Podcast „Sag's Pauly“: So hat ein Zeitzeuge den Zweiten Weltkrieg in Friedrichshafen erlebt

Lesedauer: 6 Min
Digitalredakteurin

Der 1. September 1939 veränderte die Welt: An diesem Tag vor 80 Jahren überfielen deutsche Soldaten Polen. Einen angeblichen Überfall auf den Rundfunksender Gleiwitz als Rechtfertigung dafür hatte die deutsche Schutzstaffel (SS) vorgetäuscht.

Es war der Beginn des Zweiten Weltkriegs, der Leid und Tod brachte, der im Holocaust einen Höhepunkt menschlicher Barbarei erreichte - und der auch in der Region tobte.

Heinz Zimmermann aus Friedrichshafen wurde im September 1939, wenige Tage nachdem der Krieg begonnen hatte, elf Jahre alt.  Die längste Zeit des Krieges erlebte er, ohne allzu viel davon mitzubekommen.

Doch das änderte sich, als er 15 Jahre alt war: Damals musste er als Flakhelfer die Daten berechnen, um feindliche Flugzeuge abzuschießen. 

Der Weltkrieg beendete seine Kindheit abrupt. „Da hat man uns die Jugend gestohlen“, sagt er im Podcast rückblickend. 

Weltkriegs-Zeitzeuge Heinz Zimmermann aus Friedrichshafen. (Foto: David Weinert)

Er erlebte Angriffe, sah sein Zuhause in Flammen aufgehen, brachte Zwangsarbeitern heimlich Essen. Im Podcast erzählt der 90-Jährige vom Alltag und den schlimmsten Momenten der Kriegsjahre, von der Totenwache neben einem Schulfreund, von Menschen, die einfach verschwanden, von Liedern, die ihn heute schaudern lassen.

Friedrichshafen als bedeutender Standort für die Wehrmacht

Friedrichshafen zählte damals zu den strategisch wichtigsten Städten ihrer Größe. Denn dort, am Ufer des Bodensees, produzierten gleich mehrere Rüstungsbetriebe für die Wehrmacht. 

Dornier stellte mit dem sogenannten Fliegenden Bleistift ein Kampfflugzeug her, das als Bomber und Aufklärer eingesetzt wurde. Die Zeppelinwerke bauten Teile für die Marschflugkörper V1 und V2, Maybach lieferte Motoren für deutsche Panzer und in der Zahnradfabrik (ZF) entstanden Bauteile für Getriebe von Militärfahrzeugen. 

In der Bombennacht vom 27. auf den 28. April 1944, als fast 300 Flieger die Stadt am See mit 1200 Tonnen verschiedener Bomben buchstäblich in Schutt und Asche legten, stand Heinz Zimmermann im Stadtteil Windhag auf der Anhöhe und musste zusehen, wie seine Heimatstadt in Flammen aufging. „Das war ein Anblick, den man nie mehr vergessen kann.“   

+++ Das Storytelling und alle Texte über den Krieg in Friedrichshafen gibt es hier +++

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