Rockergruppe verprügelt auf der Häfler Motorradmesse einen „Verräter“

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Fünf Männer stehen wegen Körperverletzung vor Gericht.
Fünf Männer stehen wegen Körperverletzung vor Gericht. (Foto: Oliver Berg)
Siegfried Großkopf

Wer am Montag auch nur der Toilette im Tettnanger Neuen Schloss einen Besuch abstatten wollte, musste durch die polizeiliche Personenkontrolle. Der Grund: Auf der Anklagebank des Amtsgerichts hatte es Richter Christian Pfuhl mit fünf aktiven oder ehemaligen Mitgliedern der „United Tribuns“ zu tun, einer rockerähnlichen Vereinigung aus Bodybuildern, Kampfsportlern und Türstehern, die sich gerne mit verfeindeten Rockergruppen anlegen. Der Vorwurf: Sie sollen sich zu fünft bei der Häfler Motorradmesse 2017 auf einen Ehemaligen gestürzt haben.

Mit sogenannten „Chaptern“ (Orts- und Landsclubs) sind die Mitglieder weltweit vertreten, seit der Boxer Almir Culum – genannt „Boki“ – den Verein im jahr 2004 in Villingen-Schwenningen gegründet hat. Eines der Versprechen der Gruppierung: Sich von Alkohol und Drogen fern zu halten. Von Gewalt offenbar nicht. Die Angeklagten, die zwischen 30 und 40 jahre alt sind, können teilweise auf zahlreiche Vorstrafen in Sachen Körperverletzungen zurückblicken.

Handgelenk gebrochen

Gefährliche Körperverletzungen und Beihilfe dazu warf der Staatsanwalt den Angeklagten vor, denn sie sollen sich auf der Häfler Motorradmesse vor einem Jahr nicht nur für Motorräder interessiert haben. Einer von ihnen (90 Kilogramm schwer) soll dem ehemaligen Mitglied – das als „Verräter“ und „Ratte“ bezeichnet wurde – in einer Messehalle nach einem Wortgefecht in den Rücken gesprungen sein und ihn trotz dessen 120 Kilogramm zu Boden gebracht haben. Dabei brach sich das Opfer das Handgelenk. Die vier Mitangeklagten haben derweil wie eine Mauer um das Geschehen gestanden und die Übergriffe abgeschirmt, berichtete die Freundin des Opfers im Zeugenstand.

Später haben sich die Fünf und das Opfer erneut und zufällig auf dem Messeparkplatz getroffen. Dabei habe einer aus der Gruppe nach Anfeuerungsrufen anderer dem ohnehin schon an einer Handfraktur leidenden Opfer mit voller Wucht in den Bauch getreten. Ob dieser Tritt für den Bauchnabelriss des Geschädigten verantwortlich ist – der bislang noch nicht operiert wurde – konnte nicht nachgewiesen werden. Vor dem Tettnanger Amtsgericht entschuldigte sich der geständige Täter bei seinem Opfer.

Anlass dafür, dass der Kläger aus der Gruppe herausgeflogen war, soll der sich nicht bestätigte Vorwurf sein, das Opfer habe die Freundin eines anderen Gruppenmitglieds angebaggert. In der Messehalle war der Ehemalige zudem aufgefordert worden, den Anstecker auf seiner Kutte zurückzugeben. Auch um Geld soll es gegangen sein.

Während der Vertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Plädoyer die Vorwürfe im Wesentlichen bestätigt sah, waren die Verteidiger ganz anderer Meinung. Sein Mandant sei nicht auf den Rücken des Opfers gesprungen, nahm Gerd Pokrop seinen Mandanten in Schutz, der sich als ehrlich erwiesen, seine Beteiligung zugegeben und seine Mitangeklagten nicht „in die Pfanne gehauen“ habe, obwohl er den „United Tribuns“ - wie das Opfer –– nicht mehr angehört. Im Übrigen habe er den 120 Kilo-Koloss „verhältnismäßig schonend zu Boden gebracht“.

Vorsitzender Christian Pfuhl verurteilte den Hauptangeklagten dennoch wegen gefährlicher Körperverletzung sowie Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe und einer Geldstrafe von 1000 Euro.

Während er einen weiteren Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu ebenfalls acht Monaten und 1000 Euro Geldstrafe verurteilte und einen dritten wegen dessen „deutlich untergeordneten Tatbeitrag“ zu lediglich einer Geldstrafe, wurde das Verfahren gegen zwei weitere Angeklagte eingestellt.

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