Stadtentwicklung: Wohin geht die Reise für Friedrichshafen?

Lesedauer: 9 Min
 Wie sieht die Zukunft Friedrichshafens aus?
Wie sieht die Zukunft Friedrichshafens aus? (Foto: Schäfer, Ralf)
Regionalleiter

Die Zukunft der Stadt steht in der Sternen. Wir haben uns aber zwei entgegensäztliche Vorhersagen einfallen lassen:

Bestenfalls:

Modern, mutig, weltoffen – mit diesen Adjektiven lassen sich die Gebäude schmücken, die künftig in Friedrichshafen entstehen. Denn es beginnt ein Diskussionsprozess über Architektur und Stadtentwicklung, wie ihn die Stadt bis jetzt noch nicht erlebt hat. Nicht nur betroffene Anwohner, notorische Nörgler und stete Besserwisser schalten sich ein, sondern viele Bürger, Organisationen, Unternehmen. Architekten ringen gemeinam um die beste Lösung, keiner zieht – öffentlich oder hinter vorgehaltener Hand – über die Ideen der Kollegen her.

Was nicht heißt, dass alle zu allem und jeder alteingesessene Häfler zu jeder neuen Mode Ja sagen muss. Im Gegenteil: Es wird gerungen, es wird gestritten, es werden Für und Wider abgewogen. Die Stadt bindet ihre Bürger früh in die wichtigen öffentlichen Projekte ein, nimmt Ideen und Kritik auf und ernst. Die Bürger, auch die direkt betroffenen, akzeptieren dafür am Ende die Beschlüsse des Gemeinderates, selbst wenn sie sich mit ihrer Ansicht nicht durchsetzen konnten.

Auch die privaten Investoren spielen mit. Sie loben Wettbewerbe für die größeren Projekte aus und achten nicht nur auf maximalen Profit, sondern auch auf architektonische Qualität. Bauträger und Unternehmen haben stets ihr Umfeld im Blick und achten gewachsene Strukturen und Verbindungen.

So wird Friedrichshafen Stück für Stück zum Vorbild für die Region. (mh)

Schlimmstenfalls:

Quadratisch, praktisch, maximal rentabel – bei der Planung künftiger Gebäude entscheidet in Friedrichshafen nur noch der schnelle Rubel. Die sofortige und unkomplizierte Verwertbarkeit ist für Architekten und Bauherrn das einzige Entscheidungskriterium. Ob die Gebäude zum Drumherum passen, welche Folgen ein Bau für das soziale Leben hat – das interessiert die Verantwortlichen nicht.<EP,1>Zwar entstehen immer wieder mal ansehnliche Häuser, doch das sind Zufallsprodukte. Ein Plan, ein Ziel, ein innerer Zusammenhalt sind nicht zu erkennen. Die Stadt betreibt Bürgerbeteiligung nur noch pro forma oder vor allem dann, wenn die Verantwortlichen im Rathaus selbst nicht wissen, was sie eigentlich wollen. Kein Wunder, dass die Beteiligung an der Bürgerbeteiliung abnimmt und am Ende nur noch die immer gleichen 15 Gestalten an den entsprechenden Veranstaltungen teilnehmen.<EP,1>Als Folge dieser Entwicklung nimmt der Widerstand gegen jede Art der baulichen Entwicklung in der Stadt zu. Sobald ein altes Haus abgerissen wird, formiert sich Protest, nicht nur unter den Nachbarn. Dabei geht es dann nicht darum, ob das Alte etwa aus historischen Gründen erhaltenswert ist oder seinen Sinn noch erfüllen kann, sondern nur darum, dass die Menschen mit dem, was um sie herum und mit ihrer Stadt passiert, unzufrieden sind. Offene Diskussionen über Stadtenwicklung finden nicht mehr statt. (mh)<EP,1>

 

 

Friedrichshafen, quo vadis? Wohin soll die städtebauliche Reise der Stadt führen? Wir haben uns umgehört – unter Architekten, Investoren, beim Baubürgermeister

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Modern, mutig, weltoffen – mit diesen Adjektiven lassen sich die Gebäude schmücken, die künftig in Friedrichshafen entstehen. Denn es beginnt ein Diskussionsprozess über Architektur und Stadtentwicklung, wie ihn die Stadt bis jetzt noch nicht erlebt hat. Nicht nur betroffene Anwohner, notorische Nörgler und stete Besserwisser schalten sich ein, sondern viele Bürger, Organisationen, Unternehmen. Architekten ringen gemeinam um die beste Lösung, keiner zieht – öffentlich oder hinter vorgehaltener Hand – über die Ideen der Kollegen her.

Was nicht heißt, dass alle zu allem und jeder alteingesessene Häfler zu jeder neuen Mode Ja sagen muss. Im Gegenteil: Es wird gerungen, es wird gestritten, es werden Für und Wider abgewogen. Die Stadt bindet ihre Bürger früh in die wichtigen öffentlichen Projekte ein, nimmt Ideen und Kritik auf und ernst. Die Bürger, auch die direkt betroffenen, akzeptieren dafür am Ende die Beschlüsse des Gemeinderates, selbst wenn sie sich mit ihrer Ansicht nicht durchsetzen konnten.

Auch die privaten Investoren spielen mit. Sie loben Wettbewerbe für die größeren Projekte aus und achten nicht nur auf maximalen Profit, sondern auch auf architektonische Qualität. Bauträger und Unternehmen haben stets ihr Umfeld im Blick und achten gewachsene Strukturen und Verbindungen.

So wird Friedrichshafen Stück für Stück zum Vorbild für die Region. (mh)

Schlimmstenfalls:

Quadratisch, praktisch, maximal rentabel – bei der Planung künftiger Gebäude entscheidet in Friedrichshafen nur noch der schnelle Rubel. Die sofortige und unkomplizierte Verwertbarkeit ist für Architekten und Bauherrn das einzige Entscheidungskriterium. Ob die Gebäude zum Drumherum passen, welche Folgen ein Bau für das soziale Leben hat – das interessiert die Verantwortlichen nicht.<EP,1>Zwar entstehen immer wieder mal ansehnliche Häuser, doch das sind Zufallsprodukte. Ein Plan, ein Ziel, ein innerer Zusammenhalt sind nicht zu erkennen. Die Stadt betreibt Bürgerbeteiligung nur noch pro forma oder vor allem dann, wenn die Verantwortlichen im Rathaus selbst nicht wissen, was sie eigentlich wollen. Kein Wunder, dass die Beteiligung an der Bürgerbeteiliung abnimmt und am Ende nur noch die immer gleichen 15 Gestalten an den entsprechenden Veranstaltungen teilnehmen.<EP,1>Als Folge dieser Entwicklung nimmt der Widerstand gegen jede Art der baulichen Entwicklung in der Stadt zu. Sobald ein altes Haus abgerissen wird, formiert sich Protest, nicht nur unter den Nachbarn. Dabei geht es dann nicht darum, ob das Alte etwa aus historischen Gründen erhaltenswert ist oder seinen Sinn noch erfüllen kann, sondern nur darum, dass die Menschen mit dem, was um sie herum und mit ihrer Stadt passiert, unzufrieden sind. Offene Diskussionen über Stadtenwicklung finden nicht mehr statt. (mh)<EP,1>

 

 

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