Spannende Einblicke in Hugo Eckeners Privatleben

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Szenische Lesung aus Inge Gollbeck-Eckeners Buch "Onkel Hugo": Kapitän Lehmann blickt Eckener (Michael Emmert) und seiner Nichte
Szenische Lesung aus Inge Gollbeck-Eckeners Buch "Onkel Hugo": Kapitän Lehmann blickt Eckener (Michael Emmert) und seiner Nichte Inge (Simone Häusler) über die Schulter. (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Im Rahmen seiner „Open House“-Veranstaltungen hat das Zeppelin-Museum am Vorabend des 150. Geburtstags von Hugo Eckener zu einer szenischen Lesung eingeladen, die auch die menschliche Seite des großen Luftschiffpioniers offenbart hat.

Es hätten am Donnerstag gern mehr Besucher im Medienraum sein dürfen, schließlich ging es um keinen Geringeren als den Mann, durch den Friedrichshafen der Luftschiffe wegen in der ganzen Welt bekannt und berühmt wurde. Wer daran das größere Verdienst hatte – Zeppelin oder Eckener – ist eher eine akademische Frage. Fakt ist dagegen, dass die Zusammenarbeit der beiden außergewöhnlichen Männer zu einem außergewöhnlichen Erfolg führte.

Kurz, prägnant und spannend fasste Barbara Waibel als profunde Kennerin eingangs das Leben und die Lebensleistung Hugo Eckeners zusammen, dessen 150. Geburtstags die Stadt am 10. August gedachte.

Grüße von „Onkel Hugo“

Die anschließende szenische Lesung des Theaterwerks Bodensee aus dem Büchlein „Onkel Hugo“ von Inge Gollbeck-Eckener, der Tochter von Eckeners Bruder Alexander, brachte den Privatmann Eckener näher. Gabi Gerdau, zweite Vorsitzende des Fördervereins, führte in die von ihr zusammengestellte Collage ein. Fast immer zogen historische Fotos in erstaunlicher Qualität den Blick auf sich, Musik begleitete die Stationen. Als Sprecher übernahm Michael Emmert die Rolle von Onkel Hugo, Simone Häusler, die man in der Region als Harfenistin und stellvertretende Leiterin der Musikschule Tettnang kennt, überzeugte als Nichte Inge. Der Zeppelin habe sie gleich fasziniert, als sie in die Gegend kam, gestand sie am Rande.

Inge Gollbeck-Eckeners Büchlein vereint Erinnerungen und Originalbriefe. Hier wurde Hugo Eckener lebendig, angefangen von der Schulzeit in Flensburg und dem Studentenleben in Leipzig mit „Musik bis zur Erschöpfung“. Der gepflegte, sportliche Schöngeist hatte Nationalökonomie und Geschichte studiert, promoviert und war angesehener Journalist bei der Frankfurter Zeitung, der Vorgängerin der FAZ. Sie hatte ihn auf den Zeppelin angesetzt. Etwas spöttisch kommentierte Eckener die Entwicklung der „Luftballone“. Als begeisterter Segler, dem es laut Schulzeugnis an Fleiß fehlte, war aber durchaus fasziniert, sodass dem Grafen das Kunststück gelang, ihn vom Saulus zum Paulus werden zu lassen. Dazu Nichte Inge: „Er kam vom Luftschiff nicht mehr los.“

Briefe an Mutter und Frau

Köstlich die zitierten Bemerkungen aus Hugo Eckeners Briefen an die Mutter und an seine Frau Johanna. Aus dieser Perspektive war ein Mensch zu erleben, der als typischer Quereinsteiger schließlich weltberühmt wurde, was ihm gar nicht behagte. Als Nationalökonom und Historiker hatte er das Luftschifferpatent erworben und fuhr auch selber. Als Konzernchef führte er durch die heikle Zeit der Dritten Reiches, stellte nach dem Krieg die entscheidenden Weichen fürs Überleben.

Die Lesung vermittelte Einblicke in persönliche Katastrophen, so als er hilflos erleben musste, wie seine lebensfrohe Tochter Hanneliese vor seinen Augen ertrank, aber ebenso heitere Anekdoten, so als Eckener Inge und ihre Schwester als blinde Passagiere im Luftschiff entdeckte, oder als Kapitän Lehmann die Eckeners beim Ausflug auf den Säntis vom Luftschiff aus grüßte. Fazit: ein außergewöhnlich dichter, packender Abend.

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