Solidargemeinschaft könnte Ernteverluste für Obstbauern auffangen

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Matthias Günthör Kreisbauernverband, Dieter Mainberger Vorsitzender Kreibauernverband Tettnang, Hartwig Roth Landesverband Erwe
Matthias Günthör Kreisbauernverband, Dieter Mainberger Vorsitzender Kreibauernverband Tettnang, Hartwig Roth Landesverband Erwerbsobstbauern, Friedrich Hutt, Obstbauer, Martin Hahn, Landtagsabgeordneter, Patrick Trötschler, Bodensee-Stiftung und Hube
Schwäbische Zeitung

Die klimatischen Veränderungen haben Obstbauern in diesem Jahr hart getroffen. Frost hat in Baden-Württemberg insgesamt einen finanziellen Schaden von 120 Millionen Euro angerichtet. Der Landtagsabgeordnete Martin Hahn (Grüne) hat am Montagnachmittag mit Landwirten aus der Region über Risiken und Chancen des Klimawandels gesprochen.

„Auf den wärmsten März aller Zeiten folgte Frost im April. Dadurch waren in diesem Jahr die Frostschäden sehr hoch“, sagte Hahn. Der Frost habe das Ausmaß einer regionale Naturkatastrophe angenommen, meinte Hahn weiter. Er sei froh, dass der Landtag diese Situation erkannt hat und Soforthilfe leisten will.

120 Millionen Euro Schaden

„Bis Ende Oktober konnten Anträge auf Frosthilfe gestellt werden. Das Schadensvolumen in Baden-Württemberg beläuft sich auf 120 Millionen Euro“, erklärte der Abgeordnete. In dieser Woche soll bei den Haushaltsberatungen im Landtag endgültig festgelegt werden, mit welcher Summe das Land Baden-Württemberg den Landwirten helfen möchte. „Wir werden rund 49,5 Millionen Euro zur Verfügung stellen können“, kündigte Hahn an.

Künftig solle es andere Möglichkeiten geben, damit sich Landwirte im Fall von hohen Ernteausfällen selbst helfen können. „Ich bin froh, dass wir in diesem Jahr eine Soforthilfe bereitstellen können. Besser wäre es aber, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten“, sagte Hahn. Ihm schwebe vor, dass landwirtschaftliche Betriebe als Personengesellschaften eingetragen werden können. Bisher ginge das nicht. „Als Personengesellschaft können Landwirte besser steuerliche Rücklagen bilden, um einen Puffer für schlechte Jahre zu haben. Die Gewinne aus guten Jahren wären dann in schlechte Jahre verschiebbar“, erläuterte Hahn.

Außerdem stellte Hahn seine Idee einer Mehrgefahrenversicherung vor, wie es sie beispielsweise bei der Viehzucht bereits gebe. Es müsse möglich sein, eine Art Solidargemeinschaft zu gründen, damit Ernteschäden nicht die Existenz einzelner Betriebe bedrohen. „Ich bin froh, dass jemand in die Richtung einer Mehrgefahrenversicherung denkt“, sagte Hartwig Roth, Vizepräsident des Landesverbands Erwerbsobstbau. Allerdings müsse dann gewährleistet sein, dass auch kleine landwirtschaftliche Betriebe die Beiträge bezahlen können, ergänzte Dieter Mainberger, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Tettnang.

„Der Klimawandel bringt nicht nur Risiken für Landwirte, er bietet ihnen auch Chancen“, meinte Patrick Trötschler von der Bodensee-Stiftung. Die Naturschutzorganisation aus Radolfzell beobachtet die klimatischen Veränderungen an 30 Pilot-Betrieben in Baden-Württemberg, fünf davon sind am Bodensee, und erfasst die Daten. „Landwirte müssen wissen, wie sie betroffen sind und wie sie reagieren müssen“, sagte Trötschler. Das Projekt wird von der EU gefördert und läuft vorerst bis Dezember 2019.

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