Vom Flughafen in Friedrichshafen heben wieder regelmäßig Flugzeuge nach Hamburg, Düsseldorf und Berlin ab.
Vom Flughafen in Friedrichshafen heben wieder regelmäßig Flugzeuge nach Hamburg, Düsseldorf und Berlin ab. (Foto: oh)
Regionaler Online-Redakteur

Am Montag startet die belgische Airline VLM als Nachfolger von Intersky am Bodensee-Airport in Friedrichshafen.

Seit 6.10 Uhr am Montagmorgen hat der Flughafen Friedrichshafen wieder eine richtige Regional-Airline am Platz. Als Nachfolger der insolventen Intersky fliegt VLM ab sofort nach Hamburg, Düsseldorf und Berlin. Schon vor dem ersten Start lief der Ticketverkauf gut. Ob die Linie überlebt, hängt jetzt aber auch von der regionalen Wirtschaft ab.

„Es kann immer mehr sein. Aber ich muss sagen: Ich bin wirklich zufrieden“, sagte VLM-Unternehmensstratege Claus Fischer kurz vor dem VLM-Erstflug zur „Schwäbischen Zeitung“. Gut 10000 Flüge hat die belgische Airline seit dem Ticket-Verkaufsstart im Januar bereits an den Mann gebracht. Es sind gute Startbedingungen für das Unternehmen, das in Friedrichshafen nach Monaten ohne Regio-Airline auf einen Schlag drei Viertel der innerdeutschen Verbindungen stellt.

„Wirtschaftliche Chancen sehr gut“

Auch Friedrichshafens Airport-Chef Claus-Dieter Wehr ist zuversichtlich: „Die wirtschaftlichen Chancen für die Verbindungen der VLM sind aus der Sicht des Bodensee-Airport sehr gut“, teilt er auf Anfrage mit. Es habe schon im Januar intensive Gespräche und Verhandlungen zwischen VLM und den größten Unternehmen in der Bodenseeregion gegeben, die sehr vielversprechend verlaufen seien. Ob die neue Airline allerdings auf lange Sicht wirtschaftlich stabil bleibt oder ob ihr dasselbe Schicksal wie dem in Konkurs gegangenen Vorgänger Intersky droht, wird sich anhand der ersten guten Nachrichten kaum beantworten lassen.

Neben dem klassischen Geschäft mit privaten Reise- oder Zubringerflügen gilt die regionale Wirtschaft nämlich nicht nur als ein, sondern als wesentlicher Faktor für das Schicksal von VLM. Buchen viele Geschäftskunden die täglichen Hin- und Rückflüge in deutsche Metropolen könnte das Experiment gelingen. Rümpfen ZF, Rolls Royce, Airbus und Co. aber die Nase beim Angebot der Airline, dürfte es wirtschaftlich sehr schwierig werden.

Kein Fliegen zum Nulltarif

Weil das der Airline bewusst zu sein scheint, hat VLM jüngst eine eigene Verkaufsmanagerin allein für Firmenkunden angestellt. Ob die Nachfrage reicht? „Man merkt, dass die Wirtschaft froh ist, dass wieder geflogen wird“, sagt Fischer. Jedoch müsse der Region dabei klar werden, dass es eine regionale Fluggesellschaft nicht zum Nulltarif gebe. Kurz gesagt: Mit den Preisen von Billig-Airlines wie Easyjet und Ryanair, die in Friedrichshafen zum Glück keine Vor-Ort-Konkurrenz sind, wird VLM nicht mithalten können.

„Der Flughafen Friedrichshafen ist ein herausragender Bestandteil in der regionalen Infrastruktur und gerade für den starken Wirtschaftsstandort Bodensee-Oberschwaben unerlässlich“, sagt Heinrich Grieshaber, Präsident der Industrie und Handelskammer in der Region, zum Wert von Flughafen und neuer Airline. Nicht zuletzt wegen der schlechten Straßenanbindung seien Betriebe vom Flughafen und damit von guten innerdeutschen Verbindungen abhängig. Als besonders wichtiger Kunde von VLM wird dabei der Autozulieferer ZF-Friedrichshafen gehandelt. „ZF wird das Angebot der VLM nutzen, die ersten Dienstreisen mit VLM sind bereits gebucht“, sagt dort Ralph Rettig, der Leiter Reisemanagement. Man strebe eine Kooperation mit der neuen Airline an, wolle aber auch über neue Ziele sprechen. Rettig: „Idealerweise gelingt eine Anbindung an europäische Großflughäfen beziehungsweise Verkehrsknotenpunkte.“

Wirtschaft unterstützt

Ähnlich äußert sich Mathias Pikelj, Airbus-Sprecher in Immenstaad: „Airbus Defence and Space ist generell an guten Verkehrsverbindungen von und nach Friedrichshafen gelegen, das gilt natürlich auch für innerdeutsche Direktflüge und Tagesrandverbindungen.“ Für Aussagen über die künftige Nutzung des VLM-Angebots durch Airbus sei es noch etwas zu früh. Laut Pikelj vermisst Airbus allerdings noch eine Verbindung nach Köln/Bonn.

Am 18. Februar veranstaltet der Flughafen Friedrichshafen eine Konferenz, bei der auch ein Bekenntnis der regionalen Wirtschaft zum Flughafen und zur neuen Airline abgegeben werden soll. Gastredner sind unter anderem Ralph Beisel, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen, Konstantin Sauer, ZF-Finanzvorstand, Klaus Wellmann, Geschäftsführer Messe Friedrichshafen und weitere Vertreter aus Politik und Wirtschaft.

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