Zwischenfall auf der Stadtbuslinie 1 in Waggershausen: Wegen vollem Bus soll ein Busfahrer nicht angehalten haben und durchgefa
Zwischenfall auf der Stadtbuslinie 1 in Waggershausen: Wegen vollem Bus soll ein Busfahrer nicht angehalten haben und durchgefahren sein. Leidtragende waren Kinder, die in die Schule wollten (Archivbild). (Foto: dpa)
Alexander Mayer

Mit dem Elternvorwurf konfrontiert, ein Busfahrer habe an der Bushaltestelle im Waggershausen wegen vollem Bus nicht angehalten und ihre Kinder stehen gelassen, ist die Häfler Stadtverkehr GmbH. Zudem soll es auch noch zu Beleidigungen wie Vogelzeigen und Zunge herausstrecken des Fahrers gekommen sein.

Tatort: Haltestelle in Waggershausen, Dienstag gegen 7.36 Uhr. Sieben Kinder können offensichtlich ihrem vorbeifahrenden Bus nur noch nachschauen. Sie kommen verspätet zum Unterricht in der Gemeinschaftsschule Graf Soden. Deren Eltern lassen sich das Stehenlassen ihrer Kinder nicht gefallen. Proteste sind die Folge.

In der Warteschlange an der Bushaltestelle der Linie 1 stehen auch zwei Kinder des Ehepaars Raffaella und Francesco Cucci. Der Mutter bleibt nichts anderes übrig, als die heimkehrenden Kinder ins Familienauto zu setzen. Und sie „einmal mehr“ per Privattaxi zur Schule zu fahren.„Was da passiert ist, ist kein Einzelfall, erklärt Francesco Cucci. „Nein, das kommt öfters vor. Besonders jetzt im Winter, wenn die Busse stark frequentiert sind“, ergänzt Mutter Raffaella. Weil sie es nicht mehr einsieht, „jeden Monat zwei Schülerkarten zu jeweils 35 Euro bezahlen zu müssen, wenn der Bus die Kinder eh stehen lässt“, geht sie den Weg der Beschwerde. Bei der Beschwerdestelle der RAB als Dienstleister der Stadtverkehr GmBH. „Dort wurde mir bestätigt, dass die Busse bei den aktuellen Wetterbedingungen oft überfüllt sind.“ Sei dies der Fall, würden sie schon mal an den Haltestellen vorbeifahren.

„Das war kein Einzelfall“

Francesco Cucci hat „einen dicken Hals“. Er will ihn leeren, geht raus in die Kälte, passt den Busfahrer an der Haltestelle, wo seine zwei Kinder auf der Straße stehen geblieben sind, ab. Vater Cucci hat, wie er im Gespräch mit der SZ erklärt, den Fahrer auf sein „Fehlverhalten“ angesprochen. Die Antwort: Immer wenn der Bus zu voll sei, fahre er weiter. Das sei aber noch nicht alles gewesen: „Nach dieser Ansage hat er mir auch noch einen Vogel gezeigt und die Zunge herausgestreckt.“

Ungeachtet einer möglichen Entschuldigung „für die persönliche Entgleisung“, die Familie Cucci fordert in solchen Hochfrequenzzeiten einen zweiten Bus. Der Stadtverkehr, der als Fahrer Personal der RAB einsetzt, weiß von den vollen Bussen. „Besonders im Morgenverkehr ist die Nachfrage auch durch den Schülerverkehr sehr hoch“, sagt Christian Nicke, bei der Stadtverkehr GmbH verantwortlich für den Öffentlichen Nahverkehr und damit auch für die „Silberpfeile“. „An einer Haltestelle vorbeizufahren ist grundsätzlich aber nicht vorgesehen“, heißt es weiter: Auch bei vollem Fahrzeug hätten die Fahrer die Anweisung anzuhalten, um dem Fahrgast die Situation zu erklären. Dass der besagte Fahrer durchgefahren ist, kann Nicke nicht bestätigen. Er habe vom Fahrer dazu keine Aussage. Allerdings sei er dazu auch gar nicht befragt worden. „Bestätigen kann ich aber die außergewöhnlich hohe Nachfrage an diesem Morgen.“

Thema Verstärkerfahrten

Ein zweiter Bus? Die Spitzennachfrage auf der Linie 1 sei sehr punktuell. Sollte sie sich dauerhaft bestätigen, dass wir der Nachfrage nicht gerecht werden, müssen wir über Verstärkerfahrten nachdenken“, meint Christian Nicke.

Und das Zunge herausstrecken? Der ÖPNV-Verantwortliche will es nach „nach einer kurzen Befragung des Fahrers“ nicht von der Hand weisen: Der sei in außergewöhnlicher Lautstärke von dem Vater angesprochen worden. Da sei diesem die Spucke weggeblieben. Aufgrund dessen habe er die Lippen befeuchtet, um wieder sprechen zu können, habe der Fahrer erklärt. „Das wurde vom Beschwerde führenden Vater wohl überinterpretiert“, ist die Einschätzung von Nicke.

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