So funktioniert die Klinik-Fusion am Bodensee

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Martin Hennings

Das Bundeskartellamt hat der Übernahme des Krankenhauses Tettnang durch das Klinikum Friedrichshafen zugestimmt.

Der so entstehende Verbund der Häuser in Friedrichshafen, Tettnang und Weingarten mit 650 Betten sei groß genug, um wirtschaftlich und medizinisch gewappnet zu sein, sagte der Geschäftsführer des Häfler Klinikums, Johannes Weindel, bei einem Pressegespräch.

Auf dieses Stück Papier haben einige lange gewartet: Am Freitag um 13.30 Uhr flatterte der Bescheid des Bundeskartellamts ins Häfler Klinikum, wonach die geplante Übernahme des Hauses in Tettnang aus Sicht der Aufsichtsbehörde „die Untersagungsvoraussetzungen nicht erfüllt“. Soll heißen: Der Klinikverbund behindert nicht den Wettbewerb auf dem regionalen Gesundheitssektor.

Ein Jahr lang geprüft

Seit einem Jahr sind die umfangreichen Verträge fix und fertig, zwölf Monate lang hat die Prüfung durch das Amt in Bonn gedauert. Jetzt müssen noch der Kreistag, der Häfler Gemeinderat und der Aufsichtsrat des Klinikums Friedrichshafen zustimmen, dann ist der Deal perfekt. Mit großem Widerstand ist dabei in keinem der drei Gremien zu rechnen. Noch in diesem Jahr soll der Prozess abgeschlossen werden.

Und so sieht der Verbund in Zukunft aus: Das Klinikum Friedrichshafen, bisher eine hundertprozentige Tochter der Stadt, übernimmt 94,9 Prozent der Anteile an der Klinik Tettnang. Die erhält es von den Waldburg-Zeil Kliniken, die im Gegenzug 4,5 Prozent der Anteile am Häfler Krankenhaus bekommen. Wie bisher bleibt der Bodenseekreis mit 5,1 Prozent in Tettnang beteiligt. Zudem hält das Klinikum Friedrichshafen 95 Prozent am Krankenhaus 14 Nothelfer. Fünf Prozent gehören der Stadt Weingarten. Geschäftsführer aller drei Häuser wird Johannes Weindel.

Es sei nicht Größenwahn, der die Verantwortlichen angetrieben habe, so Weindel, sondern „schiere Notwendigkeit“. Der Verbund schaffe die Voraussetzungen, um wirtschaftlich dauerhaft bestehen zu können und sichere zudem 1920 Arbeitsplätze in der Region. Vor allem aber werde man ausreichend groß sein, um die Patienten in der Region auch künftig bestmöglich versorgen zu können. Mit dem Partner Waldburg-Zeil habe man zudem einen Reha-Spezialisten an Bord, der die optimale Versorgung auch nach akutem Klinikaufenthalt biete.

Mit dieser Zusammenarbeit dreier kommunaler und eines privaten Hauses schreibe man „baden-württembergische Krankenhausgeschichte“, sagte Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand. „Meiner Meinung nach ist ein Verbund von leistungsfähigen und regional vernetzten Krankenhäusern mit einem zentralen Management die richtige Antwort auf die Veränderungen im Gesundheitswesen.“ Diese Verbundlösung habe zudem den Segen der Landesregierung, berichtete Landrat Lothar Wölfle. Die bisher oft erlebte Sicht nur auf den eigenen Kirchturm sei nun Vergangenheit, sagte Ellio Schneider, Geschäftsführer der Waldburg-Zeil Kliniken. „Wir können uns jetzt auf unsere Patienten konzentrieren.“

Der regionale Klinikverbund biete auch die Chance einer Neuordnung, so Schneider, der betonte, dass beide Häuser – Tettnang und Friedrichshafen – gut aufgestellt seien. Man werde natürlich Synergien heben, ergänzte Weindel. Konkrete Pläne wollte er noch nicht verraten. „Alles, was gut läuft, wird auch bestehen bleiben.“ Personalabbau sei nicht geplant, betonte er. Sparen könne man vor allem in patientenfernen Bereichen, sagte Ellio Schneider. Tettnang werde weder ein Satellitenkrankenhaus noch eine bloße Auffangstation. „Das würde auch wirtschaftlich gar keinen Sinn machen.“

Geld wird bei der Neuordnung der Kliniklandschaft im Bodenseekreis nicht fließen. Es gibt auch keine Quote für Überweisungen in ein Waldburg-Zeil-Haus oder ähnliche Regelungen. Mit den Anteilen am Klinikum Friedrichshafen sei kein Vetorecht verbunden, erklärte Elio Schneider auf Nachfrage. „Wichtig ist, mit am Tisch zu sitzen und in Strategien eingebunden zu sein.“

Offen für andere Häuser

Grundsätzlich sei man für die Zusammenarbeit auch mit anderen Häusern offen, sagte Weindel. Gemeinsam mit Waldburg-Zeil hofft er gar auf „eine Neuordnung der Gesundheitsregion Bodensee-Oberschwaben und Allgäu“. Entsprechende Vorstöße des Häfler Klinikums in Konstanz, Stockach, Überlingen, Sigmaringen, Lindau und Biberach waren in der Vergangenheit gescheitert. Solche Kooperationen seien aber nur dann denkbar, wenn sich alle an die Spielregeln hielten, so Weindel.

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