„Scheitern ist doof, gehört aber dazu“

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Schwäbische Zeitung
Lena Reiner

„Das Gründen gehört zur DNA dieser Universität“, hat die Präsidentin der Zeppelin-Universität (ZU) Insa Sjurts in ihrer Auftaktrede zum 14. Sommerfest am Samstag gesagt. Das Programm unter dem Motto „Gründen“ bot eine Mischung aus Unterhaltung mit vielseitiger Musik, einer künstlerischen Annäherung ans Thema neuer grenzenloser Wohnkonzepte mit „New Eelam“, aber vor allem viel Wissenswertes zum Tagesmotto.

Jörg Rheinboldt, der heute als Geschäftsführer von Axel Springers „Plug and Play Accelerator“ in spannende Ideen investiert, gab in seiner Festrede Tipps aus seiner eigenen Gründerzeit. „Scheitern ist doof, gehört aber dazu“, sagte er etwa, riet dazu, mit Menschen zu reden, die etwas machen, das man schön finde und außerdem, nur mit Menschen etwas zu gründen, die ein ähnliches Wertesystem hätten. Sein Konzept für Gründungen sei es gewesen, Science-Fiction zu recyceln, also Ideen aus Werken des Genres zu verwirklichen.

Bevor die Vortragsreihe mit wissenschaftlichen und praxisnahen Beiträgen zum Gründen begann, stellten sich 14 Start-ups auf der Bühne vor. Vier Gründer interviewte Rheinboldt und erfuhr so etwa, dass in Julia Winklers Herz stets zwei Herzen schlagen, weil sie ein „Social Business“ mit „VolunteerVision“ gegründet habe, das wirtschaftlich tragfähig sein müsse, aber doch dem guten Zweck dienen solle oder dass Simon Tüchelmann seine an der ZU gegründete „kleine Keksfirma“ „Knusperreich“ verkauft habe und nun mit „Kreatize“ an Softwarelösungen für eine bisher analoge Branche arbeite. Im zweiten Stock wurde derweil der „PioneerPort“ vorgestellt, ein Zentrum für studentische Gründer, das nun den Raum einnimmt, der vor wenigen Jahren noch die Bibliothek beherbergt hat. Noch befindet er sich im Aufbau, doch das Ziel des Ortes ist klar. Er soll zum einen Anlaufstelle für studentische Gründer sein, um ihre Fragen und Probleme zu klären, zum anderen sollen ausgewählte Start-ups die Möglichkeit haben, hier nach dem Modell eines „Coworkingspaces“ zu arbeiten. Ein Kompetenzteam, das in den kommenden Wochen zusammengestellt wird, soll diese Auswahl treffen. Derzeitiger Kooperationspartner des Gründerzentrums ist die Wagner Group.

Die Präsidentin der ZU, Insa Sjurts, verfolgt mit dem „PioneerPort“ jedoch noch ein weiteres Ziel, wie sie im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ verriet: Die Studierenden zu motivieren, ihre Start-ups in der Stadt am See anzusiedeln. „Die, die hier studieren, sind besonders kreativ und besonders intuitiv und ich denke, damit können sie ihren Beitrag für die Region leisten.“ Mehr als 120 Gründungen habe es an der selbst erst im Jahr 2003 mit 19 Studierenden gegründeten Hochschule bereits gegeben, erklärte Sjurts.

Erster Bürgermeister Stefan Köhler schlug in seinem Grußwort den Bogen zwischen Universität und Stadt, denn auch Friedrichshafen selbst sei noch „sehr jung“, wenn man mit anderen oberschwäbischen Städten vergleiche. „Friedrichshafen ist zu dem geworden, was es ist, weil Menschen etwas wagten“, betonte er. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ führte er aus, wieso es wichtig sei, dass Friedrichshafen weiter ein Ort des Gründens bleibe. „Nur weil wir satt sind und hier auf der Sonnenseite leben, dürfen wir nicht aufhören, weiterzumachen“, betonte Köhler. Es sei wichtig, Herausforderungen wie die Digitalisierung zu meistern und auch neue Lebenskonzepte zu fördern, die junge Menschen sich wünschten. „Eigentlich ist das ja ganz im Sinne der schwäbischen Mentalität, die Schwaben stehen schon immer dafür, auch mal was auszuprobieren und zu tüfteln“, zeigte er sich optimistisch. In dem Zusammenhang freue er sich über die gute Zusammenarbeit mit der ZU und äußerte die Idee, gemeinsam mit Sjurts einen Club der Vordenker ins Leben zu rufen.

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