„Sonst würden aus der Landshut Coladosen“

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Jürgen Vietor war Co-Pilot, als die Lufthansa-Maschine "Landshut" entführt wurde.
Jürgen Vietor war Co-Pilot, als die Lufthansa-Maschine "Landshut" entführt wurde. (Foto: Privat)

Die „Landshut“ kommt ins Dornier-Museum nach Friedrichshafen. Hagen Schönherr hat mit Jürgen Vietor, damals Co-Pilot über das dunkle Kapitel deutscher Geschichte, gesprochen.

Sie haben es ja auch mitbekommen: Die Landshut kommt nach Deutschland zurück. War für Sie immer klar, dass das klappt?

Nein, das wusste ich natürlich nicht. Deshalb habe ich auch an den Außenminister geschrieben und appelliert, dass die Landshut zurückommen sollte - als Symbol des Deutschen Herbstes. Zum Glück hat das geklappt und die Maschine wird bald zurückkommen.

Das Flugzeug kommt nun aber nicht nach Berlin oder Bonn, wie sich das viele gewünscht haben. Ist Friedrichshafen der richtige Ort für die Landshut?

Im Nachhinein ja. Es fing damit an, dass das Flugzeug nach Flensburg geholt werden sollte. Das fand ich zunächst gut. Dann aber dachte ich mir, dass das Historische Museum in Bonn eigentlich viel geeigneter wäre. Alle wichtigen Entscheidungen wurden bei der Entführung damals ja im Kanzleramt getroffen, das nicht weit davon entfernt lag. Dass Friedrichshafen schließlich ins Gespräch kam, ist gut. Das Dornier-Museum ist groß und zieht viele Menschen an.

In der Landhut haben Sie die wohl schwierigsten Stunden Ihres Lebens erlebt. Welche Gefühle weckt das nun in Ihnen, wenn das Flugzeug - so wie es damals aussah - wieder nach Deutschland kommt?

Ich habe die Maschine ja schon im März in Fortaleza gesehen. Sie war in einem furchtbaren Zustand. Aber für mich war es nur ein Wiedersehen. Ich habe die reparierte Landshut danach ja noch bis 1983 geflogen. Für Gabi von Lutzau, die damalige Stewardess, war es dagegen die erste Begegnung seit fast 40 Jahren.

Die Bundesregierung wurde von einigen dafür kritisiert, dass sie so lange mit der Rückholaktion gewartet hat. Sehen Sie das auch so?

Nein, ich möchte die Regierung dafür nicht kritisieren. Ich bin froh, dass es jetzt so geschehen ist. Es war der letzte Zeitpunkt, sonst wären da Coladosen draus gemacht worden. Nun wird die Landshut vor der Verschrottung gerettet.

Wie muss man Ihrer Meinung nach jetzt mit dem Flugzeug umgehen, um das Andenken an die Ereignisse von damals würdig zu bewahren?

Das ist wirklich nicht einfach. Einfach ein Kreuz auf den Boden zu malen und dazu zu schreiben "Hier wurde Kapitän Schumann erschossen", das geht auf keinen Fall. Eine Ausstellung des Deutschen Herbstes mit Bezug auf diese fünf Tage, die auch Videos enthält, fände ich sinnvoller.

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