So macht ZF Autowerkstätten fit für die E-Mobilität

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Leitet die ZF-Division Aftermarket: Helmut Ernst.
Leitet die ZF-Division Aftermarket: Helmut Ernst. (Foto: ZF)
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Elektrifizierung, Digitalisierung, autonomes Fahren – dieser Dreiklang gibt im Konzert der Autoindustrie den Ton an. Dass sich in der Folge auch das Ersatzteil- und Werkstattgeschäft erheblich verändern wird, ist am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der ZF-Division Aftermarket in Friedrichshafen deutlich geworden.

Beim Autozulieferer ZF denken viele an Getriebe, Dämpfer, Lenkungen, seit neuestem auch an Sensoren, Airbags, Superrechner. Dass der Konzern drei seiner gut 36 Milliarden Euro Umsatz mit Ersatzteilen, Service und Schulungen verdient, ist nicht so bekannt. Gebündelt sind die Aktivitäten in der Division Aftermarket mit 8500 Mitarbeitern an 120 Standorten in 40 Ländern.

Im Fokus: freie Werkstätten, die nicht an einen Autohersteller gebunden sind. Sie beziehen von ZF Ersatzteile und Wissen, lassen aber auch ihre Mitarbeiter beim Stiftungskonzern schulen. 12 000 Teilnehmer haben entsprechende Kurse durchlaufen, berichtet Helmut Ernst, Leiter der Division Aftermarket. Dass sich in der neuen Konzernzentrale auch ein Trainingscenter befindet, zeige den Stellenwert im Konzern. Besonders nachgefragt: Hochvolt-Trainings, die Automechaniker fit für die Elektromobilität machen.

Ein weiterer wichtiger Trend: datenbasierte Services, also Autos, die ihren Fahrern sagen, wann eine Inspektion nötig ist oder ob ein Defekt vorliegt. Dienstleister können nun Werkstatttermine buchen, Ersatzteile bestellen oder via Ferndiagnose feststellen, ob der Wagen noch fahrbereit ist oder abgestellt werden soll. Auch hierfür liefert ZF Know-How und Technik, auch zum Nachrüsten.

Divisionsleiter Ernst sagt, dass sich die Werkstätten durchsetzen werden, die sich jetzt auf die neuen Trends in der Autoindustrie einstellen – „und zwar proaktiv“. Der Konzern rechnet damit, dass im Jahr 2030 etwa 30 Prozent der Neuwagen Elektro- oder Hybridantriebe haben werden. Darauf müssen sich die Werkstätten einstellen: technisch und personell. Hinzu kommt, dass bestimmte Umsatzbringer (Ölfilter- oder Zahnriemenwechsel) wegfallen werden und der Wartungsbedarf bei Elektrofahrzeugen geringer werden wird. Ernst zu Chancen und Risiken der Entwicklung: „Zum einen braucht es die Bereitschaft, gewohnte Geschäftsmodelle zur Disposition zu stellen, die Potenziale der Fahrzeug- und Nutzerdaten zu identifizieren, daraus attraktive Geschäftsmöglichkeiten abzuleiten und umzusetzen. Zum anderen müssen sich die Marktteilnehmer stärker als bisher an den Kundenerwartungen ausrichten, das heißt individualisierte Mobilitätsdienstleistungen anbieten.“

Auf der Fachmesse Automechanika im September in Frankfurt wird ZF einen neuen Bremsbelag vorstellen: Electric Blue. Speziell für E-Fahrzeuge konzipiert produziert er weniger Feinstaub und ist geräuschärmer als herkömmliche Beläge, so der Konzern. Letzteres ist bei leisen E-Motoren besonders wichtig.

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