Solidarische Landwirtschaft: Ein Hektar Freiheit

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Bereit zum ernten: Rita Bach, Markus Hener, Katrin Fieberitz und Florian Winckler (von links).
Bereit zum ernten: Rita Bach, Markus Hener, Katrin Fieberitz und Florian Winckler (von links). (Foto: Mauder)
Schwäbische Zeitung
Anna Mauder

Hier geht es nicht nur um Gemüse, sondern auch um Gemeinschaft: In Friedrichshafen entsteht eine solidarische Landwirtschaft. Auf einem Hektar Land in Raderach soll gemeinsam gearbeitet und geerntet werden. Der Verein Solawi Bodensee präsentierte am Dienstag im Klufterner Praxishaus „Hier und Jetzt“ das Konzept und gab Antwort auf viele Fragen.

„Man kauft hier keine Produkte, sondern zahlt dafür, dass die Landwirtschaft funktioniert“, sagte Vorstandsmitglied Markus Hener. Das Prinzip: Die Mitglieder des Vereins tragen gemeinsam die Verantwortung und die Kosten für die Lebensmittelproduktion und erhalten dafür über das Jahr hinweg Anteile an der Ernte.

Eine Gründüngung für optimale Wachstumsbedingung haben sie auf ihrem Acker schon durchgeführt. Die erste Ernte ist für das nächste Jahr geplant. Bisher hat der Verein 30 Mitglieder und sucht noch nach 30-40 weiteren Haushalte, die sich für ein Jahr verpflichten wollen, Arbeit und Ernte zu teilen.

„Das Interesse an Solawis hat in den letzten drei bis vier Jahren sprunghaft zugenommen“, sagte Vereinsmitglied Rita Bach. Auch in Ravensburg und Salem sind Vereine entstanden, die in diesem Jahr zum ersten Mal die gemeinsame Ernte geteilt haben. Es soll dabei nicht nur darum gehen, frische und hochwertige Lebensmittel zu gewinnen, sondern auch um ein Bewusstsein für deren Herkunft. Die Mitglieder einer solidarischen Landwirtschaft sind eingeladen, sich an der Produktion zu beteiligen und Einfluss auf die Arbeitsabläufe zu nehmen. Bach betonte den angeblichen ökologischen Mehrwert, den die Produkte durch kurze Transportwege und umweltfreundlichen, saisonalen Anbau erhalten würden. Man mache sich außerdem unabhängig von gesetzlichen Normen und ökonomischen Zwängen, sagte Bach.

Gärtnerin Katrin Fieberitz wird den Anbau koordinieren. „Für mich persönlich ist es auch eine gute Möglichkeit, den eigenen Lebensraum zu gestalten“, sagte sie und erinnerte die Zuhörer an Monokulturen im Landschaftsbild. Der Acker in Raderach könne dagegen vielseitig und ästhetisch gestaltet werden. „Mir ist auch das menschliche Miteinander wichtig, und dass man sieht, bei wem die Produkte landen“, sagte sie.

Im März nächsten Jahres soll mit dem Anbau begonnen werden. Ab Interessierte sollten sich bis zum 17. Januar entscheiden, denn da findet die Bieterrunde für das Jahr 2016 statt. Heute (Donnerstag) Abend um 19 Uhr veranstaltet die Solawi Bodensee im Hier und Jetzt in Kluftern eine öffentliche Informationsrunde. Anschließend findet um 20 Uhr die erste Vollversammlung der jetzigen und zukünftigen Vereinsmitglieder statt.

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Weitere Informationen und

Mitgliedsantrag unter

www.solawi-bodensee.de

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