Schrecken der Hölle und himmlischer Friede

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 Nikolaus Henseler
Nikolaus Henseler (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Kaum ist die große Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Paulus“ mit dem Philharmonischen Chor Friedrichshafen und der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz vorüber, erwartet die Liebhaber geistlicher Musik ein neuer Höhepunkt im Graf-Zeppelin-Haus: Am Sonntag, 3. Dezember, lädt das Vokalensemble Camerata Serena zu Verdis Requiem ein. In der Aufführung unter der Leitung von Nikolaus Henseler wird neben der Camerata Serena der Chor der Staatlichen Hochschule Trossingen singen – beide Chöre addieren sich auf hundert Sängerinnen und Sänger. Auch hier wird die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz spielen.

Es ist eine der letzten Proben allein mit der Camerata, parallel dazu hat Nikolaus Henseler das Requiem mit dem Hochschulchor einstudiert. Bald werden beide Chöre zusammen in Trossingen proben, danach in Konstanz mit dem Orchester. Bestechend ist schon jetzt die Chorkultur, die Henseler einfordert. A cappella hören die Besucher ein inniges Agnus Dei, fern jeder Theatralik, die man Verdis Requiem oft vorgeworfen hat.

Sinnlich und von Lebensfreude sprühend ist das Sanctus in dieser letzten und musikalisch reichsten in der Reihe der klassisch-romantischen Totenmessen. Zu opernhaft und theatralisch war das Requiem für deutsche Ohren, doch wie Henseler sagt, passe es wie kaum ein anderes in unsere Zeit, denn als Italiener bete Verdi hier nicht nur zu Gott, sondern fordere ihn geradezu dazu auf, Verantwortung für die Menschen und ihr Elend zu übernehmen. Eine enorme Todesangst Verdis drücke sich in seiner Musik auf, düstere Bilder der drohenden Höllenstrafe malt der Bassist, gefolgt vom aufgewühlten Chor.

Für den Chor sei das Requiem mit seinen großen Kontrasten eine sehr reizvolle Aufgabe: „Wir haben im ganzen Werk die verschiedenen Charaktere bis zu den ganz demütigen Gesten.“ So steht beispielsweise neben einem wirkungsvoll schroffen, die Schrecken des „Dies Irae“ ausmalenden Chor eine verklärte Stille wie im Kyrie-Schluss oder im Agnus Dei: „Es soll ja auch fürs Publikum ein Zauber dabei sein.“

Aussprache der lateinischen Texte

Intensiv arbeitet Henseler mit seinen Sängern an den Stimmungen, auch an der italienischen Aussprache des lateinischen Textes: „Es stimmt, aber wir kriegen’s noch schöner hin“, heißt es nach einer gelungenen Passage.

Nebenbei sei noch gesagt, dass für Henseler das Requiem, das zuerst am 1. Dezember in der Musikhochschule in Trossingen aufgeführt wird, zur Abschlussprüfung seines Masterstudiums Chorleitung zählt. Dass er schon vor dem Abschluss zum Chordirigenten an der Oper Frankfurt am Main gewählt wurde, spricht für sich allein.

Die Aufführung ist am Sonntag, 3. Dezember, um 18 Uhr im GZH. Karten gibt es an der Servicekasse im GZH, Telefon 07541 / 28 84 44, und bei

www.reservix.de

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