Ein Mädchen läuft vor einem älteren Herren auf der Tartanbahn
Sport vereint Jung und Alt: Die Vereine im Bodenseekreis freuen sich über Zulauf. (Foto: archiv Verein)
Martin Deck

Die Rekordmarke aus dem Jahr 2009 ist geknackt. Zum Stichtag 1. Januar 2019 zählte der Württembergische Landessportbund (WLSB) genau 2 079 027 Mitglieder in 5682 Sportvereinen. Das sind 15203 Sportlerinnen und Sportler mehr als im Vorjahr und 2963 mehr als zehn Jahre zuvor. Bereits das dritte Jahr in Folge verzeichnete der WLSB steigende Mitgliederzahlen. „Trotz aller Unkenrufe: Diese Zahlen belegen eindrücklich, dass unsere Sportvereine attraktiver denn je sind“, lässt sich WLSB-Präsident Andreas Felchle in einer Pressemitteilung zitieren.

Der landesweite Anstieg spiegelt sich auch im Bodenseekreis wieder - auch wenn dieser hier nicht ganz so deutlich ausfällt. Insgesamt 98 Mitglieder oder 0,22 Prozent mehr als im Vorjahr haben die Vereine des Sportkreises Bodensee, teilt der Verein mit. Den 106 Sportvereinen des Kreises gehörten zum Stichtag 44 543 Personen an – rund jeder fünfte der 213 000 Einwohner des Bodenseekreises. „Dass die Sportvereine nach wie vor so attraktiv sind, freut mich natürlich sehr“, sagt Eveline Leber, Präsidentin des Sportkreises Bodensee.

Turnen, Fußball und Radsport weiter die Zugpferde

Die Gründe für den Zulauf sieht Leber vor allem in der „guten Arbeit der Vereine“, wie sie sagt. Immer mehr Trainer würden sich fortbilden. „Ohne das geht es heute nicht mehr“, so Leber. Außerdem würden viele Vereine neue Trendsportarten ins Repertoire aufnehmen, um so neue Mitglieder zu gewinnen. Die größten Zugpferde sind aber nach wie vor klassische Sportarten wie Turnen, Fußball und Radsport. „Bei uns am Bodensee spielen außerdem natürlich Wassersportarten eine wichtige Rolle“, berichtet Leber. Probleme gäbe es hingegen unter anderem bei den Schützen, beim Tennis, in der Leichtathletik und beim Golf.

Interessant ist der Blick auf die Altersstruktur der Neumitglieder. So ist die Gruppe der über 65-Jährigen prozentual am stärksten angewachsen. Die Sportkreis-Präsidentin freut aber vor allem das starke Plus bei den jungen Erwachsenen zwischen 19 und 35 Jahren – auch wenn sie es sich selbst nicht wirklich erklären kann. „Ich kann nur spekulieren, dass die Menschen mit Eintritt ins Berufsleben auch ihre Freizeit klarer regeln“.

Doch trotz der positiven Zahlen läuft nicht alles nach Wunsch. Bei den Jugendlichen von 15 bis 18-Jahren sind landesweit 2,7 Prozent weniger Mitglied in einem Sportverein als noch vor einem Jahr. Im Bodenseekreis sind es genau 138 Jugendliche weniger. „Das sehen wir natürlich mit Sorge“, sagt die Sportkreis-Präsidentin. „Wir versuchen dem entgegenzuwirken.“ Konkret möchte sie die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Sportvereinen verbessern, um wieder mehr Schüler für den Sport zu begeistern. „Durch die Ganztagesschulen haben die Kinder häufig weniger Zeit für Training“, so Leber. Dabei bliebe aber die für die Entwicklung wichtige sportliche Betätigung auf der Strecke. Ihre Idee: Die Vereine bieten auch Sportangebote im Rahmen der Ganztagesbetreuung der Schulen an. „Dann bräuchte es nicht mehr so viele Lehrer und es gäbe nicht mehr nur drei Stunden Schulsport, sondern vier oder fünf.“ Ein Beispiel, wo das funktioniert, hat sie parat: Der Radverein Seerose Friedrichshafen arbeite etwa eng mit der Graf-Soden-Gemeinschaftsschule zusammen und „hat einen guten Mitgliederzuwachs“.

Die Sportkreis-Präsidentin sieht noch ein weiteres Instrument, um die Attraktivität der Sportvereine weiter zu steigern:„Wenn Sportstätten gebaut werden, haben die Vereine wieder Zulauf, wie das Beispiel Eriskirch zeigt.“ Nach der Eröffnung der neuen Sporthalle im Jahr 2010 sei die Mitgliederzahl des Turn- und Sportverein Eriskirch um knapp 50 Prozent angewachsen. „Einen ähnlichen Effekt erhoffen wir uns auch vom neuen Sportbad in Friedrichshafen.“ Dann nämlich könnten Angebote gemacht werden, die bislang aufgrund von fehlenden Bädern noch nicht möglich sind. Generell sei zu beobachten, dass viele Vereine gerne mehr Hallenzeiten hätten. „Da muss nachgebessert werden“, so Leber, die auch so optimistisch ist, die guten Zahlen auch in den nächsten jahren halten und sogar verbessern zu können.

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