Rund um Friedrichshafen droht das totale Verkehrschaos

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Verkehrschaos legt Friedrichshafen lahm
Wer aktuell mit dem Auto nach Friedrichshafen fahren möchte, muss ordentlich Zeit einplanen. Bereits seit einer Woche ist die B31 zwischen Friedrichshafen und Eriskirch gesperrt. Ab Dienstag ist in der Häfler Innenstadt dann noch eine weitere wichtige Straße gesperrt.
Schwäbische Zeitung
Die Aero steht vor der Tür – und man muss kein Prophet sein, um sich auszumalen, wie die Messe die zurzeit aufgrund der halbseitigen B-31-Sperrung ohnehin schon schwierige Verkehrssituation auf den Straßen in und um Friedrichshafen verschärfen wird. Zumal pünktlich zum Beginn der Messe aus der halbseitigen Sperrung der Keplerstraße auch noch eine Vollsperrung wird.

Wenn in der Region Hauptverkehrsadern gesperrt werden, ist das Verkehrschaos in der Regel vor allem am ersten Tag extrem und schwächt dann in den Folgetagen etwas ab, weil Einheimische andere Wege wählen und zumindest Teile des Fernverkehrs die kritischen Stellen großräumig umfahren. Das war auch im Fall der aktuellen Sperrung der B31 zwischen Eriskirch und Friedrichshafen-Kitzenwiese so.

Allerdings ist das Verkehrsaufkommen insgesamt so hoch und die Auswahl an Ausweichstrecken so überschaubar, dass die Staus zwischen Tettnang und Sibratshaus oder auch zwischen Mariabrunn und Sibratshaus lediglich etwas kürzer geworden sind. Und von Sibratshaus nach Friedrichshafen hinein ist nach wie vor jede Menge Geduld gefragt – egal ob auf der Flughafenstraße oder durch den Seewald. „Sollten Verbesserungen durch geänderte Ampelschaltungen im Stadtgebiet möglich sein, werden wir dies im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium vornehmen“, teilt dazu die Stadtverwaltung mit.

Wenn am Mittwoch die Aero beginnt, wird sich das Chaos noch verstärken, auch wenn für den Messeverkehr zum Teil gesonderte Ausweichstrecken ausgeschildert werden – aus Richtung Osten über Meckenbeuren, Kehlen und Hirschlatt zur Messezufahrt Nord sowie aus Richtung Norden auf der B33 bis Hefigkofen und über Ailingen bis zur Messezufahrt Süd. Von einer „schwierigen Situation“ spricht Wolfgang Köhle, Pressesprecher der Messe Friedrichshafen. Die Messe habe die Aussteller im Vorfeld informiert – und man hoffe, dass die Ausweichstrecken funktionieren. Am liebsten wäre es den Messemachern natürlich gewesen, wenn die B31 auch für die Aero in beide Richtungen geöffnet worden wäre, so wie es für die Tuning World geplant ist. Laut Auskunft von Dirk Abel, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Tübingen, ist das zum derzeitigen Stand der Bauarbeiten aber nicht beziehungsweise nur mit erheblichem Mehraufwand möglich.

Keplerstraße voll gesperrt

Wie sehr die Autofahrer von der aktuellen Situation genervt sind, zeigt sich in Kommentaren zu Veröffentlichungen auf Facebook (siehe gesonderten Bericht). Dass Sperrungen bisweilen nötig sind und es nicht immer einfach ist, dafür den besten Zeitpunkt zu finden, steht außer Frage. Bei manchen Entscheidungen drängt sich dennoch die Frage auf, warum sie so getroffen worden sind. Warum zum Beispiel muss ausgerechnet jetzt, zum Beginn der Aero, auch noch die bisher noch einseitig befahrbare Keplerstraße komplett gesperrt werden? Grundsätzlich notwendig ist die Vollsperrung laut Stadtverwaltung, um Gas- und Wasseranschlüsse herzustellen beziehungsweise zu erneuern. „Eine Verschiebung dieser Arbeiten würde bedeuten, dass insgesamt an der Keplerstraße nicht weitergearbeitet werden könnte, sich also alle folgenden Arbeiten nach hinten verschieben. Die Baustelle Keplerstraße würde damit noch länger dauern“, heißt es aus dem Rathaus.

Ein anderes Beispiel ist die Sperrung des Riedleparktunnels am vergangenen Samstag für eine Übung von Rettungskräften. Dass solche Übungen wichtig und notwendig sind, wird auch ein staugeplagter Autofahrer kaum bezweifeln. Aber muss diese ausgerechnet dann stattfinden, wenn schon die B 31 halbseitig gesperrt ist? „Wie für Baustellen auch gibt es für solch eine Sperrung eigentlich keinen idealen Zeitpunkt. Wenn man alle Zeitfenster betrachtet, die grundsätzlich in Frage kommen bzw. die nicht in Frage kommen, bleiben meist nur wenig Auswahl“, teilt Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamts, auf Anfrage der SZ mit. Für eine solche Übung sei ein mehrmonatiger Vorlauf nötig, unterm Strich habe es, so Schwarz, „keine besseren Alternativen“ gegeben.

In der Nacht von Freitag auf Samstag, von 19 bis 6 Uhr, wird der Riedleparktunnel erneut gesperrt – diesmal wegen der halbjährlichen Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten. Dass man in Sachen Sperrungen und Umleitungen schon mal den Überblick verlieren kann, zeigt eine Mitteilung auf der Homepage des Landratsamtes, wo am Montag auf diese Sperrung hingewiesen wurde – und auf die Umleitung unter anderem über die Keplerstraße. Im Lauf des Tages wurde das korrigiert – weil die Keplerstraße ja ebenfalls gesperrt ist.

 

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