschimmer zum klaren Synchrongesang vereint. Gänsehautgefühl beim Publikum.

Erst nach dem kleinen Nacht-stück „Abendmond“ bedankten sich die Besucher der gut gefüllten Schlosskirchen mit lang anhaltendem Applaus bei MD Sarno und seinem Stadtorchester.

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