Selina Rudolph

Ein Tretroller rast von links vorbei und ein Go Cart kratzt noch rechtzeitig die Kurve. Von oben kommt ein Fußball, prallt ab und rollt vor ein Einrad. Ein Junge kommt herangesaust, schnappt sich den Ball, und mit einem „Entschuldigung“ ist er auch schon wieder verschwunden. Vor dem Spielehaus wuseln Kinder durcheinander und Margret Beck steht mittendrin.

Die Leiterin des Spielehaus trägt ein buntes Tuch um den Hals, es ist kälter als angekündigt. Die meisten Kinder rennen in T-Shirts vorbei, sind immer in Bewegung. Es scheint Chaos zu herrschen und doch sind keine Zusammenstöße zu sehen und kein Streit zu hören. „Es ist immer wieder erstaunlich, wie 130 Kinder friedlich miteinander auskommen“, sagt Margret Beck. In der Ferienwoche sind es 114 Teilnehmer, die halb- oder ganztags betreut werden.

In den nächsten zwei Wochen ist das Spielehaus schon ausgebucht. Auch dann kommen wieder Kinder zwischen sechs und 13 Jahren und tummeln sich auf dem Hof und den Aktionsräumen des Hauses. Auf dem Programm stehen in allen drei Wochen neben viel freier Spielzeit auch Ausflüge, Umweltaktionen und Tanz- und Zirkusangebote.

Wenn Beck durch das Spielhaus geht und die Räume zeigt, wird sie immer wieder aufgehalten. Ein Kind bringt ihr einen selbst gemachten Smoothie. Zwei Mädchen kommen auf der Treppe entgegen, ebenfalls mit Smoothie, auch der ist für Beck. Das Glas tropft und ein Smoothie-Fleck bildet sich auf der Stufe. Schnell weggewischt und schnell weiter. In der Filzwerkstatt zeigt ein Mädchen seine selbst gemachte Haarspange „Die ist für meinen Freund. Der ist ein Pony.“ Beck nimmt sich Zeit für jeden. Begutachtet und lobt die gebastelten Werke und beantwortet die Fragen der Kinder. Diese schmökern zu zweit im Leseclub oder beugen sich in der Kunstwerkstatt über ihre Bilder.

Das Motto des Ferienangebots sind „Die vier Elemente“ und die Kinder arbeiten an „Galaxiebildern“, wie ein Mädchen verkündet. Bunte Farbe landet dabei nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Gesicht oder auf dem Boden. Im Spielehaus findet das niemand schlimm. Nebenan knirscht eine Laubsäge durch Holz, ein blondes Mädchen mit Bobfrisur hat sie in der Hand. Sie sägt heute zum ersten Mal und bekommt Hilfe von David, der die Holzwerkstatt betreut. Das Spielehaus will den Kindern praktische Fähigkeiten beibringen, erklärt Beck. „Es macht den Kindern nicht nur unglaublich viel Spaß, sie lernen auch dabei.“

Eine Cocktailbar gegründet

Die Kinder sind in Altersgruppen eingeteilt, aber sie dürfen sich ihre Aktivitäten nach Interesse aussuchen. Draußen interessieren sich viele für Fußball. Die Mannschaften wählen sie selbst, da mischt sich kein Betreuer ein. Es ist Teil des Konzepts des Spielehauses: „Die Buben und Mädchen werden nicht immer angeleitet, sie können Dinge selbst ausprobieren“, sagt Beck. Sie erzählt von einem Start-up, das ältere Teilnehmer im Spielehaus gegründet haben: eine Cocktailbar. Idee, Rezepte, Herstellung und das Aufräumen hätten die Kinder selbst organisiert.

Margret Beck ist überzeugt vom „selbstbestimmten, freien Spiel“ und kreativem Lernen. „Das macht sie selbstbewusst und auch glücklich“, sagt sie. Dann zeigt ein Mädchen ihre selbst gegossene Kerze und das Lachen einer Jungsgruppe schallt von der Tischtennisplatte herüber. Alles scheint dem Konzept von Margret Beck recht zu geben.

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