Außenansicht der um 1885 in den Uferanlagen erbauten Villa Bühler-Scupin in den Uferanlagen, um 1920. Links der große Tanzsaal.
Außenansicht der um 1885 in den Uferanlagen erbauten Villa Bühler-Scupin in den Uferanlagen, um 1920. Links der große Tanzsaal. (Foto: Stadtarchiv)
Schwäbische Zeitung
Hartmut Semmler

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts war das nördliche Bodenseeufer ein dankbares Ambiente für den Villenbau von Unternehmern, Hofbeamten und wohlhabenden Rentnern. Friedrichshafen als Sommersitz des württembergischen Königs mit hochrangigen Bediensteten im Gefolge war in diese Entwicklung miteingebunden.

So wurden vom Gemeinderat in den 1870er-Jahren bevorzugte Wohnlagen in Schlossnähe für den Villenbau reserviert. Nach der Gründung des Zeppelin-Konzerns 1908 erlebte die Stadt bis zum Ersten Weltkrieg einen Bauboom an Villen und Landhäusern.

Wenn auch im Zweiten Weltkrieg viele derartige Prachtgebäude den Bomben des Luftkriegs zum Opfer fielen, so lassen sich doch auch heute noch einige bauliche Zeugen dieser mondän anmutenden Epoche im Friedrichshafener Stadtbild finden. Bemerkenswert ist das Villen-Ensemble Niederberger, Birkenmayer und Winz in der Schmidstraße. Die Villa Niederberger in der Schmidstraße 3 wurde 1927 als Wohnhaus mit Atelier des auf den Gebieten Innenraumkunst und Hotel- und Fabrikbau renommierten Architekten Ernst Niederberger erbaut.

Die benachbarte Villa Winz in der Schmidstraße 7, 1915 nach Plänen der Stuttgarter Architekten Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer errichtet, gehörte Theodor Winz, einem frühen Prokuristen der Luftschiffbau Zeppelin GmbH. Die Villa Miller in der Zeppelinstraße 9 wurde in den Jahren 1907 und 1908 von Josef Miller entworfen und bewohnt. Erhalten sind auch noch die 1867 entstandene spätklassizistische Villa Hüni, die Villa Soden in der Zeppelinstraße 32 und die Villa Colsman am Maybachplatz. Letztere wurde bald nach der Gründung der Luftschiffbau Zeppelin GmbH am Haupteingang zum neuen Werftgelände als firmeneigenes Direktorenwohnhaus in den Jahren 1909/1910 erbaut.

Den Bomben zum Opfer gefallen

Nicht mehr vorhanden ist die Villa Bühler-Scupin in den Parkanlagen am Seeufer. Gustav von Bühler, Königlich Württembergischer Geheimer Hofrat und Abgeordneter im Reichstag, erhielt 1885 die Genehmigung zum Bau einer Villa an exponierter Stelle. Später wohnte hier seine Enkelin Dora Bühler-Scupin, als „Majorin“ bekannt. Ihr Haus entwickelte sich zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt. Beim Luftangriff vom 27./28. April 1944 wurde die Villa zerstört.

Von Luftangriffen beschädigt beziehungsweise zerstört wurden auch die Villa Riß in der Friedrichsstraße 14, in der seit 1989 das Schulmuseum untergebracht ist, und die Villa Mittnacht in der Schmidstraße 1. Um 1865 für den auch auf Reichsebene einflussreichen württembergischen Ministerpräsidenten Hermann Freiherr von Mittnacht erbaut, wurde das Gebäude im Jahr 1911 von dem Flugzeugkonstrukteur und Industriellen Theodor Kober übernommen.

Den Bomben im Zweiten Weltkrieg zum Opfer fielen außerdem die Villa Taubenheim und das Hallbergerhaus in der Werastraße 23 sowie die 1851 an der Stelle der ehemaligen Schlossmühle Hofen erbaute Villa Rom, so benannt nach einem württembergischen Kammerherrn im 19. Jahrhundert. Aber auch noch in den 1970er-Jahren fielen exponierte Beispiele der früheren Villenkultur Friedrichshafens der Abrissbirne zum Opfer, so etwa die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaute Villa Jehle in der Friedrichstraße, wie die Villa Riß früher ein Ärztehaus, oder die Villa Sachs in der Zeppelinstraße 34, benannt nach dem Erfinder einer Freilaufnabe für Fahrräder, Ernst Sachs.

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