Ilona Obermüller singt auf Messers Schneide. Da klingt „Black night“ von Deep Purple mal völlig anders.
Ilona Obermüller singt auf Messers Schneide. Da klingt „Black night“ von Deep Purple mal völlig anders. (Foto: Harald Ruppert)

„Unser erstes Set ist mehr so Blues, das zweite mehr so Rock“, sagt Ilona Obermüller zum Publikum im vollen Atrium. Die Wendung „mehr so“ ist dabei pures Understatement. Denn was Stormfire machen, das machen sie mit aller Entschiedenheit. Nämlich Blues und Rock, die die Lethargie schneller aus dem Gemüt kicken als ein doppelter Stumpen Schnaps.

Höhepunkte sind dabei ausgerechnet Medleys bekannter Songs – weil die fünfköpfige Combo dabei nicht irgendwelche Songs zusammenbaut, die außer hohem Geilheitsfaktor nichts miteinander zu tun haben. Stormfire ziehen lieber die Quersumme und bauen daraus ein neues Ganzes. Und so wird aus „Love like a man“ von Ten Years After“ und J.J. Cales „Cocaine“ die Nummer „Love like a cocaine man“. Augenzwinkernd trifft in diesem Songtitel Sex auf Drogen, und für den Rock’n’Roll sorgen Stormfire nicht zu knapp – indem sie die beiden Gitarenriff-Monstersongs miteinander verzahnen.

Das gelingt auch bei Stevie Wonders „Superstition“ und „Always on the run“ von Lenny Kravitz, wobei die Band in den Songmix auch noch heftige Riffs der Marke Rage Against The Machine einbringt. Ilona singt durchweg mit dem Biss der frühen Helen Schneider, als die noch als Rock’n’Roll-Luder galt; nur exakt auf den Punkt und ohne Schneiders opernhafte Eskapaden. Auch die übrige Band ist dort zu Hause, wo die Rockmusik noch zischt und brodelt. Mike wischt sich den Schweiß von der Stirn und stürzt sich dann in die böse Orgelei von Deep Purples „Black Night“. Erfrischenderweise liegt Stephans E-Gitarre hier näher bei ZZ Top als beim originalen Richie Blackmore. Ilona singt „I’m no fortunate son“ von CCR, und Schlagzeuger Nick bearbeitet dabei die Felle mit grimmiger Wucht. Das hat das Klassenbewusstsein eines Arbeitstiers, von dem der Song ja auch erzählt. In Hendrik Freischladers „The Blues“ kreuzen sich die Gitarren von Mike und Stephan zu orgiastischen Lärm-Exzessen - und Uwe am Bass lächelt dabei still in sich hinein, während er einen Beat zupft, zu dem wohl ein Indianer auf dem Kriegspfad ums Lagerfeuer tanzt. Hier erzeugt die Band einen durch und durch abgründigen Sound und Ilona röhrt darüber auf Messer Schneide.

Aber Stormfire zündeln nicht nur mit den dunklen Trieben, sie siedeln auch an der Sonnenseite, mit „I want you to want me“ von Cheap Trick; eigentlich eine Clowsnasen-Kombo. Aber Stormfire zundern den fröhlichen Glamrock-Hit mit Punk- und Garagenrock so ungehobelt auf, dass daraus eine der stärksten Nummern des Abends wird.

Und dann ist da noch der sehr, sehr entspannte Blues mit einer leichten Latino-Note, den so im Original eigentlich nur Peter Green hinkriegt. Aber denkste: „So zart können ZZ Top klingen“, sagt Ilona nach dem Song „A fool for your stockings“. Späteres Nachgoogeln zeigt: Im Original ist das Lied nur halb so sanft. Stormfire wissen eben nicht nur, wo man noch eine Schippe drauflegen muss, sondern auch, wo man besser eine runternimmt. Das nächste Stormfire-Konzert im Atrium ist hoffentlich schon gebucht. Ganz sicher ist, dass Stormfire bei Alp Aytacers „FN Kult Mix Special“-Festival mit dabei werden, das am 14. und 15. Dezember im Atrium statt findet.

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