Bildnummer: 53806421 Datum: 15.04.2009 Copyright: imago/imagebroker Fisch-Gehege, Lachszucht, Hyenfjorden, Norwegen, Europa Wirt
Bildnummer: 53806421 Datum: 15.04.2009 Copyright: imago/imagebroker Fisch-Gehege, Lachszucht, Hyenfjorden, Norwegen, Europa Wirtschaft kbdig xub 2010 quadrat Highlight Überblick am Anlage Anlagen Ansicht Ansichten Aquakultur Aquakulturen außen Außenau (Foto: Imago)
Schwäbische Zeitung

Aquakulturen im Bodensee: Dieses Thema wird derzeit heiß diskutiert. Nachdem das Landwirtschaftsministerium eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion beantwortet hat, haben nun auch die Genossen am See in einer Pressemitteilung eine klare Meinung formuliert: „Aquakulturanlagen haben im Bodensee nichts zu suchen.“

Aufgrund der gesunkenen Fangerträge werden im Moment zwischen 500 bis 600 Tonnen Felchen importiert und am Bodensee als Felchen verkauft, teilt das Landwirtschaftsministerium mit. Um diese Menge an Fischen großzuziehen, wäre eine Fläche von circa 3800 Quadratmeter notwendig. Aufgrund der Wassertiefe, der Strömungsverhältnisse und der Windexposition seien konkret zwei Standorte im Überlinger See in Betracht gezogen worden, schreibt die SPD in ihrer Mitteilung und weist daraufhin, dass sich dagegen jüngst der Überlinger Gemeinderat ausgesprochen habe. Auch die Vorstände der Berufsfischerverbände vom Bodensee-Obersee sind gegen eine Felchen-Aquakultur im Bodensee, ebenso die baden-württembergischen Vertreter der Angelfischerei, musste das Ministerium einräumen, heißt es in der Mitteilung der SPD Bodenseekreis. Die Ablehnung werde unter anderem mit einer schädlichen Massentierhaltung begründet.

Viele Informationen fehlen

Das Ministerium teilt weiter mit, dass auch die in der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) vertretenen Bodenseeanrainerstaaten bei ihrer Kommissionstagung insgesamt eine sehr kritische Haltung zum Thema Aquakultur im See eingenommen haben. Die IGKB verweist zwar darauf, dass eine fachliche Bewertung derzeit auf Grundlage der vorhandenen Informationen und Unterlagen nicht möglich sei, da einige für die Beurteilung relevanten Informationen fehlen, insbesondere die ökologischen Auswirkungen auf den Bodensee im Nahbereich der Aquakulturanlage. Viele Fragen seien seien offen: Wie entwickeln sich Trübung, Nährstoff- und Keimzahl im unmittelbaren Umfeld der Netze? Welche Auswirkungen gibt es auf den Seeboden hinsichtlich Sauerstoffzehrung und Sedimentation? In welcher Entfernung sind die Belastungen merkbar? Aufgrund des aktuellen Kenntnisstandes halte die IGKB an dem in den Bodenseerichtlinien festgelegten Verbot von Netzgehege-Anlagen im Bodensee fest.

Derzeit sei auch nicht absehbar, wie sich die Aquakulturen auf die Trinkwassernutzung auswirkten. Die Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) habe sich mit der möglichen Errichtung einer Aquakulturanlage im See befasst und stehe dem Vorhaben kritisch gegenüber. Zwar könne das Risiko der Übertragung von Fischkrankheiten über Fische aus Aquakultur in das Ökosystem durch Auswahl gesunder Fische deutlich reduziert werden, schreibt das Ministerium, „aber eine Reduzierung ist eben keine Vermeidung“, betont Norbert Zeller.

Technisch kein Problem

Die Fischereiforschungsstelle in Langenargen (FFS) forschte von Mai 2011 bis März 2015 an dem Thema „Einführung von Felchen in die Aquakultur“. Im Vordergrund standen Fragen zur Haltung der Tiere, zur Krankheitsprophylaxe, zur Belastung des Wassers und zur Produktqualität. Ein 2014 durchgeführtes Expertenaudit der FFS zusammen mit norwegischen Wissenschaftlern, die weltweit innovative Aquakulturprojekte begleiten, unterstrich die wirtschaftliche und technische Umsetzbarkeit einer Felchenerzeugung in Netzgehegen im Bodensee-Obersee, betont das Ministerium. „Dass Netzgehege im See technisch und wirtschaftlich machbar sind, wird nicht bestritten“, sagt Zeller. „Die entscheidende Frage ist jedoch, ob sie ökologisch verantwortbar sind.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen