Prof. Heinrich Wilms verstarb in der vergangenen Woche im Alter von nur 51 Jahren.
Prof. Heinrich Wilms verstarb in der vergangenen Woche im Alter von nur 51 Jahren. (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung

In der vergangenen Woche ist Professor Heinrich Wilms, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Medienrecht an der Zeppelin Universität (ZU), im Alter von 51 Jahren gestorben. Heinrich Wilms war ein international anerkannter und herausragender Wissenschaftler. Sein Tod stellt einen großen Verlust für die Universität und die Menschen dar, die ihn kannten.

Von unserem Redakteur Ralf Schäfer 

Heinrich Wilms ist ein Mensch gewesen, der geachtet und ins Vertrauen gezogen wurde. Er war ein Jurist, der den Blick über den Tellerrand nie gescheut, die interdisziplinäre Arbeit stets gesucht hat.

1959 geboren, studierte er von 1979 bis 1984 Rechtswissenschaften, Philosophie und Religionsgeschichte des Alten Orients in Saarbrücken und Köln, die beiden letztgenannten Disziplinen mit Doktorreife. Die Rechtswissenschaften absolvierte er als Dr. iuris utriusque, das heißt, mit Promotion in weltlichem wie auch kirchlichem Recht. Seine Stationen wissenschaftlicher Mitarbeit führten ihn vom Lehrstuhl für Religionsgeschichte des Alten Orients der Universität des Saarlandes zum Institut für Völkerrecht und Ausländisches Öffentliches Recht der Universität Köln und zum Seminar für Staatsphilosophie und Rechtspolitik der Universität Köln bei Professor Martin Kriele. 1995 habilitierte er in Köln und wurde ein Jahr später auf die Professur für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie, Völker und Europarecht der Universität Konstanz berufen, wo der Lehrstuhl im Jahr 1999 um die Fächer Medien- und Telekommunikationsrecht erweitert wurde.

2004 nahm er den Ruf an die Zeppelin Universität (ZU) an. Dort gründete und leitete er ab 2007 das Zeppelin University Zentrum für Wirtschaft, Recht und Steuern GmbH. Die Liste seiner Publikationen und Herausgeberschaften ist lang. Viele Stellen sind als maßgeblich in den juristischen Literaturverzeichnissen vermerkt.

Vertrauensperson und Ratgeber

Er war weit mehr als der Rechtswissenschaftler an der ZU, er war Vertrauensperson der Studenten, Ansprechpartner und Ratgeber zugleich. Viele Unternehmensgründungen aus der Universität heraus hat er beratend und inhaltlich unterstützt, der Radiosender Welle 20 wäre ohne seine Mithilfe heute nicht das, was daraus geworden ist. Bei ihm stand die Tür offen für alle Probleme der Studenten bis hin zu privaten und höchst persönlichen Gesprächen, die ihn zu einer absoluten Vertrauensperson auf dem Campus machten. Er war maßgeblich am geplanten Aufbau einer juristischen Fakultät an der Zeppelin Universität beteiligt. Seine Gutachten, wie beispielsweise zu ELENA, der Arbeitnehmer-Datenbank, oder zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, fanden und finden große Beachtung.

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit baute Heinrich Wilms zusammen mit seiner Ehefrau Dr. Nuria Schaub eine Rechtsanwaltskanzlei auf, die sich insbesondere mit dem Wirtschafts-, Telekommunikations- und Medienrecht beschäftigt.

Höchst komplexe Sachverhalte verstand Heinrich Wilms ohne Zuhilfenahme von Worthülsen oder Fremdworten verständlich darzustellen, seine Arbeit war rational und strategisch geprägt, schon vor elf Jahren hat Professor Wilms die Europarechtswidrigkeit des Lotteriegesetzes aufgearbeitet. Ob als Vorsitzender der wissenschaftlichen Kommission der Antidiskriminierungsstelle des Bundes oder als Kommentator von Grundgesetz, Telekommunikationsgesetz oder des Vertrags über die Europäische Union – Heinrich Wilms hat juristisches, volkswirtschaftliches und ethisches Handeln in einem ganzheitlichen Ansatz in den Fokus seiner Arbeit gestellt.

Gleichzeitig hat er seinen Mitarbeitern weitestgehend Freiheit in der Ausgestaltung ihrer Arbeit gelassen, hat sich nie mit den Lorbeeren seiner Mitarbeiter geschmückt oder diese für sich beansprucht, sondern ihr Wirken stets gewürdigt und sein Netzwerk Mitarbeitern und Studenten zur Verfügung gestellt.

Er lebte und arbeitete nach Kantschen Grundsätzen und sah demgemäß die höchste Aufgabe des Menschen darin, „zu wissen, was einer sein muss, um ein Mensch zu sein“ – Professor Heinrich Wilms wusste, was er sein musste, und er war es. Er hat, wie einer seiner Mitarbeiter es ausdrückt, „so große Fußstapfen gesetzt – in die kann niemand hineinpassen“.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen