Ein hinreißendes Konzert mit dem Trompeter Pacho Flores und dem Nationalen Sinfonieorchester Mexiko unter der Leitung von Carlo
Ein hinreißendes Konzert mit dem Trompeter Pacho Flores und dem Nationalen Sinfonieorchester Mexiko unter der Leitung von Carlos Miguel Prieto. (Foto: chv)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Ein mexikanisches Orchester, ein mexikanischer Dirigent und ein venezolanischer Startrompeter haben am Mittwoch im Graf-Zeppelin-Haus ein Feuer der Lebenslust entfacht. Ein besonderes Erlebnis ist es, wenn ausländische Gäste nicht das europäische Konzertrepertoire mitbringen, sondern in vollkommener Authentizität die Musik ihrer Heimat präsentieren.

Selten hat man Astor Piazzollas Tango „Oblivion“ mit solchem Gänsehaut-Feeling und den „Invierno porteño“ aus seinen vier Jahreszeiten so voller Vitalität und Melancholie gehört wie hier, wo der Trompeter Pacho Flores auf seinem Flügelhorn spielte, eingebunden in das Orquesta Sinfónica Nacional de México, das unter seinem künstlerischen Leiter Carlos Miguel Prieto so stimmig mitging. Und doch waren dies nur die Zugaben, die Flores und das Orchester dem jubelnden Publikum nach mitreißenden zwei Trompetenkonzerten schenkten.

Unterschiedlicher hätten diese nicht sein können. Zuerst spielte Pacho Flores das Konzert für Corno da Caccia und Streicher Es-Dur des böhmischen Komponisten Johann Baptist Georg Neruda (1708-1780), ein bezaubernd tänzerisches, galantes Kleinod. Meist wird es der Spitzentöne wegen mit der Trompete gespielt, doch mit virtuoser Leichtigkeit und Anmut spielte Flores mit samtenem Ansatz auf dem kleinen Horn, eingehüllt in sanftes Wogen der Streicher.

Mit der Sinfonie Nr. 2, der „Sinfonia india“ von Carlos Chávez, dem Gründer des Orchesters, hatten die mexikanischen Gäste in ihre Welt geführt, in eine Musik, die auf ursprünglichen Melodien nordmexikanischer Indianerstämme basiert, mit einem ungewöhnlichen Instrumentarium von der großen Trommel bis zu Saiten aus Hirschhufen und Schmetterlingskokons – der Dirigent stellte einige davon vor. Impulse wanderten durch das Orchester, eine zärtliche Melodie wuchs in sinfonische Dimensionen, ekstatische Erregung erfasste das ganze Orchester.

Mitreißende Lebenslust

In diese Atmosphäre führte nun auch das „Concierto mestizo“ von Efraín Oscher. Der in Uruguay geborene und in Venezuela aufgewachsene Flötist hat das Trompetenkonzert für Pacho Flores komponiert, und er saß selbst im Publikum und kam nach dem Konzert strahlend auf die Bühne. Das Trompetenkonzert mischt venezolanische Tradition, Salsa, Rumba, Samba und Cumbia mit Einflüssen aus Rock und Pop und sieht für den Solisten gleich drei Instrumente vor, die B- und C-Trompete und das Flügelhorn. Kontrastierten im ersten Satz Freude und Trauer, strömte im zweiten das Flügelhorn in betörender Schönheit. Mit gedämpfter Trompete wurden Geister beschworen, hypnotischer Tanz mündete in mitreißende Lebenslust.

Gleich 13 Schlagzeuger, mit Kürbisrasseln, Bongos und so exotischen Instrumenten, wie Huehuetl, Sonajas, Tumkul und einem Muschelhorn beschworen zuletzt in der „Nacht der Mayas“ von Silvestre Revueltas die archaische Welt der Mayas und den mexikanischen Urwald. Atemlos lauschte man den schabenden, klirrenden, trommelnden und dröhnenden Rhythmen, der ausgelassenen Fiesta, einer träumerischen Melodie – wie zärtlich so ein großer Orchesterapparat sein kann – und zuletzt einem Urwald-Hexenkessel, bei dem längst der Boden bebte.

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