Lothar Riebsamen, Ulrich Müller und Thomas Bareiß (von links) im E-Bus auf der ZF-Teststrecke im Werk 2.
Lothar Riebsamen, Ulrich Müller und Thomas Bareiß (von links) im E-Bus auf der ZF-Teststrecke im Werk 2. (Foto: Harald Ruppert)

Zum Auftakt seiner „Energietour“ durch seinen Wahlkreis informierte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen bei ZF über die Herausforderungen der Mobilität der Zukunft. Auch Thomas Bareiß (CDU), seit März Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, und Ulrich Müller (CDU), ehemals Umwelt- und Verkehrsminister in Baden-Württemberg, nahmen an dieser Station teil.

Probefahren im Werk 2

Im Zentrum standen die Elektrifizierung und das autonomisierte Fahren: Im Werk 2 von ZF machten sich die Besucher ein eigenes Bild von den Fortschritten in diesen Bereichen, begleitet von Fredrik Staedtler, dem Leiter der Division Nutzfahrtechnik. Im Werksverkehr von ZF wird das automatisierte Fahren schon vereinzelt praktiziert: Riebsamen, Bareiß und Müller wurde demonstriert, wie ein elektrisch und autonom fahrender LKW ohne Fahrer seinen Container ablud und einen neuen ankuppelte – mithilfe von GPS-Technik und Kameras millimetergenau und ohne Korrekturversuch. Dieses Manöver ist ein heikles Unterfangen, das bei einem konventionellen Lkw einen guten Fahrer voraussetzt. ZF will mit ihrer Technik schnell auf den Markt kommen, hat dazu aber drei Kriterien zu erfüllen: nicht nur exakt muss sie sein, auch sicher und kostengünstig.

Bis zu vier Container auf einmal – das sind rund 200 Tonnen – schleppt der Yard-Traktor. Das Fahrzeug ist mit Radar ausgestattet, um zu verhindern, dass im Verkehr Personen in den Gefahrenbereich des Fahrzeugs geraten. Hierzu ist der Radar mit dem Bremsassistenten gekoppelt. Diese Sicherheitssysteme sind doppelt vorhanden, damit die Sicherheit auch dann garantiert werden kann, wenn eines ausfallen sollte.

Probleme machte die Demonstration des automatisierten Fahrens mit Passagieren: Riebsamen und Bareiß saßen mit einem zur Sicherheit anwesenden Fahrer im Cockpit eines Vans, der erst nicht anfahren wollte, dann einige Meter fuhr und schließlich auf der Teststrecke an einer grünen Ampel ganz stehen blieb. „Die Steuerung ist ausgefallen“, bedauerte Fredrik Staedtler in einer Schnelldiagnose. „Den können wir in die Werkstatt bringen.“ Der technische Aufwand konnte dennoch demonstriert werden: An den Rückspiegeln ist der Van mit jeweils drei Kameras ausgerüstet, hinter der Frontscheibe mit zwei weiteren. Seitlich, vorn und hinten befinden sich Laserscanner zur Abtastung der Umgebung. Noch handelt es sich bei den Sensoren um teure und leicht verletzliche Prototypen. Aber wenn die Produktion in Serie geht, soll der Preis eines Sensors bei unter 100 Euro liegen. Kameras und Sensoren liefern enorme Datenmengen, die von einem Rechner noch recht raumfüllend im Ladebereich des Vans verarbeitet werden.

Schließlich wurde bei einer Lastwagenfahrt ein Zwölf-Gang-Hybridgetriebe mit E-Motor demonstriert. Bei voller Beladung fährt der Lkw mit seiner 30-Kilowattstunden-Batterie maximal zehn bis 15 Minuten lang nur mit Strom. Der Strom-Modus ist insbesondere für die emmisionsfreie Fahrt in Innenstädten gedacht. Während der Fahrt kann die Batterie mit dem Verbrennungsmotor geladen werden. Der Verbrennungsmotor schaltet sich auch ein, wenn der Lkw im Strommodus hochtourig gefahren wird.

Elektrobus bietet Vorteile

Und schließlich wurde ein Elektrobus vorgestellt, von dem sich ZF insbesondere für den öffentlichen Personennahverkehr in den Städten eine gute Nachfrage erhofft. Der Bus bietet neben abgasfreiem Fahren einen weiteren Pluspunkt: Beim Anfahren am Berg entsteht nicht das kleinste Ruckeln. So besteht für Fahrgäste auch keine Sturzgefahr. „Wir werden in den nächsten Monaten mit diesem Motor als komplettes Antriebssystem in Serie gehen“, sagte Fredrik Staedtler. Der Antrieb wird nicht nur in neuen Busse verbaut werden. Auch die Umrüstung von konventionellen Bussen wird möglich sein – für 250 000 bis 300 000 Euro pro Bus, so Staedtler.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen