Animationsfilmer Frederic Siegel plaudert über Farben und Zwangsneurosen.
Animationsfilmer Frederic Siegel plaudert über Farben und Zwangsneurosen. (Foto: Lena Reiner)

Bei den Filmtagen im Kiesel gab es eine ganz unfilmerische Premiere: Erstmalig wurde zusätzlich zum bewährten mit 500 Euro von der ZF Kunststiftung dotierten Publikumspreis ein mit 1500 Euro dotierter Preis von der Stadt Friedrichshafen verliehen.

Die Auswahl durfte eine Fachjury, bestehend aus Senta van de Weetering, Journalistin und Kuratorin der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur, Lukas Baier, junger Filmemacher aus München, Bernhard Hentschel, Journalist beim SWR, und Sebastian B. Voss, Co-Geschäftsführer der Summerset GmbH, treffen. „Wir möchten uns zunächst bedanken, denn wir hatten eine Auswahl auf einem sehr hohen Niveau zu treffen“, begann van de Weetering mit einem Lob an die Organisatorinnen der Filmtage, die nach Sichten von 225 Kurzfilmen das Programm zusammengestellt hatten. Den Gewinner aus den 15 Kurzfilmen auszuwählen, sei ihnen so schwer gefallen, dass sie sich spontan entschieden hätten, zusätzlich zwei Filme lobenswert zu erwähnen. Dabei fiel ihre Wahl auf „Gleichgewicht“ von Bernhard Wenger, der in rund fünf Minuten dokumentarisch das Porträt einer jungen Frau zeichnet, die er auf dem Wiener Prater kennengelernt hat. In bunte Bilder verpackt er ihr eigentlich tragisches Schicksal. Das zweite öffentliche Lob erhielt der Film „Sadakat“ von Ilker Cakat. Sadakat (türkisch für „Treue“) war wohl der Beitrag, dessen Umsetzung die größte Herausforderung hinsichtlich des Drehorts darstellte. Um eine Drehgenehmigung für die Türkei zu erhalten, hätte Produzentin Alexandra Staib – wie sie verrät - natürlich nicht das gesamte Drehbuch eingereicht, sondern es vielmehr nach einer Familiengeschichte aussehen lassen. Eigentlich handelt der Film von Loyalität, von (notwendigem) Widerstand gegen den Staat und einer Paarbeziehung, die sich eben daran entzweit.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Der Gewinnertitel klingt mit „Die Jacke“ zwar unscheinbar. Der filmische Beitrag von Patrick Vollrath, der laut der Jury keine Minute zu lang, aber auch keine Sekunde zu kurz sei, birgt aber deutlich mehr. Er verarbeitet in einer kurzen Kneipenszene auf authentische Weise und ohne lange Dialoge eine große Debatte unserer Zeit: Wann ist ein Mann ein Mann? Und darf eine Frau ihren Mann stehen oder nimmt sie dem Mann damit seine Männlichkeit? Darf ein Mann, der nicht typisch männlich ist, einer Frau gegenüber selbstbewusst auftreten? „Vielschichtig, präzise und gleichzeitig kompakt“ stelle das Werk Demütigung und Geschlechterbilder dar.

Der Publikumspreis ging an „Der Fährmann und seine Frau“, eine liebevolle Kurzdokumentation über mehrere Jahreszeiten hinweg.

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