So schwer lief der Abbau der Landshut in Fortaleza

Lesedauer: 6 Min
Mit Martin Brandes (links) und Dirk Westerhold (rechts) durfte Joachim Umbach zwei kompetente Gesprächspartner beim gestrigen La
Mit Martin Brandes (links) und Dirk Westerhold (rechts) durfte Joachim Umbach zwei kompetente Gesprächspartner beim gestrigen Landshut-Talk während der Do-Days auf der Bühne des Dornier-Museums begrüßen. Das symbolisch Modell, das sie in der Hand haben, ist allerdings keine Boeing 737 wie die Landshut, sondern ein Airbus 380. (Foto: Big)

Viel Wirbel hat es um sie bereits im Vorfeld gegeben. Ihre spektakuläre Ankunft vor etwa einem Jahr auf dem Friedrichshafener Flughafen hat die Massen fasziniert. Danach es ist wieder etwas still um sie geworden, vielleicht zu still, bevor sie in den letzten Tagen und Wochen wieder in die überregionalen Schlagzeilen geriet.

Das Schicksal der Landshut bewegt die Deutschen nach wie vor. Bei allem Trubel ist ein Punkt immer recht kurz gekommen, beziehungsweise fast ganz außen vor geblieben. Wie ist der Abbau der Maschine auf dem brasilianischen Flughafen Fortaleza gelaufen? Welche Schwierigkeiten gab es zu bewältigen? Welche logistischen Herausforderungen mussten vom 15-köpfigen Team der Lufthansa-Technik gemeistert werden? Und wie ist es gelungen, die abgebaute Maschine im Bauch der Antonov unterzubringen und sie sicher nach Friedrichshafen zu bringen? Viele Fragen, die Joachim Umbach, ehemaliger Chefredakteur der Schwäbischen Zeitung, beim zweiten Landshut-Talks im Rahmen der DO-Days auf der Bühne des Dornier-Museums an zwei kompetente Spezialisten richtete. Und Martin Brandes und Dirk Westerhold hatten dem interessierten Publikum auch viel zu berichten. Zunächst mussten die Teamleiter die geeignete Mannschaft zusammenstellen, wobei nicht nur die fachliche Qualifikation, sondern auch die Sozialkompetenz eine Rolle spielte, wie Dirk Westerhold erklärt. Schließlich galt es, 30 Tage hart zu arbeiten, in denen es bei weitem nicht bei Achtstundentagen blieb. „Insgesamt kamen bei unseren Leuten 400 Jahre Lufthansa-Erfahrung zusammen“, so Westerhold.

Von Insektennestern besiedelt

„Wie war denn der erste Eindruck der Landshut auf dem brasilianischen Flughafen?“, will Joachim Umbach von Martin Brandes wissen. „Wir sind erst mal schweigend dagestanden“, sagt dieser. Man habe eine Maschine gesehen, die jahrelang vor sich hingegammelt war, komplett eingeparkt und von vielen unbekannten Insektennestern besiedelt. Kurzum: „Wir hatten viel Respekt vor der auf uns zukommenden Aufgabe.“ Zunächst aber habe es gegolten, die Logistik in den Griff zu bekommen. Sich um Stromgeneratoren und Kompressoren kümmern, die fünf noch im Flugzeug vorhandenen Tonnen Sprit umweltgerecht entsorgen – auch an Toilettenhäuschen musste gedacht werden. Tonnenweise Spezialwerkzeug war bereits mit einem Sonderflug aus Frankfurt angekommen. Und wie war die Unterstützung der Behörden vor Ort? „Recht träge“, merkt Dirk Westerhold an. Die Arbeit auf dem Flughafengelände sei jeweils nur von 9 bis 15 Uhr möglich gewesen.

Der Tagesablauf der gesamten Lufthansa-Crew war indes weit umfangreicher. 6.30 Uhr Frühstück. 7 Uhr Einstieg in den Bus – aus Sicherheitsgründen immer mit dem gleichen Fahrer. 45-minütige Busfahrt inklusive vieler Schlaglöcher. Sicherheitskontrolle auf dem Flughafen – was mal zehn Minuten, mal eine ganze Stunde in Anspruch nahm. Dann Arbeiten auf der Baustelle bei 30 Grad im Schatten. Als Mittagessen gab es mitgebrachte Lunchpakete. „Und nachmittags ging es verschwitzt wieder zurück“, erzählt Brandes, wobei der ein oder andere Umweg in die Wäscherei, den Baumarkt oder auch zum Wasserfassen in den Getränkemarkt durchaus Usus gewesen sei. Abends vielleicht das ein oder andere brasilianische Bierchen. „Ansonsten lief nicht viel. Wir waren einfach zu platt“, fügt er hinzu.

Ob die insgesamt rund 2500 Einzelteile alle in die Antonov und die zusätzlich Iljuschin reinpassen? Dass diese Frage Sorgen bereitete, ist leicht nachvollziehbar. Die für den Häfler Flughafen zulässige Maximalast von 40 Tonnen habe man knapp unterschritten, auch der vier Meter hohe Rumpf der Landshut habe inklusive des 40 Zentimeter hohen Untergestells gerade so gepasst“, erzählen die beiden Teamleiter weiter. Problemlos seien der Flug nach Deutschland und das Ausladen auf dem Bodensee-Airport über die Bühne gegangen. „In drei bis vier Stunden war alles erledigt“, sagt Martin Brandes. Dass während der ganzen Zeit auch die historische Bedeutung immer im Raum gestanden sei, auch darin ist sich Martin Brandes mit Dirk Westerhold einig. „Wir sind stolz, dabei gewesen zu sein“, sagt er. „Und wir haben Respekt vor dem nächsten Schritt.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen