Die Grundförderung der Zeppelin-Universität – hier der Campus Seemooser Horn – soll verändert werden. Der Gemeinderat entscheide
Die Grundförderung der Zeppelin-Universität – hier der Campus Seemooser Horn – soll verändert werden. Der Gemeinderat entscheidet das am Montag, 10. Dezember. (Foto: Marcus Fey)

Die Signale stehen auf Zustimmung. Der Finanz- und Verwaltungsausschuss des Gemeinderates hat zwar am Montag keine Empfehlung an den Gemeinderat ausgesprochen, weil das Thema „Änderung der Grundfinanzierung der Zeppelin-Universität“ noch ausführlich in den Fraktionen diskutiert werden soll, aus den Aussagen der Fraktionsvorsitzenden ist aber eine Zustimmung des Verwaltungsvorschlags abzulesen.

Ausgangspunkt der Beratung war die gemeinsame Position von Stadtverwaltung und ZU-Präsidium. Die Stadt schlägt vor, die Grundförderung der Zeppelin-Universität, die aus der Förderung durch die Zeppelin-Stiftung, die Zeppelin GmbH und die ZF Friedrichshafen AG (die drei Z) besteht, zu verändern. Künftig sollen ZF Friedrichshafen AG und Zeppelin GmbH nur noch Lehrstuhlförderung übernehmen, die sie ohnehin leisten.

Das neue Modell

Stattdessen soll die Zeppelin-Stiftung die dritte Säule der Finanzierung der Uni komplett übernehmen und diese auf bis zu insgesamt acht Millionen Euro aufstocken. Die beiden anderen Säulen sind die Studiengebühren und die Drittmittel, die die Uni einwirbt. Die höhere Fördersumme soll 2021 fällig werden, davor kann die ZU das erforderliche Geld aus den Rücklagen liefern, die in Höhe von 4,27 Millionen Euro bis 2017 angespart wurden.

In Gegenleistung will sich die ZU neu aufstellen. Soll heißen, die Masterstudiengänge werden überarbeitet und attraktiver ausgeschrieben, da die Nachfrage zur Zeit nicht gut ist. Ferner sind die Auflagen zu erfüllen, die das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) der Uni auferlegt hat, als sie im April die Reakkreditierung ausgesprochen hat und damit die staatliche Anerkennung der Uni erneuert hat. Damit verbunden ist auch das Recht auf Promotionsvergabe. 2023 wird es erneut zu einer Reakkreditierung kommen.

Die ZU will ferner weitere Mittel für die Grundförderung einwerben und diese damit auf breitere Füße stellen. „Ein ,weiter so’ ist da nicht drin“, sagt die Präsidentin der Uni, Insa Sjurts. Und das hat sie auch im Ausschuss zu verstehen gegeben.

Mehr noch: Oberbürgermeister Andreas Brand hat die Entwicklung der Uni dargestellt, hat mit Blick auf Gegenwart und Zukunft von einer hohen Zuverlässigkeit gesprochen und macht keinen Hehl daraus, Vertrauen in die ZU zu stecken. Das war in den Jahren vor der Präsidentschaft von Insa Sjurts deutlich anders. Auch Peter Gerstmann, Chef des Zeppelin Konzerns und Vorsitzender des Stiftungsrates der Zeppelin-Universitätsstiftung, der Trägerin der Uni, spricht davon, dass sich das Denken an der ZU zur Realität hingewendet habe.

Er antwortete vor allem auf die Fragen der Ausschussmitglieder nach dem Nutzen der ZU für Stadt und Region. Das seien, so die Vertreter der Ratsfraktionen, genau die Fragen, die ihnen von den Bürgern gestellt würden.

Gerstmann sieht das neue Finanzierungsmodell als Grundvoraussetzung für das Fortbestehen der Uni. Und hier dürfe man nicht spekulieren, dass die ZF Friedrichshafen AG oder die Zeppelin GmbH Arbeitsplätze aus der Uni generieren könnten, sondern müsse die Uni als Mehrwert sehen. „Ich bin stolz, dass die Studenten der besten Privatuniversität Deutschlands aus Friedrichshafen kommen.“ Das sei gut für die Region. Die Umstellung der Förderung müsse jedoch zwingend an die Umsetzung der Strategie ZU 2030 zur Erreichung der Auflagen des Ministeriums gebunden werden. „Und an die handelnden Personen“, meinte Gerstmann. Es gebe „Revisionäre“, die an der ZU die Stellschrauben wieder in die Zeit vor Insa Sjurts zurückdrehen wollten. Das dürfe auf keinen Fall passieren.

Kurz zuvor hatten Professor Helmut Schulte und Dr. Hanni Koch als wissenschaftliche Gutachter, die die Stadt beauftragt hatte, eine Zweitmeinung zur Strategie und der Finanzierung zu liefern, genau das getan. Sie attestierten der Uni mit dem bestehenden Zahlenwerk und der Strategie sehr gute Aussichten, die Ziele auch zu erreichen. Die Gutachter beleuchteten auch die Risiken und Chancen dieser Vorgehensweise, die teils auch auf steigende Studierendenzahlen in den Masterstudiengängen setzt.

Das Risiko liege darin, dass demografisch bedingt die Zahl der Studenten nicht sonderlich steige. Die Mittel, die die ZU aber anwenden wolle, seien für ihre Zielvorstellungen angemessen. Die Gutachter empfahlen die Umstellung der Finanzierung und damit die Sicherung der ZU in Friedrichshafen. Deren Bedeutung für Stadt und Region hoben sie hervor. „Ich habe noch nie eine Uni gesehen, an der die Studenten so sehr in der Region engagiert sind, wie an der ZU“, sagte Helmut Schulte. Andreas Brand meinte, dass es wohl nichts gebe, auf das die Stadt wegen der Finanzierung der ZU habe verzichten müssen.

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