Franziska Brandmeier und Maximilian Muehlhoff kämpfen gegen Kulturbarrieren.
Franziska Brandmeier und Maximilian Muehlhoff kämpfen gegen Kulturbarrieren. (Foto: Jaella Brockmann)
Schwäbische Zeitung
Jaella Brockmann

Seit ungefähr einem Jahr begeistert die Drama Society mit außergewöhnlichen Auftritten und einer vielseitigen Ausbildung für junge Theaterinteressierte. Initiiert wurde der Verein von Franziska Brandmeier und Maximilian Mühlhoff, zwei Kulturstudenten der Zeppelin Universität. Da beide schon langjährige Erfahrungen beim Theater und Film gesammelt haben, sind sie sich der Schwierigkeiten eines Quereinstiegs in die Film- und Theaterszene bewusst.

Synergien von Theater und Uni

Um diese Schwierigkeiten für Neueinsteiger zu verringern, haben sich die beiden große Ziele gesetzt. Während Franziska Brandmeier die Entscheidung für das Projekt durch den Mangel an Alternativen als „aus der Not heraus getroffen“ bezeichnet, hegt Mühlhoff schmunzelnd schon große Pläne: „Wir wollen Deutschland verändern“, so der Student, der selbst schon als Regisseur bei einem Kurzfilm mitgewirkt hat. Dass das in Bezug auf die universitäre Theaterbildung in Deutschland auch dringend nötig ist, darin sind sich beide einig. Während Drama Societies in England „eine verwurzelte Tradition“ darstellen, sei es in Deutschland schwer, ohne eine spezifische Ausbildung eine Anstellung am Theater oder beim Film zu erhalten. Neben einer generellen Sensibilisierung der Gesellschaft für Theater und Kultur im Allgemeinen, wie es Mühlhoff formuliert, hat die Mitwirkung an der Drama Society durchaus praktische Zielsetzungen.

Dass diese praktischen Zielsetzungen auch praktische Umsetzungen mit sich führen, hat die Drama Society schon einige Male unter Beweis stellen können. Dabei sorgte das Stück „Die unerträgliche Schönheit eines Bombenkraters“ im Rahmen des Seekult-Festivals 2016 und im Jahr 2017 das Schauspiel „Die Familie wird Drama“ im Kiesel für Begeisterung. Und das nächste Stück ist schon geplant. Am 29. April präsentiert die Drama Society am Fallenbrunnen eine kleine Auswahl an Interpretationen verschiedener Shakespeare-Werke.

Projekt ohne Verfallsdatum

Ein wichtiger Ansatz des Projekts ist außerdem seine Nachhaltigkeit. „Uns war es wichtig, dass die Drama Society uns überdauert“, betont Brandmeier. In diesem Sinne verläuft das Projekt auf verschiedenen autonomen Ebenen. Unterschieden wird dabei unter anderem zwischen dem Makro- und dem Mikrotheater, die verschiedene Schauspiele autonom einstudieren und entwickeln. Außerdem ist im Rahmen der Drama Society auch ein Think Tank entstanden, bei dem Theatergrößen wie Charlotte Hoss oder Sarah Deissler den jungen Schauspielern Tipps und Impulse geben.

Neue Vorstände gesucht

Trotz der dezentralisierten Führungsebene des Vereins, kann es allerdings schwierig werden, für die Zukunft erfahrene Vorstände zu finden. So war Franziska Brandmeier neben diversen anderen Schauspielengagements zuletzt in dem Thriller „Mörderische Stille“ zu sehen. Auch Mühlhoff kennt man unter anderem dank seiner Zeit bei dem Projekt „TheaterTotal“. Trotzdem sind die beiden zuversichtlich bezüglich einer möglichen Nachfolge: „Wir glauben, es gibt da gute Übergangsprozesse.“ Dafür spricht die Offenheit des Projektes. In der Drama Society gibt es wenig Grenzen, die Teilnahme ist unabhängig von Erfahrungen, Plänen, Altersbeschränkungen. Zwar solle sich das Projekt mit Fokus auf die Zeppelin Uni und Peripherie entwickeln, Impulse und Teilnehmer aus anderen Bereichen seien jedoch immer willkommen, so Mühlhoff. Um auch Anfängern eine Chance in dem Bereich zu ermöglichen, gibt es jeden Mittwoch ein offenes Training. Dort willkommen sind Brandmeier zufolge alle, „die Lust dazu haben“.

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