Schüler setzen sich auf unkonventionelle Weise mit dem Thema Alter auseinander.

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 Elisabeth Darnier im Gespräch mit einer Schülerin.
Elisabeth Darnier im Gespräch mit einer Schülerin. (Foto: Flavia Klingenhäger)

Was bedeutet es, alt und auf Hilfe angewiesen zu sein? Das konnten die Schüler der elften Klassen der Bodenseeschule St. Martin am Mittwoch bei einer Informationsveranstaltung an ihrer Schule herausfinden.

Der Infotag fand dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Die Stiftung Liebenau hatte ihn vergangenes Jahr ins Leben gerufen, um den Schülern ein neues Verständnis für das Thema Alter zu vermitteln und über den Beruf des Altenpflegers zu informieren. Dieses Jahr waren die Stiftung Liebenau, die katholische Sozialstation, das Diakonische Institut Friedrichshafen und die Bruderhaus-Diakonie Friedrichshafen mit ihren verschiedenen Workshops vertreten. Sie veranschaulichten den Schülern auf lebendige Art den Beruf des Altenpflegers und wie es sich anfühlen kann, im Alter mit unterschiedlichen Beschwerden konfrontiert zu sein. „Unsere Intention ist nicht nur, Werbung für den Beruf des Altenpflegers zu betreiben“, erklärte Friederike Stephan-Bosch, Ausbildungskoordinatorin der Stiftung Liebenau, „sondern auch, mit den Vorurteilen, die rund um das Thema Alter noch in vielen Köpfen existieren, aufzuräumen.“ Vor allem bei jungen Leuten sei die Thematik häufig mit Scham und vor allem Unwissen behaftet.

Beim Infotag konnten die Schüler am eigenen Leib an insgesamt acht interaktiven Stationen erfahren, wie es zum Beispiel ist, im Rollstuhl zu sitzen oder plötzlich nicht mehr gut sehen zu können. Sie lernten, wie man Blutzucker und Blutdruck misst und Wunden fachgerecht verbindet. „Uns ist es vor allem wichtig, zu zeigen wie vielfältig der Beruf des Altenpflegers tatsächlich ist“, sagte Tanja Günther von der Bruderhaus-Diakonie Friedrichshafen, „er beinhaltet weitaus mehr als nur Körperpflege“. Friedericke Stephan-Bosch, die schon seit über 20 Jahren in der Pflege tätig ist, machte klar, wie akut der Fachkräftemangel in diesem Bereich ist. „Mir fällt jedes Jahr auf, dass sich immer weniger Jugendliche für eine Ausbildung zum Altenpfleger interessieren und anmelden.“ Elisabeth Darnier, die in einer Pflegeeinrichtung der Bruderhaus-Diakonie wohnt war ebenfalls beim Infotag vertreten und erzählte den Schülern von ihrem Lebensweg. Sie ist nach einem Unfall nicht mehr in der Lage, alleine zu wohnen und lebt nun in einer Einrichtung für betreutes Wohnen. „Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie dankbar ich für diese Möglichkeit bin“, erzählte die 76-Jährige, „ohne die Diakonie wäre ich nach meinem Unfall nicht so schnell wieder auf die Beine gekommen.“

Die Schüler hörten aufmerksam zu und stellten viele Fragen. Die Chance, sich intensiver mit dem Thema Alter auseinandersetzen zu können und mehr über den Beruf des Altenpflegers zu erfahren, schien bei allen sehr gut anzukommen. Der 17-jährige Leon erzählte, er habe zwar schon ein Praktikum im Altenheim gemacht, sei aber trotzdem dankbar, einmal „wirklich zu fühlen, was es heißt, nicht mehr sehen und hören zu können“.

„Bis heute hatte ich gar keine persönliche Verbindung zum Thema Alter“, meinte die 17-jährige Schülerin Anna Nouri, „aber das ist jetzt anders. Ich kann mir viel besser vorstellen, wie dringend man Hilfe von Fachkräften im Alter nötig haben kann und wie wichtig es ist, dass es weiterhin Altenpfleger gibt.“

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