Schiffsunfall: Akten liegen jetzt beim Staatsanwalt

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Alexander Mayer

Der schwere Schiffsunfall, bei dem am 12. August der Katamaran „Constanze“ eine Segelyacht versenkt hatte, liegt inzwischen bei der Staatsanwaltschaft in Konstanz. Nach Worten von Andreas Mathy, Sprecher der Staatsanwaltschaft, laufe die Angelegenheit „mit gewisser Wahrscheinlichkeit auf ein Rekonstruktionsgutachten“ hinaus. Auf dessen Grundlage lasse sich dann beurteilen, wie der Unfall (straf-)rechtlich zu bewerten sei.

Die Wasserschutzpolizei hat ihre Ermittlungen abgeschlossen. Noch allerdings, so hörte man aus Konstanz, fehlen Zeugenaussagen. So etwa von den zwei Seglern, deren Schiff bei dem folgenschweren Crash in zwei Teile zerrissen wurde. Der Kapitän, im Zentrum der Untersuchungen der Wasserschutzpolizei, hat offenbar zum Unglückshergang keine Aussagen gemacht. Nach Worten von Mathy müsse er das auch nicht: „Er muss sich im Ermittlungsfall nach der Strafprozessordnung nicht selbst belasten, kann von seinem Schweigerecht Gebrauch machen.“

Keine Konsequenzen

Die Kat-Reederei hat aus dem Schiffsunfall bislang keine Konsequenzen gezogen. Reederei-Sprecher Sebastian Dix: „Unser Sicherheitssystem hat einwandfrei funktioniert. Es gibt keinen Hinweis auf technisches Versagen.“ Und was den Kapitän betrifft: „Solange der Staatsanwalts ermittelt, machen wir keine Aussagen.“

Dix betont einmal mehr, dass zum Unglückszeitpunkt zwei Schiffsführer an Bord waren. Beide hätten eine vollständige Ausbildung am Radar. Zwei Schiffsführer auf der Brücke seien nur erforderlich bei „unsichtigem Wetter und bei Dunkelheit“, hieß es weiter.

Sicherheitsausrüstungen an Bord der Personenschiffsfahrt schreibt die Bodensee-Schifffahrtsordnung in Verbindung der Rheinschiffuntersuchungsordnung vor, erklärt Claudia Bucher im Gespräch mit der SZ. Sie muss es wissen: Die Technische Sachverständige im Schifffahrtsamt des Bodenseekreises hat das B-Patent in der Tasche – also das Fahrgastschiffpatent für den Bodensee. Teil der Ausbildung, so die Kapitänin, sei die Sicherheitstechnik an Bord. Da gehe es um Brandschutz genauso wie um Personenrettung. Und um die grundlegenden Verhaltensregeln auf der Brücke/Steuerstand: „Völlige Nüchternheit“ (00,0 Promille), Ausschau halten, auf Außenkameras und den gesamten Verkehr achten.“

Kein Autopilot auf dem Bodensee

Nach Worten von Claudia Bucher gelte für jedes Schiff ein eigenes Sicherheitskonzept. Je nach Größe, Kapazität, Anzahl der Maschinen. Für die Schiffe der „Weißen Flotte“ gilt als Standardausrüstung GPS, Radar, Funk und Echolot, konkretisiert Teresa Wolf, Sprecherin der Stadtwerke Konstanz beziehungsweise der Bodensee-Schifffahrtsbetriebe (BSB). Und für die Kats der Linie Konstanz-Friedrichshafen, so zählt Sebastian Dix auf, sind zwei Radarsysteme, GPS, Infrarot-Kameras und Echolot Pflicht. „Mit Autopilot werde auf dem Bodensee allerdings nicht gefahren“, erklärt der Sprecher der Kat-Reederei.

Verband fordert zwei Mann auf der Brücke

Während sich, wie berichtet, nach dem Schiffsunfall der Bodensee-Segler-Verband (BSVb) fordert, dass bis zur vollständigen Aufklärung des Unfalls „per einstweiliger Verfügung der ursprüngliche Sicherheitsstandard mit einem zweiten Mann mit entsprechender nautischer Qualifikation auf der Brücke wieder hergestellt wird“, bricht Kapitänin Claudia Bucher eine Lanze für die Schiffsführer der Personenschifffahrt auf dem See: „Besonders an den super Ferien-Wochenenden, an denen alles auf dem Wasser ist, was schwimmt, haben die Kapitäne der Bodenseeschifffahrt auf der Brücke Schwerstarbeit zu leisten.“ Auch deswegen, weil die Reaktionszeiten eines Fahrgastschiffes durch die große Schiffsmasse doch sehr lange seien. Nach Einschätzung von Claudia Bucher gebe es an normalen Tagen auf dem Bodensee unter Sicherheitsaspekten keine Probleme. Auch der Seglerverband stellt sich im Prinzip hinter die Kapitäne. „Das Fahren von Schnellfähren über Stunden ist für die Schiffsführer eine hoch anspruchsvolle Aufgabe, die über die gesamte Dienstzeit hohe Aufmerksamkeit und Konzentration erfordert.“ Deswegen müssten immer zwei Mann auf der Brücke stehen.

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