Rolls-Royce Power Systems: Freie und IGM gewinnen (Betriebsrats-)Wahl

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Schwäbische Zeitung
Regionalleiter

Klare Verhältnisse bei Rolls-Royce Power Systems: Die gemeinsame Liste aus IG Metall und Freier Liste hat die Betriebsratswahl am Freitag gewonnen. Sie erreichte 67,7 Prozent der Stimmen und damit 21 Sitze. Die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) kam auf 32,3 Prozent und zehn Sitze.

Zugelegt und doch verloren: So kann man das Wahlergebnis der CGM zusammenfassen. Denn die Gruppierung hat im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren gut acht Prozentpunkte gewonnen, wird künftig aber nicht mehr in der Führung des Betriebsrats vertreten sein. Denn wenn am 26. April die 31 neugewählten Arbeitnehmervertreter erstmals tagen, darf man davon ausgehen, dass Thomas Bittelmeyer (Freie Liste) in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt wird. Neuer Stellvertreter dürfte Achim Zinser (IG Metall) werden. Bisher stellte die CGM mit Andreas Bemerl den Vize, weil sich noch vor vier Jahren Freie und CGM bei der Besetzung der Posten abgesprochen hatten.

Thomas Bittelmeyer zeigte sich in einer ersten Reaktion im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung zufrieden mit dem Ausgang der Wahl. „Das ist so in Ordnung“, sagte er. Die gemeinsame Liste habe sich bewährt. So kommentierte das auch Achim Zinser von der IG Metall: „Das ist ein deutliches Votum für die Politik der letzten zwei Jahre.“ Andreas Bemerl nannte den Zuwachs von mehr als 8,2 Prozentpunkten für die CGM „ordentlich“. Er selbst habe aber größeren Zuspruch erwartet. Bemerl war mit dem erklärten Ziel in den Wahlkampf gezogen, die Mehrheit im Betriebsrat zu erringen.

Wahlbeteiligung von 61,6 Prozent

6004 Mitarbeiter von RRPS und des Tochterunternehmens MTU waren am Freitag zur Wahl aufgerufen, 61,6 Prozent der Beschäftigten machten von ihrem Recht Gebrauch. Damit lag die Wahlbeteiligung knapp neun Prozent unter dem Wert von 2014. Als mögliche Gründe hierfür nannten Vertreter aller drei Gruppierungen die Grippewelle, den oft früheren Feierabend am Freitag und die zunehmende Zahl von Telearbeitsplätzen. Dass der Wahlkampf in diesem Jahr – anders als 2010 und 2014 - betont sachlich abgelaufen war, dürfte auch nicht zur Mobilisierung beigetragen haben.

Die Freie Liste hatte sich nach internen Streitereien im Betriebsrat vor Jahren von der IG Metall abgespalten und stellt seit acht Jahren den Vorsitzenden des Gremiums. Vor vier Jahren hatten sich Freie Liste und CGM bei der Besetzung der Posten im Betriebsrat abgesprochen. Die IG Metall stellte zwar mit 14 Sitzen und 43,2 Prozent der Stimmen die größte Fraktion, ging aber anders als Freie Liste (elf Sitze/32,6 Prozent) und CGM (acht Sitze/24,2 Prozent) leer aus. Im Vorfeld der jüngsten Wahl hatten sich Freie und IGM, die bei den Verhandlungen zu einer Standort- und Beschäftigungssicherung offenbar gut zusammengearbeitet haben, auf eine gemeinsame Liste geeinigt.

Ob künftig auch eine komplette Rückkehr der Freien Liste zur IG Metall möglich ist, ließen beide Seiten offen. „Wir haben jetzt gesehen, dass wir politisch nicht weit auseinander liegen“, sagte Bittelmeyer. „Wie es weitergeht, kann ich aber noch nicht sagen.“ Zinser ergänzte, dass man sich im Vorfeld der Wahl im Jahr 2022 „tief in die Augen sehen“ werde, um dann zu entscheiden, welche organisatorischen Schlüsse man ziehe.

Zudem seien die jetzt anstehenden Aufgaben des Betriebsrats wichtiger. Bittelmeyer nannte unter anderem eine mögliche Verlängerung der Standortsicherung und die Bewältigung des aktuellen Auslastungshochs. Zinser führte die Schlagworte Digitalisierung und E-Mobilität an, Bemerl sieht Schwerpunkte bei Standortinvestitionen und dem Ausbau der Betriebsrente. Alle drei versicherten, dass man im Gremium über Gruppen- und Fraktionsgrenzen zusammenarbeiten wolle.

RRPS-Personal- und Finanzvorstand Marcus A. Wassenberg gratulierte der gemeinsamen Liste und Bittelmeyer zum Wahlsieg. „Das Wahlergebnis sowie der besonnene, ruhige und sachliche Wahlkampf lassen uns auf eine wertschätzende und konstruktive Zusammenarbeit aller Parteien im Betriebsrat hoffen. Es freut mich, dass Vertreter der extremen Rechten bei unserer Betriebsratswahl keine Rolle gespielt haben.“ Einziger Wermutstropfen: die geringe Wahlbeteiligung.

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