Seit 17 Jahren für die gute Sache unterwegs

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Noah Vinzens

„So einen Opa möchte ich auch haben“: Freudestrahlend erzählt Franz-Josef Hagel seinen bewegendsten Moment als Senioren-Lotse in Ailingen. Ein Erstklässler hatte ihn mit diesen Worten vor einigen Jahren zu seinem Wahlopa erklärt. Hagel ist einer von 16 aktiven Senioren-Lotsen des Arbeitskreises Familie in Ailingen. Er ist stolz, seit 2003 – der Geburtsstunde der Initiative – dabei zu sein. Im 17. Jahr treten die motivierten Rentner am Freitag zur Einschulung der 45 Erstklässler wieder ihren Dienst am Kreisverkehr in Ailigen an.

Herzliche Umarmungen und kräftiges Händeschütteln – die Stimmung ist locker und freundschaftlich, als sich die Senioren-Lotsen im Rathaus Ailigen zum jährlichen Auffrischungskurs treffen. „Wir sind eine große Familie“, stellt Angelika Drießen, Sprecherin des Arbeitskreises Familie, bei ihrer Begrüßung fest. Drießen ist sichtlich stolz auf die Verlässlichkeit und hohe Motivation der Gruppe. „Wir sind heute fast vollzählig, nur zwei haben sich entschuldigt.“ Auch Harald Müller, Hauptkommissar sowie Vorsitzender der Verkehrswacht Bodenseekreis fühlt sich „wohl in der Gruppe“. Er betreut den Senioren-Lotsendienst in Ailingen von Anfang an und lässt es sich auch heute nicht nehmen, an seinem ersten Tag nach einem Vierteljahr Krankheitsstand wegen einer Schulter-Operation den Lotsen persönlich den Dank der Verkehrswacht Bodenseekreis zu überbringen.

Mit dabei und ebenfalls langjähriger Begleiter der Initiative ist Hauptmeister Karl-Heinz Koß. Erstmalig vertreten ist Kommissar Dietmar Meisohle. Koß betont die Wichtigkeit des Lotsendienstes und berichtet, dass das Ailinger Modell des Lotsendienstes inzwischen deutschlandweit Schule macht. Allein im Bodenseekreis gibt es immer mehr Einsatzstellen: Neben Meckenbeu-ren, Überlingen und Markdorf bekommt ab Januar auch Ravensburg einen Lotsendienst nach dem Vorbild des Ailinger Arbeitskreises Familie. Doch: „Ailingen ist und bleibt unsere größte Einsatzstelle“, bestätigt Koß den Rentnern ihre Ausnahmestellung. Das Besondere an dem Senioren-Lotsendienst in Ailingen sei, dass nicht ganzjährig Lotsen eingesetzt werden, sondern die wichtigsten Zeiten aktiv betreut werden. Gerade in den Anfangswochen nach der Einschulung sowie in der Woche nach den Herbstferien sei es besonders wichtig, den Erstklässlern Hilfestellung im Straßenverkehr zu bieten. Danach sei es jedoch auch notwendig, die Schüler in die Eigenverantwortung zu entlassen, erklärt Koß.

Wie effizient und hilfsbereit die Rentner-Gruppe ist, zeigt die Schicht-Einteilung: Schnell und unkompliziert werden vorläufige Zeitpläne durchgesprochen, Schichten getauscht oder hier und da auch noch Dienste eines Kollegen übernommen, wenn dieser zu seiner Schicht verhindert ist. Eine Kritik wird nach Fertigstellung des Schichtplans jedoch laut, nämlich die Bitte an die Eltern, noch mehr der Erstklässler zu Fuß zur Schule zu schicken und auf die sogenannten Elterntaxis zu verzichten. Die Anzahl der Erstklässler am betreuten Verkehrskreisel sei nämlich bisher eher dürftig. Zum Ende der Schulung bleibt Leiterin Drießen nur noch eines zu wünschen: „Allzeit gutes Wetter und einen unfallfreien Lotsendienst.“

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