Seeharmonie bedankt sich beim treuen Publikum (von links): Jürgen Binder, Fritz Felder, Gertrud Fissl und Werner Frey.
Seeharmonie bedankt sich beim treuen Publikum (von links): Jürgen Binder, Fritz Felder, Gertrud Fissl und Werner Frey. (Foto: Harald Ruppert)

Nach 18 Jahren beendet die Gruppe Seeharmonie ihre Sommerkonzertreihe „Musik, Literatur, Gesang“. Damit bleibt das Rondell beim Häfler Schloss nach 18 Jahren in diesem Sommer zum ersten Mal unbespielt.

Immer wieder wurden Gertrud Fissl, Werner Frey, Hermann Geiger, Fritz Felder und Jürgen Binder in den letzten Wochen gefragt, warum die beliebten Volksmusik-Konzerte zum Mitsingen noch nicht begonnen haben. Nun geben sie die Antwort über die Schwäbische Zeitung: Weil sie alle schon älter seien, meint Gertrud Fissl, und der Aufwand beschwerlich werde. Und weil man sich einen schöneren Abschluss als im vergangenen Jahr mit 230 Besuchern nicht wünschen könnte. „Wir hatten gar nicht genug Sitzplätze für alle“, erinnert sich Jürgen Binder. Der Abschied ist für alle Seeharmonie-Mitglieder zugleich Anlass, sich beim treuen Publikum zu bedanken.

Alte Volkslieder bewahren

Die Konzertreihe verdankte ihre Entstehung einer Schlüsselerfahrung, die Gertrud Fissl bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit in Altersheimen machte. „Die Bewohner konnten keine Unterhaltung mehr führen. Aber beim Volkslied ,Am Brunnen vor dem Tore’ brachten sie auch noch die zweite Strophe zusammen.“ Gertrud Fissl schloss daraus, wie bereichernd gemeinsames Singen sein kann. Und sie folgerte, dass diese Volkslieder nicht vergessen werden dürfen.

Der Erfolg von „Musik, Literatur, Gesang“ gibt ihr und ihren Mitstreitern recht. Lange bevor das Rudelsingen in Mode kam, bot die Reihe den Besuchern die Gelegenheit, selbst zu singen, anstatt nur zuzuhören – begleitet von der zwölfsaitigen Gitarre Fritz Felders und drei diatonischen Mundharmonikas. Die Hefte mit den Texten von rund 130 Liedern stellte Seeharmonie selbst zusammen; und immer wieder kamen neue Lieder dazu. Schon 50-Jährige kamen gern zu den Konzerten „an einem der schönsten Plätze von Friedrichshafen“, wie es in den Presseankündigungen zu Recht hieß. Aber um das Konzert-Event allein ging es nicht. Für ältere Menschen waren die Konzerte auch eine Gelegenheit zur Geselligkeit. Hier stießen sie auf ihre Bekannten, schlossen auch neue Bekanntschaften. Dass der Rahmen passte, dafür sorgte Seeharmonie ebenfalls – erst mit Sitzbänken, dann mit Stühlen, die gebracht werden mussten, wofür dem Bauhof Dank gebührt. Die angeschaffte Verstärkeranlage konnte mit den Eintrittsgeldern bezahlt werden: drei Euro, später vier, kostete der, und dazu gab es noch ein Glas guten Rotwein und Salzgebäck. Gertrud Fissl erinnert sich amüsiert: „Manche haben das Glas ausgetrunken, es hergestreckt und gesagt: ,Ich hab’ noch nichts.’“

Eineinhalb Stunden dauerte ein Konzert, aber mit Vor- und Nachbereitung war Seeharmonie sechs Stunden eingespannt. Das war ihnen die Sache aber wert, zumal Herzog Friedrich als Eigentümer des Geländes die Erlaubnis für die Konzerte gerne erteilte: „Jedes Jahr kam ein Brief vom Herzog, dass er sich sehr freuen würde. Die Familie würde an den Abenden der Konzerte auf der Terrasse vespern und sich an der Musik erfreuen.“ Seeharmonie kann sich übrigens auf die Fahnen schreiben, das Rondell populär gemacht zu haben, lange bevor es durch die 2011 abgeschlossene Restaurierung des gusseisernen Stegs allgemein beliebt wurde. „Vorher war da ja nie jemand“, sagt Gertrud Fissl.

Jedes Konzert endete mit einem Trompetensolo von Fritz Felder. Manchmal hatte er einen prominenten Duettpartner: den amerikanischen Saxofonisten Benny Golson. Er schrieb Jazzstandards wie „Blues March“ oder „Whisper Not“ und steht in freundschaftlichem Kontakt zu Gertrud Fissl. „Immer wenn er dabei war, war das für mich etwas ganz Besonderes“, sagt Fritz Felder.

Dann ist da auch noch die Literatur. Die Tettnanger Mundart-Dichterin Ingrid Koch hatte mehrfache Gastauftritte – und mit ihren spitzen Versen die Lacher auf ihrer Seite. Zum festen Seeharmonie-Mitglied wurde aber Jürgen Binder. „Ich habe meine ,Sticheleien’ gelesen, die in der Schwäbischen Zeitung veröffentlicht werden“, sagt er. Er schrieb aber auch Texte, die nur für die Seeharmonie-Auftritte gedacht waren. Und wenn Benny Golson anwesend war, reimte er sogar auf schwäbischem Englisch: „Musikalisch isch des echt de heaven. Till nächscht year, Thursday, half past seven.“ Diese Zeitansage wird nun wohl nichts mehr. Aber gelegentliche Auftritte will Seeharmonie weiterhin geben.

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