Stadt wehrt sich gegen Vorwürfe aus TV-Beitrag

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Auch in Friedrichshafen wird ein Birgio-Gutachten diskutiert.
Auch in Friedrichshafen wird ein Birgio-Gutachten diskutiert. (Foto: Hagen Schönherr)
Schwäbische Zeitung

Das ZDF-Magazins frontal21 hat das Gutachterbüro Biregio aus Bonn kritisiert. Den Gutachtern wird vorgeworfen, standardisierte und teils übereinstimmende Schulentwicklungs-Gutachten für mehrere Städte zu erstellen, ferner ist die Rede von Gefälligkeitsgutachten für die Städte, unter denen sich auch Friedrichshafen befindet. Der Gutachter Wolf Krämer-Mandeau will den Presserat einschalten, um gegen die Sendung zu protestieren. Auch die Stadt Friedrichshafen äußert sich zu dem Beitrag.

Die ZDF-Redakteure werfen den Gutachtern aus Bonn vor, identische Textteile bei einigen Gutachten verwendet zu haben. Wolf Krämer-Mandeau räumt das ein, sagt aber auch, dass es bei Gutachten zu gleichen Themen üblich sei, mit Textbausteinen zu arbeiten. Wenn es um demografische Entwicklung in Deutschland gehe, könnten Textbausteine verwendet werden, die dann im Detail auf die jeweiligen Kommunen zugeschnitten würden.

In der Sendung ist ferner die Rede davon, dass Biregio-Gutachten Gefälligkeitsgutachten sein könnten, die von den Kommunen in Auftrag gegeben worden seien. Dazu wird auch der bekannte Bildungswissenschaftler Professor Klaus Klemm gehört. Sein Zitat aber scheint aus dem Zusammenhang gerissen. Klemm hatte drei Gründe benannt, weswegen Kommunen Gutachten erstellen lassen, hatte mit keinem Wort die Biregio-Gutachten thematisiert.

Das ZDF brachte nur einen dieser Gründe als einzelne Äußerung des Wissenschaftlers, die zusammenhanglos dargestellt sei, sagt Krämer-Mandeau.

Klaus Klemm dazu: „Ich habe das dem Gutachter Krämer-Mandeau mitgeteilt und auch einen Brief an die ZDF-Redaktion geschickt. Ich war sehr verärgert.“

In der Sendung war die Rede von einer Schulschließung in Mecklenburg-Vorpommern. „Da sind wir gar nicht beteiligt gewesen“, sagt der Bonner Gutachter. An den Schulschließungen in der Stadt Hagen habe er mit seinem Rat für die Entscheidung mitgewirkt. Eine der beiden Schulen sei geschlossen worden, weil das Gebäude wegen eines eingestürzten Schachtes nicht mehr nutzbar gewesen sei. Das ZDF habe von sieben geschlossenen Schulen gesprochen. Krämer-Mandeau hätte sich gewünscht, dass „das ZDF Zahlen nicht manipuliert, um „eine Tendenz“ zu bekommen, die dem Thema, der Ernsthaftigkeit und den Überlegungen der Politik, die ja entscheide, nicht angemessen ist“, so der Gutachter gegenüber der Schwäbischen Zeitung.

In die Debatte um die Sendung hat sich auch der Stadtentwicklungs-Gutachter Achim Tack aus Hamburg eingeschaltet, der in seinem Blog (www.achim-tack.org) die Sendung kritisch analysiert. Es seien viele Personen zu Wort gekommen, die Mitglieder einer Bürgerinitiative seien. Die setze sich für die Erhaltung einer Grundschule ein, ohne dass dieser Umstand in der Sendung genannt worden sei. Seitens des ZDF war gestern keine Aussage zur Sendung zu hören. Die Stadt Friedrichshafen aber wehrt sich gegen die Behauptung, es handele sich um ein Gefälligkeitsgutachten. Den Vorwurf, die Gutachter würden Daten der Stadt lediglich in Tabellen und Grafiken gießen, wollte die Pressesprecherin der Stadt, Andrea Gärtner nicht stehen lassen. „2013 hat Biregio in unserem Auftrag eine Elternbefragung für Friedrichshafen vorgenommen.“ Das Ergebnis sei in die Gutachten eingeflossen, nicht irgendwelche städtischen Vorgaben.

Mit Hilfe des Gutachtens soll die Häfler Schullandschaft entwickelt werden. Entscheidungen dazu oder zu möglichen Schulschließungen, wie sie im Gutachten bei Pestalozzi-Werkrealschule und Ludwig-Dürr-Schule vorgeschlagen werden, muss der Gemeinderat noch treffen, diese Fragen werden derzeit in den Gremien und unter den Schulleitern der Stadt diskutiert.

Die frontal21-Sendung ist in der ZDF-Mediathek zu sehen:

http://bit.ly/1Ghi9Ox

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