Schüler lernen Handwerksberufe kennen – damit sie Lust auf Maurern und Zimmern bekommen

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crossmediale Volontärin

Fest drückt Lisa Kelwing die Bohrmaschine nach unten. Nur wenige Sekunden später hat die Schülerin der Pestalozzi-Schule ein Loch in die Holzbohle gebohrt. Diese ist Teil einer Bank, die Kelwing und ihre Klassenkameraden gemeinsam mit Auszubildenden aus Handwerksbetrieben in der Claude-Dornier-Schule bauen. Anlass der Zusammenarbeit ist die „Kooperative Berufsorientierung“ (KooBO) – ein Projekt, das Schüler in die Arbeitswelt einführen soll, indem es ihnen praktische Erfahrungen vermittelt.

Die Handwerkskammer (HWK) Ulm organisiert es seit 2015 in Zusammenarbeit mit Schulen im Schulamtsbezirk Markdorf. „Das Projekt findet jährlich statt. Etwa 15 Schulen aus der Region haben bisher daran teilgenommen. Davon stammen drei aus Friedrichshafen“, sagt Ulrike Zinser von der ortsansässigen Bildungsakademie der Handwerkskammer. „Die Claude-Dornier-Schule ist dieses Jahr neu dazugekommen.“

Nachwuchs fehlt

Zinser hatte bei der Schule nachgefragt, ob sie sich eine Teilnahme an dem Projekt vorstellen könne. „Wir waren sofort interessiert“, sagt Thomas Räuber, Abteilungsleiter an der Claude-Dornier-Schule. „Der Handwerksbranche fehlt Nachwuchs. Auch wir suchen nach Schülern. Das ist nicht leicht. Viele haben Vorurteile über Berufe wie Maurer im Kopf und denken, dass die Arbeit hart und der Lohn schlecht ist. Dabei hat sich die Realität längst geändert: Bauarbeiter beispielsweise arbeiten heute nicht mehr so schwer wie früher.“

Die kooperative Berufsorientierung soll Berührungsängste der Jugendlichen abbauen. An fünf Terminen schauen sie erfahrenen Berufsschülern unter anderem beim Schweißen, Bohren und Hobeln zu. Teilweise packen sie wie Lisa Kelwing auch selbst mit an.

Mentoren sind zufrieden

„Die Schüler sind schon interessiert an der Arbeit. Das ist eine schöne Aufgabe für uns“, freut sich Silas Kreuzer, Auszubildender bei der Bodensee-Wasserversorgung in Sipplingen. Der 19-Jährige hat den 15 Zehntklässlern der Pestalozzi-Schule gezeigt, wie das Schweißen funktioniert. „Es ist gut, dass die Schüler mit fast Gleichaltrigen zusammenarbeiten“, sagt Thomas Räuber. „Dadurch stellen sie vielleicht auch Fragen, die sie sonst nicht stellen würden.“

Als weiteren Vorteil der kooperativen Berufsorientierung nennt Räuber die Arbeit an einem konkreten Projekt. Die Bank soll, wenn sie fertig ist, an der Pestalozzi-Schule stehen. „So haben die Schüler etwas Bleibendes von ihrer Arbeit“, sagt der Abteilungsleiter.

Erfolgserlebnisse erwünscht

Die Idee zu dem Projekt stammt von Ulrike Zinser. „Üblicherweise bewerben sich Schulen bei uns. Wir fragen dann zuerst, ob sie selbst eine Idee haben, was sie bauen wollen“, sagt ist. Sei das nicht der Fall, mache die Handwerkskammer einen Vorschlag. „Wichtig ist, dass das Projekt in der begrenzten Zeit umsetzbar ist“, ergänzt Thomas Räuber. Die Schüler sollen ein Erfolgserlebnis haben. „So werden sie sich am ehesten für Handwerksberufe begeistern – und lernen, dass eine Ausbildung in diesem Bereich keineswegs eine berufliche Sackgasse, sondern eine tolle Möglichkeit ist“, so Räuber weiter. Er glaubt, dass die Schüler das erkannt und die kooperative Berufsbildung im „Großen und Ganzen“ gut angenommen haben.

Projekt soll fortgesetzt werden

Auch Lisa Kelwing ist am Ende des Projekttags zufrieden.

„Es war gut, das alles einmal zu sehen und auch selbst auszuprobieren“, sagt die 17-Jährige. Dauerhaft sei ein Beruf in der Handwerksbranche aber nichts für sie. Die Zehntklässlerin möchte lieber Packmitteltechnologin werden.

Nicht schlimm, findet Thomas Räuber. In Zukunft will die Claude-Dornier-Schule wieder an der kooperativen Berufsbildung teilnehmen – und so noch vielen anderen Schülern einen Einblick in die vielfältige Handwerkswelt geben.

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