Ein redender Finanzminister als Publikumsmagnet: Wer Wolfgang Schäuble beim Jahresempfang erleben möchte, musste am Donnerstag
(Foto: Alexander Mayer)
Alexander Mayer

Finanzminister Wolfgang Schäuble als Gastredner des Häfler Neujahrsempfangs erweist sich als Publikumsmagnet: Am Donnerstag bildeten sich bei der Kartenausgabe im Graf-Zeppelin-Haus lange Schlangen. Ins geduldige Schlange stehen mischte sich auch Unverständnis der Wartenden fürs die Praxis der Häfler Kartenvergabe. Daneben wurden Forderungen laut, die Karten künftig nicht mehr kostenlos anzubieten. Ein Obulus könnte für einen mildtätigen Zweck verwendet werden.

Gerda-Marie Rück ärgert sich gehörig. „Schlangen fast bis zum Paulinenstift“, das ist blamabel – ist nicht akzeptierbar für eine Stadt, in die Stiftungsgelder fließen“, sagt die Häflerin. Sie hat keine Karte bekommen, wird Wolfgang Schäuble, nach ZDF-Politbarometer derzeit der mit Abstand beliebteste Politiker der Republik, nicht live erleben können. Die Häflerin Waltraud Spiessmacher aber schon. Sie konnte nach über einer einer Stunde Schlange stehen immerhin zwei der insgesamt 130 Stehplatzkarten unter der Empore ergattern. „Das Anstehen hat sich gelohnt“, meint sie. „Ich muss einfach zu diesem Jahresempfang. Er ist hochinteressant.“

„Ausmaße nicht hinnehmbar“

Zwei Karten nennt auch Rainer Lehmkuhl sein eigen. Er spricht zwar von „locker geordnetem Schlange stehen“. Und trotzdem: „Das ist in diesen Ausmaßen nicht hinnehmbar“, meint der Häfler, der zum Jahresempfang geht, seit es Platzkarten gebe. Allerdings, sie müssten nicht gratis sein, „denn wenn’s nicht kostet, sind alle da.“ Von einem solchen Obulus spricht auch Berthold Quast, „seit Jahren Besucher der beliebten Häfler Neujahrsempfänge“.

Forderung nach Obulus

Die Stadt will von einem Obulus nichts wissen. Stadtsprecherin Andrea Gärtner: „Die Forderungen sind nicht neu. Wir haben bewusst aber darauf verzichtet. Jeder muss die Möglichkeit haben, zum Jahresempfang zu kommen.“ Auch wenn der Kartenandrang immens sei, Andrea Gärtner zeigt sich im SZ-Gespräch überzeugt, „dass keiner zuhause bleiben muss“. In diesem Zusammenhang weist sie auch noch auf die Kartenausgabe am kommenden Samstag von 10 bis 13 Uhr im Rathaus hin. Dort wartet noch ein Kontingent von 230 Karten (170 für den Haupt- und 50 für den Nebensaal). „Das ist allerdings eine Möglichkeit, die wir nur den Berufstätigen anbieten wollen“, erklärt Andrea Gärtner. Sie bittet im Übrigen darum, Karten die nicht gebraucht werden (wegen Krankheit oder weil man doch etwas anderes am Sonntag vorhat), zurückzugeben. „Die Rückgabe hat sich im vergangenen Jahr bewährt“, sagt sie und verweist darauf, dass das Rückgabekontingent an der „Abendkasse“ des Empfangs verteilt wird. Weil die Stadt „mit immens großem Andrang“ gerechnet hat, wird sie neben den insgesamt 1290 Sitzplatzkarten im Hugo-Eckener-Saal noch zusätzlich 130 Stehplatzkarten unterhalb der Empore ausgegeben, meint Andrea Gärtner. Weitere 430 Karten gibt’s für den Ludwig-Dürr-Saal, wohin die Reden von OB Andreas Brand und Finanzminister Wolfgang Schäuble über eine Videowand übertragen werden.

Am Kartenausgabetag des Donnerstags hat die Stadt insgesamt 1620 Karten verteilt. In den Ortschaften und im Bürgeramt Fischbach hieß es schon sehr schnell „keine Karten mehr“, im GZH ging die letzte Karte gegen 11.45 Uhr raus.

„Alles ausgenutzt was machbar“

Für geäußerten Häfler Unmut beim Schlange stehen hat Andrea Gärtner durchaus Verständnis. Allerdings: „Wir haben raummäßig alles ausgenutzt, was wir machen konnten.“. Die Kapazitäten im GZH seien eben letztendlich doch begrenzt. „Mehr Menschen können wir auch aus Sicherheitsgründen nicht unterbringen.“ Auch wenn mit Wolfgang Schäuble ein „Volltreffer und Publikumsmagnet“ kommt.

Am Donnerstag hat die Stadt 1620 (von insgesamt 1850) Karten verteilt. In den Ortschaften und im Bürgeramt Fischbach hieß es schon sehr schnell „keine Karten mehr“, im Graf-Zeppelin-Haus ging die letzte Karte gegen 11.45 Uhr raus.

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