Russisches Ballett „Dornröschen“ begeistert im GZH

Lesedauer: 5 Min
 Der Hochzeits-Pas de Deux von Anna Ivanova als Prinzessin Aurora und Alexander Alikin als Prinz Désiré begeistert.
Der Hochzeits-Pas de Deux von Anna Ivanova als Prinzessin Aurora und Alexander Alikin als Prinz Désiré begeistert. (Foto: gsb)
gsb

Mit „Dornröschen“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski hat das Kulturbüro die Pforten des Hugo-Eckener-Saals im Graf-Zeppelin-Haus für klassisches russisches Ballett auf höchstem Niveau geöffnet. Die Inszenierung des Ensembles unter der Leitung von Ballerina Anna Ivanova bot die Verschmelzung der Geschmeidigkeit des klassischen mit den Ausdrucksformen des modernen Tanzes.

20 Aufführungen in dreieinhalb Wochen absolvieren die Künstler im Auftrag der P.T.F. Deutsch- Russische Kulturförderungs GmbH in deutschen Städten; nahezu jeden Tag leisten sie präzise Spitzentanzkunst in der Tradition staatlicher russischer Balletttheater, zu deren berühmtesten das Moskauer Bolschoi und das St. Petersburger Mariinski-Theater zählen, wo 1890 Tschaikowskis Komposition nach dem Märchen „La belle au Bois dormant“ von Charles Perrault aus dem Jahr 1697 uraufgeführt wurde. Von ursprünglich drei auf zwei Akte plus Epilog komprimiert, entführten die Tänzer ihr Publikum in die märchenhafte Welt der Prinzessin Aurora, die sich durch einen Fluch der bösen Fee Carabosse an einer Spindel sticht, durch den Zauber der weisen Fliederfee jedoch nicht stirbt, sondern lediglich in hundertjährigen Schlaf fällt, aus dem sie durch den Kuss des Prinzen Désiré geweckt wird, nachdem auch hier die Fliederfee ihren Zauberstab zum Einsatz gebracht hat. Zur Hochzeitsfeier von Aurora und Désiré erscheinen die Gäste als Märchenfiguren verkleidet.

Lediglich etwa zur Hälfte gefüllt waren die Publikumsplätze im größten Saal des GZH, was der Freude an der Aufführung keinen Abbruch tat, da so mancher Sitz gegen einen mit noch besserer Sicht auf die Bühne getauscht werden konnte. Ganz nah am Geschehen ließen sich nicht nur die kleinen Mädchen von Glitzer, Tüll, Glanz, Brokat und Pastell verzaubern. Die Kunst der anmutigen Körperbeherrschung, die Ausdrucks-kraft mühelos wirkender Bewegungen durch jahrzehntelange Übung aller Muskeln im Einklang von Versenkung in die Musik und Selbstkontrolle zogen die Zuschauer in ihren Bann.

Im Spitzentanz schienen die Tänzerinnen zu schweben, Leichtigkeit in Tutus, gehalten von flügelgleichen Bewegungen der Arme, den Blick frei durch das streng nach hinten frisierte Haar. Ebenso klassisch wie kraftvoll die Sprünge und Körperarbeit der männlichen Tänzer, wobei speziell das Crossover durch Anton Maltsev in der Rolle der bösen Fee die Aufmerksamkeit auf sich zog. Weit ließ er den schwarzen Umhang über die Bühne schwingen und in geduckter Haltung die Heimtücke mit Faszination versehen. Höchste Anerkennung fand die Darbietung von Anna Ivanova. Die Primaballerina des Ensembles zeichnet für Bühnenbild, Kostüme, Choreografie und Management verantwortlich und verkörperte die Hauptrolle der Aurora in Grazie und Präzision, wie es die tradierten Attribute der Weiblichkeit vorschreiben, auf denen das klassische Ballett gründet. Komplementär zu den Spitzentänzerinnen erhoben die Tänzer ihre Körper in ausladenden, eleganten Sprüngen und männlichem Habitus. Solist Alexander Alikins Beine schienen einer lebendig gewordenen antiken Skulptur zu gehören, Ivanova und Alikins langer Pas de Deux als Braut und Bräutigam bildete den Höhepunkt der russischen Ballettkunst, getragen von der wunderbaren Musik Tschaikowskis, der „Dornröschen“ selbst als sein bestes Ballettstück bezeichnet haben soll.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen