Restaurierung der „MS Oesterreich“ doppelt so teuer wie geplant

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Sobald die Restaurierung abgeschlossen ist, bietet die MS Oesterreich 140 Innen-Speiseplätze – aufgeteilt in Captains Dinnersalo
Sobald die Restaurierung abgeschlossen ist, bietet die MS Oesterreich 140 Innen-Speiseplätze – aufgeteilt in Captains Dinnersalon, Tanzsalon und Damensalon sowie 140 Freideck-Speiseplätze. (Foto: pr)
Hildegard Nagler

Die Restaurierung der MS Oesterreich soll Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Das teilt Jürgen Zimmermann, Co-Obmann Verein Museumsschiff Oesterreich und Geschäftsfsührer der Museumsschiff GmbH mit. Gleichzeitig korrigiert er die Kosten nach oben: „Der 1. Projektplan war mit 4 Millionen Euro kalkuliert. Das neue Projekt als historische Originalrestaurierung beläuft sich nun auf 7,9 Millionen Euro“, so Zimmermann.

Derzeit liegt das Schiff zur Restaurierung in Fußach (Österreich). Ursprünglich sei vorgesehen gewesen, das Schiff gemäß dem Bauzustand von 1952 zu restaurieren. „Beim Ausräumen des Schiffes mussten wir feststellen, dass die Deckaufbauten und weite Teile der Einrichtung so desolat waren, dass sie nicht mehr verwendet werden konnten. Demgemäß haben wir Stück für Stück alle irreparablen Bauteile ausgebaut. Aufgrund dieser Gegebenheiten haben wir uns entschlossen, das Schiff gemäß dem Originalzustand von 1928 zu restaurieren, das heißt den Urzustand im Stil des Art déco wieder herzustellen“, fasst Zimmermann zusammen. Das bedeute, dass sich das Projekt dahingehend verändert habe, „dass wir nun ein Museumsschiff – das erste moderne Motorschiff am See – restaurieren beziehungsweise bauen“.

Zwei „Giga“-Mobilkrane setzen das Schiff um

Im Frühling 2017 hätten die damals zehn Gesellschafter ihren Gesellschafter-Anteil verdoppelt, mittlerweile tragen laut Zimmermann zwölf Gesellschafter das Projekt. Im März 2017 sei die Förderung der Vorarlberger Landesregierung über 375 000 Euro – auf fünf Jahre aufgeteilt – genehmigt worden. Zudem sei ein Vorausprüfungs-Antrag für eine EU-Interreg-Förderung positiv beschieden worden. „Diese EU Förderung stellt einen Beitrag von über einer Million Euro dar, wenn sie genehmigt wird“, sagt Zimmermann. Als Beitrag des Fördervereins fehlen seinen Angaben zufolge noch rund 250.000 Euro, die durch Patenschaftswerbung und Verkauf der Schiffs-Skulpturen von Künstler Gottfried Bechtold aufgebracht werden sollen. „Wenn uns dies noch gemeinsam gelingt, ist das Projekt solide finanziert“, meint Zimmermann.

Der weitere Ausbau für 2018 bis zur Fertigstellung bestehe aus über mehr als Positionen. So soll im März der Decksbelag in Oregon Pine auf das Oberdeck und das Hauptdeck der MS Oesterreich aufgebracht werden. „Zwei Teams brauchen allein für diese aufwändige Arbeit fünf Wochen“, kündigt Zimmermann an. Anschließend soll das Schiff auf die Slipanlage umgesetzt werden – laut Zimmermann eine Herausforderung selbst für die zwei „Giga“-Mobilkrane mit jeweils 500 und 750 Tonnen Hubkraft. Sobald das Schiff auf der Slipanlage liegt, sollen alle schweren Bauteile wie Motoren, Generatoren und beispielsweise das Steuerhaus eingebaut werden. Dem soll der Einbau der Fenster folgen. Für Ende April ist geplant, das Schiff nach Hard auf den Liegeplatz neben der Hohentwiel zu überführen. „Dort ist der Innenausbau mit allen Installationen vorgesehen“, kündigt Zimmermann an.

140 Innen-Speiseplätze – aufgeteilt in Captains Dinnersalon, Tanzsalon und Damensalon sowie 140 Freideck-Speiseplätze – soll die MS Oesterreich bieten. Dazu Barrierefreiheit auf dem Hauptdeck, Be- und Entlüftung, Heizung für den ganzjährigen Schiffsbetrieb, zudem zwei Bars auf dem Hauptdeck und dem Oberdeck mit Beschattung.

Betrieben werden soll das Motorschiff gemeinsam mit der Hohentwiel, dem letzten Schaufelraddampfer auf dem Bodensee. Jürgen Zimmermann spricht von einer „Winwin-Situation für beide Partnerschiffe. Im Rahmen des EU-Interreg-Förderprojektes haben die beiden Eigentümer der historischen Schiffe auch ein gemeinsames Marketing und einen gemeinsamen Vertrieb beschlossen. Hier Energien zu bündeln und Synergien zu fördern, bringt Vorteile für die beiden Beteiligten“, sagt Zimmermann. Dennoch würden die beiden Partnerschiffe rechtlich und wirtschaftlich eigenständig geführt. Josef Büchelmeier, Vorsitzender des Vereins Internationales Bodensee-Schifffahrtsmuseum (IBSM), Eigentümer des Dampfschiffs Hohentwiel, sagt: „Der Verein IBSM begrüßt die geplante Restaurierung der MS Oesterreich.

Der künftige Betrieb des schwimmenden Museums aus den zwanziger Jahren Vorarlbergs wird die Erinnerungen an die uralte Geschichte der Schifffahrt auf dem Bodensee bereichern. Wir wollen als Verein im Rahmen eines Interreg-Projektes das Konzept für einen gemeinsamen Betrieb beider Schiffe erarbeiten lassen. Außerdem suchen wir wegen der kulturellen Bedeutung der Schifffahrt am See die grenzübergreifende Kooperation mit anderen Museen und Schiffen vom Bodensee. Der Bodensee und seine Geschichte sind ohne die Schiffe nicht begreifbar.“

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