Schäuble fordert mehr Engagement im Ausland

Lesedauer: 5 Min
„Jeder hat ein Stück Verantwortung“: Wolfgang Schäuble während seiner optimistischen Neujahrsrede im Graf-Zeppelin-Haus.
(Foto: Ralf Schaefer)
Regionaler Online-Redakteur

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat als Gastredner auf dem Neujahrsempfang in Friedrichshafen für mehr außen- und sicherheitspolitisches Engagement der Bundesrepublik geworben. Dies sei die einzige Möglichkeit um in einer Welt von „Krisen, Turbulenzen und Unsicherheit“ zu bestehen.

Schäuble war als Stargast des Abends angekündigt worden. Vor rund 2100 Zuhörern sprach er in einer kurzweiligen wie gewitzten Rede im Graf-Zeppelin-Haus über mögliche Lösungen für die europaweite Flüchtlingskrise und über Ansätze, Europa finanz- und sicherheitspolitisch zu festigen.

„Wir haben eine große Zuwanderung aus einer Nachbarschaft, die zunehmend instabil wird“, kreiste der Minister den Kern der Flüchtlingskrise für Deutschland ein. Zwar unterstrich er in seinen Ausführungen auch die Notwendigkeit einer Begrenzung von Zuwanderung, plädierte aber dennoch für eine engagierte und ernst gemeinte Integrationspolitik: „In dieser eng vernetzten Welt werden wir viel mehr tun müssen, um jene Spannungen, die durch die ungleiche Verteilung von Lebenschancen entstehen, zu stabilisieren.“

Solidarität ist eigenes Interesse

Für Deutschland bedeute dies, dass es sich im Jahr 2016 deutlich mehr als in der Vergangenheit in der Außen- und Sicherheitspolitik wie auch in der Entwicklungshilfe engagieren müsse. Anders gesprochen: Sowohl die Flüchtlingskrise als auch die Bedrohung durch Terror oder wirtschaftspolitische Bedrohungen seien im wesentlichen Teil nicht in Deutschland selber zu lösen, sondern müssten direkt an den Krisenherden bekämpft werden – am besten als Teil eines gemeinsamen Europa.

Der geeinte Kontinent war ohnehin ein weiteres Schlüsselthema in der Rede des Ministers. „Unsere Zukunft liegt in einer Zusammenarbeit in Europa“, hieß es da. Zwar seien Deutschland und Europa aktuell noch „zu langsam“ um einen günstigen Weg aus der Krise zu finden. Dennoch war er sich sicher, dass die Europäisches Union „stärker werden“ wird, wenn sie „in der Krise einen Weg findet.“

Deutschland bleibe nichts anderes übrig, als sich auf diese historische Chance zu verlassen: „Deutschland war immer in der Geschichte mittendrin in Europa“, sagte Schäuble. „Wir machen das nicht aus Solidarität mit anderen, sondern auch aus gut überlegtem eigenen Interesse.“ Dem Kontinent verordnete er trotzdem, „Fehlanreize“ in der Finanz- und Geldpolitik zu vermindern. Er verstehe es zwar, wenn er in Griechenland wegen solcher Ideen unpopulär sei. Trotzdem müsse das Land dringend sein überdimensioniertes Rentensystem reformieren. Nicht ohne Humor fügte er dann hinzu: „Wenn Griechenland eines Tages wieder auf einen grünen Zweig kommt, dann erwarte ich also einen hohen Verdienstorden.“

Zum Schluss der Rede, deren Großteil komplexen außenpolitischen Fragen gewidmet war, kam der populäre Redner dann noch einmal auf die Rolle der Bürger zu sprechen. „Was hält die Gesellschaft zusammen“, fragte er – um gleich darauf die Antwort zu geben: Es seien viele kleine Einheiten, vom Verein, über Kommunen und Verbände, in denen „Jeder ein Stück Verantwortung hat“. Das gelte für Deutschland wie auch für Friedrichshafen.

Friedrichshafen (shy) - So viele Krisen und Katastrophen, wie sie gegenwärtig auf der Erde herrschen, gab es doch noch nie. So fühlt sich das jedenfalls an –  und das nicht nur für uns, sondern auch für Bundesminister Wolfgang Schäuble. Warum er uns dennoch dazu rät, optimistisch in die Zukunft zu blicken, das hat Michael Scheyer auf dem Neujahrsempfang in Friedrichshafen erfahren.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen