Uwe Ziesche zeigt auf sein T-Shirt, auf das Konterfei von Elvis Presley. „Das ist Heino“, sagt er, „als er jung war und noch nicht erblindet “. Dann legt die Band los und Uwe lässt seine Stimme tänzeln, dass es klingt, als groove sie auf Zehenspitzen. Elvis’ „That’s alright (Mama)“ ist nur einer von zahllosen Songs, mit denen die Rockin’ 60s ihr Publikum im Theater Atrium im Nu zum Tanzen verführen. Vom dritten Song an bis um Mitternacht leert sich das Parkett nicht mehr.

Rau wie ein Bandschleifer

Dass die Zuhörer trotz der City of Music reichlich strömen, ist dem guten Namen der Häfler Band geschuldet. Und einmal mehr wird sie ihm gerecht. Übrigens nicht nur mit Rock’n’Roll-Songs, wie Hubert Ammann zeigt: Der Gitarrist spielt die instrumentale Ballade „Albatros“ von Fleetwood Mac traumhaft entspannt, Schlagzeuger Bruno Knapp klöppelt die Felle sanft mit den Filzstöcken – nur, um dann bei „Suzie Q“. kräftig auf die Becken zu dengeln. Im Ganzen zaubert die Band hier einen Sound, der ein Bad in den schlammigen Sümpfen des Mississippi genommen hat und Uwe Ziesches Stimmbänder nehmen das Mikro so rau ran wie ein Bandschleifer. Nach seinem Herzinfarkt vor zwei Jahren, mitten bei einem Konzert, hat er seine volle Stimme wiedererlangt. Das zeigt sich auch bei diversen Songs von Jerry Lee Lewis, allen voran „Great Balls of fire“, in dem Uwes Gesang gluckst und gellt, dass es eine Freude ist. Zum originalen Jerry Lee fehlt ihm nur noch ein mit den Schuhsohlen gespieltes Klavier.

Dann ist da noch Jandy Guttenberger. 72 Jahre ist er alt, 70 davon spielt er Gitarre – wie er in „Rock around the clock“ von Bill Haley zeigt, mit unverminderter Geschwindigkeit. Seine Finger greifen die markanten Riffs, als sei seit dem Jahr 1954 kein Tag vergangen. Viel Nostalgie ist bei dieser Kombo also nicht im Spiel, denn sie rockt und rollt die Songs von damals, als seien sie gerade erst frisch vom Baum gefallen. Das gilt auch für die Balladen. „Wollt ihr schmusen?“, fragt Uwe Ziesche und singt „One night with you“ von Elvis, ohne zu viel Sentimentalität in die Stimme. Im Tanzbereich findet sich eine Damenriege, die eine Choreographie dazu kreiert: eine Mischung aus Line Dance und Schunkel-Sirtaki.

Aber auch die Pose der Rebellen und Outlaws steht den Rockin’ 60s. Eddie Cochrans „Summertime Blues“ geht deshalb ab wie ein Ami-Schlitten mit durchdrehenden Reifen. Mit „Hunky Tonk Woman“ von den Stones verwandelt sich Uwe Ziesche schließlich zum Cowboy. Wie sonst sollte man ihn bezeichnen, wo er doch im Takt die Kuhglocke dengelt? An entlegenere Songs wagt sich die Band ebenfalls. Darunter ist „The Ballad of John and Yoko“ von John Lennon und Yoko Ono, mit dem markanten Bassmotiv von Uwe Urbarz. Süffisant nimmt John Lennon darin sein Leben als Superstar auf die Schippe und den lieben Gott gleich mit: „Christ you know it ain't easy. You know how hard it can be.“ Zu später Stunde ehrt es die Rockin’ 60s, dass sie Chuck Berrys „Sweet little 16“ spielen und nicht den davon abgeschriebenen Beach Boys-Hit „Surfin’ USA“. Im Grunde vervollständigt das aber nur das Bild, das man von den Ailinger Rockern im Lauf des Abends gewinnt: das sie von jedem Abklatsch weit entfernt sind.

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